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Zeitreise ins Mittelalter: Im sleeperoo auf der Ebernburg

Wenn die Arbeit stressig oder alles einfach mal wieder anstrengend ist, wirken kleine Auszeiten vor der Haustüre Wunder. Es gibt für mich nichts Besseres gegen Alltagstrott, als einen kurzen Ortswechsel. Keine lange Anreise, sondern einfach in der Nähe eine besondere Unterkunft oder ein kleines Abenteuer suchen und schon lässt es sich wieder befreiter durchatmen. Manchmal entdeckt man dabei Orte wieder, an denen man seit der Kindheit nicht mehr war oder besucht Plätze in der Umgebung zum ersten Mal, obwohl man ständig daran vorbeifährt. Auch die eigene Region mal durch die Augen eines Touristen zu sehen, ist bereichernd. So erlebt man das Altbekannte ganz neu. So ging es mir bei unserem Besuch in Ebernburg, Bad Münster am Stein und Bad Kreuznach. Ich kenne die Gegend rund 15 Kilometer von meinem Heimatdorf entfernt gut aber meinem Freund konnte ich viele Orte zum ersten Mal zeigen und das hat mir selbst noch einmal vor Augen geführt, wie schön es hier an der Nahe ist.

Mit dem Zug in die Vergangenheit

Wir reisen mit dem Zug nach Bad Münster am Stein und laufen den Weg vom Bahnhof auf die Ebernburg zu Fuß. Immer im Blick das Panorama des gewaltigen Rotenfelsens. Auf dem Pfad hoch zur Burg kommen wir am Denkmal für Ulrich von Hutten und Franz von Sickingen von der bekannten Kreuznacher Bildhauerfamile Cauer vorbei. Die Ebernburg befand sich zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Besitz des Reichsritters Franz von Sickingen. Ulrich von Hutten brachte Sickingen die Idee einer Reformation der Kirche näher und so wurde der Reichsritter wichtiger Unterstützer und Anhänger der Reformation.

Wir betreten den Burghof und haben den ersten Blick auf die Landschaft von oben. Wir atmen kurz durch und sind neugierig, wo unser Platz für die Nacht wohl sein mag, denn heute erwartet uns ein kleines Abenteuer. Noch kann ich ihn nirgends entdecken. Wir melden uns deshalb erst einmal an der Rezeption des hiesigen Tagungshauses und bekommen nach den Formalitäten eine große Snackbox in die Hand gedrückt. Die Mitarbeiterin führt uns zum hinteren Teil der Burg durch ein Tor und dann steht er vor uns: Der Cube von sleeperoo.

Zwischen Ufo und Zelt: Der Schlaf-Cube

Der Cube von sleeperoo sieht ein bisschen aus wie ein Ufo, das aus der Zukunft hierher geflogen ist. Der Kontrast vom modernen Cube zu den Gemäuern der Burg ist ziemlich gelungen. Wir legen unsere Sachen für die Nacht ab und merken, dass das sleeperoo mit Zelten nicht wirklich viel gemein hat. Als Kind war ich jede Sommerferien im Zeltlager, später regelmäßig auf Festivals und so habe ich genügend Nächte auf steinigen Böden, die sich durch die Isomatte drücken, auf dem Buckel. Hier im Cube erwartet uns allerdings eine super bequeme Matratze und ein Ausblick auf den Sternenhimmel. Die Sleep-Cubes sind mobile Kabinen mit 12 Kubikmetern Raum. Dank eines Steckbau-Prinzips kann man so einen Cube im Prinzip überall aufstellen – mitten in der Natur oder auch im Innenraum. So hat man das Gefühl, draußen in der Natur zu schlafen mit eben etwas mehr Komfort als im Zelt. Der Clou sind die großen Panoramafenster, die einen den freien Blick in die Umgebung erlauben. Wer will, kann aber auch die Rollos für mehr Sichtschutz und Privatsphäre schließen. Auch bei Regen und Sturm, liegt man hier drinnen sicher und trocken. Es gibt Stauraum und Ablageflächen – ein kleines Platzwunder dieser Sleeperoo-Cube. Schön finde ich, dass bei Ausstattung und auch bei den Firmen, die die Snackbox füllen auf Nachhaltigkeit Wert gelegt wird. Das reicht von der Matratze bis zur Wasserflasche.

Kurgebiet Bad Münster und Bad Kreuznach

Wir halten uns gar nicht lange auf, denn wir wollen noch ein wenig die Gegend unsicher machen. Wir laufen durch den Ortsteil Ebernburg, vorbei an Fachwerkhäusern und urigen Weinstuben, die mit gutem NaheWein und Spezialitäten locken. Allerdings haben heute die meisten davon geschlossen. Macht aber nichts, denn unser Ziel heißt zunächst Bad Kreuznach. Wir laufen über die Nahe und bewundern von der Brücke aus den Blick auf den Rotenfelsen, die größte Steilwand nördlich der Alpen. Von hier aus hat schon der englische Maler William Turner den imposanten Ausblick genossen und in einigen Skizzen festgehalten. Jetzt ist der Ausblick als „Turner-Blick“ bekannt. Wenn man über die Brücke gegangen ist, ist man schon mittendrin im Kurgebiet von Bad Münster. Die besten Zeiten im Kurgebiet sind leider vorbei. Ich erinnere mich an Sonntage mit meinen Großeltern, an denen wir hier zum Entenfüttern gekommen sind. Mittlerweile gibt es viel Leerstand und über dem Kurgebiet hängt ein Hauch von Melancholie, zumindest empfinde ich das immer so. Schön ist es aber, vielleicht auch gerade deshalb, trotzdem. Was aber nach wie vor Konjunktur hat, sind die Gradierwerke, für die die Kurstädte Bad Münster am Stein und Bad Kreuznach bekannt sind. Wir laufen am wunderschönen Kurhaus vorbei, das irgendwie märchenhaft wirkt und halten ein wenig an den Gradierwerken inne. An den Salinen plätschert das Solewasser herab. Das hat nicht nur etwas ungemein Beruhigendes, es ist auch gut für die Atemwege, denn es zaubert eine Luft wie am Meer. Der Weg zwischen den Kurgebieten in Bad Münster und Bad Kreuznach lässt sich super als Spaziergang oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Unterwegs ein Eis oder ein Kaffee in einem der traditionellen Kurcafés und immer vorbei an der Nahe, die mal seicht, mal rauschend vorbeizieht. Kurz vor Bad Kreuznach passieren wir eine Trainingsstrecke für die Kajakfahrer, die hier für die Olympischen Spiele trainieren, denn Bad Kreuznach ist einer der Olympiastützpunkte in Deutschland und hat schon so einige Olympiasieger hervorgebracht.

Wir schlendern weiter über den Nachtigallenweg und überqueren dann wieder die Nahe und laufen ein Stück durch den Oranien- und Schlosspark. Angekommen in Bad Kreuznach hat man das Gefühl, dass hier mehr in das Kurgebiet investiert wird. Hier gibt es gepflegte Parkanlagen, hochwertige Kurhotels, hübsche Pavillons für Tee- und Kaffee und einen tollen Blick auf die Nahe. Direkt angrenzend zum Schlosspark und Schlosshotel gibt es ein großes Angebot in Sachen Entspannung. Die Curcenia Thermen werden aus dem Solewasser gespeist aber unser Ziel ist das Bäderhaus. Hier kann man ausgiebig saunieren und in Dampfbädern und Saunen so richtig schwitzen. Genau danach steht uns heute der Sinn und unser Plan für den frühen Abend ist fix. Doch zuerst machen wir noch einen kurzen Abstecher in die Kreuznacher Altstadt. Berühmt sind die Brückenhäuser auf der Alten Nahebrücke. Da damals der Platz in der Altstadt eng wurde baute man illegal zwischen 1480 und 1600 einfach auf der Brücke, die als Teil der Stadtmauer diente.

Wer Lust auf etwas sportliche Betätigung hat, kann sich hier bei Elena und Christian Bahmann von WHAT’SUP KH ein SUP leihen oder eine der Touren mitmachen. Auch Paddelboote stehen hier bereit, mit denen man ganz in Ruhe über die Nahe schippern kann. Wir gehen über die Brücke in die Altstadt, die von einigen netten Restaurants und Kneipen gesäumt ist. Am Eiermarkt gibt es hübsch restaurierte Fachwerkhäuser und das Denkmal des Lokalhelden Michel Mort. Die Legende besagt, dass der Metzger dem Grafen Johann I. von Sponheim das Leben in der Schlacht von Sprendlingen 1279 gerettet haben soll und dabei selbst tödlich verwundet wurde. Auf dem Weg zurück kann man durch die Fußgängerzone schlendern, falls man Lust auf einen Schaufensterbummel hat. Wir machen uns auf den Weg zurück zum Bäderhaus, um uns durch die Saunen und Dampfbäder zu schwitzen. Wer selbst gerne in die Sauna geht, kennt den Hunger danach. Wir gönnen uns also eine große Pizza und einen lokalen Wein und lassen uns dann ganz bequem mit dem Taxi zurück auf die Ebernburg bringen.

Eine Outdoornacht im Regen

Im Dunkeln ist es noch einmal surrealer über den Burghof zu unserem sleeperoo zu laufen. Wir machen es uns im Bett bequem, plündern die Snackbox und hören dem Regen zu, der nun auf unsere Dach prasselt. Leider können wir so zwar den Sternenhimmel nicht sehen aber das leise Geräusch wiegt uns ganz sanft in den Schlaf. Als sich das erste Tageslicht bemerkbar macht und ich die Augen öffne, wird mir bewusst, wie absurd es eigentlich ist, hier auf der Burg zu schlafen. Ich öffnen den Reißverschluss, klettere nach draußen und dann dieser Blick! Ich stehe ganz alleine an der Burgmauer, schaue ins Tal und fühle mich ein wenig wie eine Burgprinzessin. Ich stelle mir vor, wie es sein muss, wenn in Ebernburg das jährliche Mittelalterspectaculum stattfindet. Dann wäre die Illusion perfekt.

Eine Nacht im sleeperoo ist ein Erlebnis. Ich kann mir vorstellen, dass es an manchen Orten vielleicht sogar ein wenig gruselig sein kann, so alleine die Nacht zu verbringen. Wer einfach ein Standardzimmer für die Nacht sucht, ist hier falsch. Wer allerdings Lust auf besondere Orte und eine einmalige Übernachtung hat, ist goldrichtig. Wer sich auf der Homepage durch die Sleeperoo-Locations klickt, der kommt ins Schwärmen. Auf meiner Liste ganz oben steht definitiv eine Nacht auf einer Alpakawiese oder in einer Kirche. Wie cool ist das bitte? Hier findet ihr alle Standort und weitere Infos, was euch bei einer Übernachtung im Sleeperoo erwartet.

Ausflugstipps für die Naheregion

Die Weinregion bietet eine breites Angebot an Ausflugsmöglichkeiten. Von den urigen Weinstuben in den Weingütern mit Pfälzer Riesling und deftiger Küche zu Weinbergwanderungen und Radausflügen. Zwischen Ebernburg und Bad Kreuznach lässt es sich wunderbar durchs Kurgebiet aber auch direkt auf dem Wahrzeichen der Region, dem Rotenfelsen wandern und das auch im Winter! Eine Wanderung habe ich für das wunderschöne Buch „Deutschland im Winter“ vom Reisedepeschen Verlag beschrieben. Auf der anderen Seite der Nahe gibt es auch schöne Wanderungen zum Rheingrafenstein. Auch für Radtouren entlang der Nahe ist die Region perfekt. Für Kunst- und Kulturfans lohnt sich ein Besuch in Ebernburg bei der Kubach-Wilmsen Fondation. Hier stellen die Bildhauer Kubach-Wilmsen ihr Freilichtatelier eingerichtet und man kann das Haus des japanischen Stararchitekten Tado Ando bestaunen. In Bad Kreuznach lässt es sich auf den Spuren der Römer wandeln. Im Museum Römerhalle ist ein gut erhaltener Mosaikboden ausgestellt und man wandelt über die ausgegrabenen Mauern eine Römervilla. Einmal im Jahr findet im alten Ortskern von Ebernburg das Mittelalterspectaculum mit Ritterturnier statt. In Bad Kreuznach gibt es jedes Jahr im August den beliebten Jahrmarkt, der Gäste aus der ganzen Region in die Weinzelte lockt.

Anreise

Ebernburg ist ein Ortsteil von Bad Münster am Stein und rund 45 Kilometer von Mainz entfernt. Hier verkehren Züge aus Frankfurt und Mainz, sowie aus Kaiserslautern und Saarbrücken. Mit Zug und Bus kommt man von Ebernburg nach Bad Kreuznach, allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass es hier keine Anbindung wie in der Großstadt gibt und die Strecken höchstens einmal die Stunde und nicht bis in die Nacht bedient werden. Wer ohne Auto anreist, kann allerdings sein Rad mitbringen oder auf Taxis ausweichen.

Offenlegung: Sleeperoo hat mich für eine Nacht eingeladen. Danke dafür!

3 Kommentare

  • Thomas Borchardt

    Hallo Julia,

    Ich muss deinen Beitrag leider etwas modifizieren, da es bei uns keinen Pfälzer Wein, sondern NaheWein gibt und die Verkehrsanbindungen ab Bad Münster alle 30 Minuten per Bus oder Bahn gehen, da wir genau Wie Bad Kreuznach ein Knotenpunkt sind.

    Das in Bad Münster weniger investiert wird, ist auch nicht so wirklich richtig. Hier gibt es ein 5 Mio Projekt zur Neugestaltung der Kurkernzone und wir haben in diesem Jahr das größte zusammenhängende Prädikatswanderwegenetz mit unserem neu aufgelegten 3×3 Salinental. Hierbei handelt es sich um Prädikatswanderwege in der Wanderrevieren mit je 3 unterschiedliche Wandertouren.

    Da Bad Münster am Stein-Ebernburg ein Stadtteil von Bad Kreuznach ist, bekommen wir leider auch keine Kurabgaben, sondern müssen alles aus eigener Tasche finanzieren und gestalten.

    Ich denke so sieht deine Beschreibung schon ganz anders aus – übrigens ist der Cube eine Initiative des örtlichen Verkehrsvereins!

    • Julia Schattauer

      Hallo Thomas,

      vielen Dank für deinen Kommentar und die Einblicke und Hinweise aus Expertenhand. Leider waren wir ja nur einen Tag unterwegs und konnten so die sicherlich tollen Wanderwege nicht alle testen. Beim nächsten Mal wird das nachgeholt! Die Eindrücke aus dem Kurgebiet sind natürlich subjektiv. ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es nicht einfach ist, alles aus eigener Tasche zu finanzieren.
      Das mit dem Nahewein wird natürlich korrigiert!
      Liebe Grüße,
      Julia

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