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Lost Place – „The Eggs“: Beatles Ashram

Schon von der High Bank, hoch über dem Ganges mit Blick auf Rishikesh, fielen mir die weißen eiförmigen Bauten in den Wäldern auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses auf. Die Leute um uns herum sprachen nur von den „Eggs“.

Es stellte sich heraus, dass diese Eier Teil des berühmten Ashrams sind, in dem die Beatles einige Zeit verbrachten, mehr oder weniger der indischen Spiritualität frönten und neue Lieder schrieben. Klar, dass wir uns das anschauen mussten. Mittlerweile ist das Ashram verlassen. Obwohl es ein Must-See für alle Backpacker ist, interessieren sich die Einheimischen und indischen Touristen nicht sonderlich für das Bauwerk und so ist das Gelände verwildert und die Anlage verfällt zunehmend.

Einige Tage später, als wir selbst in einen Ashram mitten in Rishikesh mit Blick auf die beeindruckende (und ganz schön wackelige) Hängebrücke Laxman Jhula wohnten, setzten wir den Plan in die Tat um. Wir suchten unseren Weg durch das Gestrüpp –  kein Schild, kein Wegweiser und keine Werbung. Schließlich fanden wir den kleinen Pfad, kletterten über baufällige Mauern und hatten es schließlich geschafft. Wir waren im Beatles Ahsram.

Aus dem Nichts, oder eher aus den Hecken, tauchte plötzlich ein junger Mann auf und verlangte einige Rupees Eintrittsgeld. Nach einigen Wochen in Indien hatten wir gelernt, dass ohne Feilschen gar nichts geht. Also diskutierten wir, schließlich kann er sich ja nicht einfach aus Lust und Laune hier hinstellen und Geld einkassieren.
Und ob er das kann. Gute Geschäftsidee, denn streng genommen ist unser Eindringen Hausfriedensbruch, falls es so was in Indien gibt. Um ein paar Rupees bereichert zog er von Dannen und wir durften weiter ins verwilderte Gelände.

1968 verbrachten die Beatles einige Wochen im Maharishi Mahesh Yogi Ashram. Bei Maharishi fanden sie nicht nur Zeit zum Meditieren und für Yoga, sondern schrieben auch einige Songs wie „Mother Nature’s Son“ und „Sexy Sadie“. Lange hielten es die Fab Four aber nicht bei ihrem Guru aus. Die möglichen Gründe und Äußerungen gehen auseinander: Sexuelle Absichten des Gurus, die Abneigung gegenüber dem vegetarischen Essen (Rishikesh ist übrigens bis heute eine rein vegetarische Stadt) bis hin zu den von Maharishi unerwünschten Drogeneskapaden der Band.

Tatsache ist, dass der Aufenthalt der Musiker in Indien ein großes Medienaufgebot mit sich zog und die Hauptstadt des Yoga weltweit bekannt machte. 1997 wurde das Ashram aufgegeben und wird seitdem hauptsächlich von Affen und zeitweise von einigen Sadhus bewohnt. Die Architektur der Anlage ist beeindruckend: Kleine Kieselsteinchen bedecken die Wände, separate Wohnhöhlen säumen den Weg, die eiförmigen Meditationsräume auf dem Dach. Den Beatles wird in der ehemaligen Meditationshalle gehuldigt. Riesige Malereien erinnern an die Band. Aber auch spirituelle Meister wie der Dalai Lama und der Ashramsvater wurden hier verewigt. Das verlassene Maharishi Mahesh Yogi Ashram bildet das I-Tüpfelchen der spirituellen Hochburg Rishikesh. Die ganze Szenerie ist beeindruckend. Die  Architektur, der Ausblick von den „Eiern“ über den Wald, das Zurückerobern des Gebäudes durch die Natur, wirklich einzigartig.

Rishikesh ist einfach eine Reise wert. Auch wenn diese meist ziemlich lange dauert und in unserem Fall auch nicht sehr positiv in Erinnerung geblieben ist und der Verkehr auch hier, wie überall, der pure Wahnsinn ist. Rishikesh entschädigt für alles: Die Hängebrücke, die Scharen an Pilgern, die riesige Shivastatue im Ganges, die Hanumanstatue, die sich mit Specialeffects das Herz aufreißt, die Wasserfälle, die weißesten Sandstände, das Pyramid Cafe, die Ashrams, das Yogaangebot… ich könnte ewig so weitermachen.

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