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Ein Tag am Meer: Das SAND Hotel am Timmendorfer Strand

Ich erinnere mich an die Sommerurlaube meiner Kindheit. Ich sitze hinten im Auto und klebe gespannt am Fenster. Ungeduldig versuche ich, so weit wie möglich nach vorne zu schauen. Die nächste Kurve kommt und dann liegt es funkelnd vor mir, das Meer. Mein Bruder und ich johlen und klatschen. Jetzt hat der Urlaub offiziell begonnen. Dieser Moment, in dem man zum ersten Mal das Meer sieht, ist immer besonders.

Dieses Mal reise ich mit dem Zug an und gehe vom Bahnhof zu Fuß dem Meer entgegen. Ich rieche die salzige Luft, höre dann ganz leise im Hintergrund die Wellen am Strand rauschen. Ich beschleunige meine Schritte, gehe über den Platz mit Restaurants und am Gebäude, in dem das Aquarium ist, vorbei. Dann sehe ich endlich die Ostsee. Ich stolpere und muss mich wieder daran gewöhnen, wie doof man mit Schuhen im Sand läuft. Ich atme ganz tief ein und spüre die Sonnenstrahlen, die für einen Februartag ganz schön warm sind, auf meinem Gesicht. Der Himmel ist wolkenlos blau, die Sonne lässt die Sandkörner glitzern. Das Wasser ist glasklar.

Ich laufe den Strand entlang, Sand fällt in meine Schuhe. Meine Augen schalten auf Weite um, entspannen sich vom hektischen Stadtschauen. Mein Puls schlägt erst schnell vor Freude, bevor er sich beruhigt. Meine Schultern werden weich. Mein ganzer Körper wechselt in den Entspannungsmodus. Ich lüge nicht, wenn ich sage: Die Entspannung habe ich dringend nötig. Ein großer Auftrag ist mir durch die Lappen gegangen. Ein Kunde zahlt seine Rechnung nicht, neue Aufträge gestalten sich gerade sehr zäh. Dazu kommen ein paar gesundheitliche Unpässlichkeiten. Ob der Berufsalltag für Grummeln in der Bauchgegend sorgt, Beziehungen uns gerade mehr belasten als entlasten, Zukunftssorgen uns nachts nicht schlafen lassen oder einfach das graue Wetter für trübe Stimmung sorgt – ein Ausflug ans Meer hilft immer. Es löst keine Probleme, aber es macht sie leichter zu ertragen. Das Meer ist für mich Wundsalbe auf geschwundener Seelenhaut. Es lindert, wenn das Leben wehtut und an manchen Ecken scheuert. Und da hilft selbst ein Tag am Meer.

Das SAND Timmendorfer Strand

Von Berlin habe ich mich in den Zug gesetzt und bin über Lübeck in gut drei Stunden zum Timmendorfer Strand gefahren. Nach meinem ersten Strandspaziergang begebe ich mich zu meinem Zuhause für eine Nacht. Das SAND Hotel liegt in zweiter Reihe am Meer. Ich tausche mich an der Rezeption über das grandiose Wetter aus, das in diesen Tagen wirklich jedem gut zu tun scheint und gehe direkt in mein Zimmer im obersten Stock des Haupthauses. Auf dem Weg, den ich auf Teppich im Sanddesign zurücklege, kann ich schon einen Blick in den Restaurantbereich erhaschen und im Zimmer setzt sich der Stil fort: Holz, helle Farben, moderner maritimer Stil. Die Coco-Mat-Betten sind aus Naturmaterialien handgefertigt. Im Badezimmer gibt es nicht nur eine Regendusche, sondern auch Seife von „Stop the Water while using me“, die ich sehr liebe.

Später erfahre ich, dass das Kopfteil vom Bett aus recyceltem Teak-Holz aus Indonesien ist. Früher war mein Kopfteil ein Haus. Solche Details ziehen sich als roter Faden durch das Hotel. Auch die Tafeln mit den Zimmernummern und die Lampen sind aus recyceltem Holz. Das SAND hat ein Nachhaltigkeitszertifikat. Es wird Photovoltaik genutzt, Plastik vermieden, aber auch im sozialen Bereich will das Hotel Gutes tun und unterstützt die Mitarbeiter mit Rentenzuschuss und Firmenautos. Nicht alle Ideen lassen sich immer direkt umsetzen, aber an Impulsen mangelt es nicht. Das SAND Hotel arbeitet mit Partnern zusammen, die diese Werte teilen. So zum Beispiel mit der Plattform für nachhaltige Hotels Green Pearls. Lokale Lieferanten und Projekte wie Katzensprung, mit denen sie einen Schlafstrandkorb verwirklicht haben, oder my Boo Bambusfahrräder gehören ebenfalls zum Netzwerk. Ich merke, wie viel Herzblut und Gedanken in jeder Entscheidung stecken. Mit jedem Schritt kommt man hier der Idealvorstellung näher.

Abschalten für die Seele

Zu einer richtigen Alltagsflucht gehört meiner Meinung auch eine Massage. Ich habe durch meine Arbeit am Laptop auf Cocktailsesseln in diversen Cafés immer Rückenschmerzen. Bintu Cham ist Dipl. Oecotrophologin. Sie bietet im SAND Hotel Fastenreisen und Coachings im Rahmen eines „SAND vital“  und auch Massagen an. Eine Stunde lang kümmert sich Bintu um meinen verspannten Rücken. Selten hat jemand meine geschundene Schulter so gut in den Griff bekommen wie sie.

Nach weiteren Stunden am Meer, in denen ich einfach nur durchgeatmet und meine Gedanken auf Papier gebracht habe, knurrt mein Magen. Im hoteleigenen Restaurant „Sand kulinarium“ habe ich ein vegetarisches Menü bestellt. Die Küche legt Wert auf gute Zutaten und bietet eine monatlich wechselnde Karte und viele Specials an. Beim „Freaky Friday“ dreht sich alles um Fisch, beim „Saturday Steak Fever“ steht Fleisch im Mittelpunkt. Zum Lunch geht es regional zu, dann gibt es norddeutsche Küche. Mein vegetarisches Essen besteht aus einem frischen Amuse bouche mit Tomate und Ziegenfrischkäse, dann gibt es eine herrlich cremige Kartoffelsuppe und eine Kürbisquiche mit Salat, bei dem mir das Avocadodressing besonders gut schmeckt. Ich trinke in gemütlicher Atmosphäre einen Pfälzer Wein dazu und freue mich schon auf das Abendprogramm: Die Roof-Top-Sauna wartet bereits auf mich! Die Sauna auf dem Dach wird auf Wunsch angeschaltet und bietet einen tollen Blick ins Timmendorfer Hinterland. Ein Blick, den man nicht so oft genießt, denn ob des Meeres gerät das Hinterland gerne in Vergessenheit. Schade eigentlich!

Nachdem ich früh ins Bett bin, Meeresluft macht immer so verdammt müde, bin ich schon zeitig beim Frühstück. Ich versorge mich mit Croissant und Brötchen und bediene mich großzügig an den selbstgemachten Marmeladen. Ganz grandios finde ich das Minzgelee! Ein Detail, was mir besonders gut gefällt ist das Geschirr. Statt weißen Standardtassen und -tellern gibt es Pastellfarben. Nach dem Frühstück mache ich es mir für eine halbe Stunde auf den Sonnenliegen gemütlich, denn es wartet noch ein langer Tag auf mich. Nach einem letzten Spaziergang am Meer fahre ich nach Lübeck, wo ich meinen Kurzurlaub mit einem Stadtbummel und Museumbesuch abrunde.

Offenlegung: Das SAND Hotel hat mir für eine Nacht eingeladen.

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