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Auf nach MV – Die schönsten Kunstorte in Mecklenburg-Vorpommern

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Wie ihr wisst, bin ich großer Kunstfan. Bezirzt ist überhaupt erst wegen der Kunst entstanden. Mitten in der heißen Phase meiner Magisterarbeit über die Figur der Kirke im Symbolismus, genauer gesagt im Bild von Franz von Stuck, hatte ich das riesige Bedürfnis einen Blog zu gründen. Der Name war von Anfang an klar: Bezirzt. Denn ich wollte über diese Frau schreiben, die mich – ganz so wie sie es mit Odysseus & Co gemacht hatte – so bezirzt hatte. Dann änderte ich den Fokus und schrieb und schreibe über all das, was mich bis im täglichen Leben und vor allem auf Reisen begeistert und bewegt. Das sind Orte, Menschen aber eben auch immer wieder die Kunst. Im Idealfall in Kombination. Ich liebe es, meine Reisen mit kunstvollen Orten zu verbinden. Häuser aus der Kolonialzeit, Art-Déco-Villen, historische Altstädte, Burgen, Museen, Galerien oder auch Landschaften, die Künstler inspirierten – mit all dem kann man mein Herz hüpfen lassen. Das Schöne ist: Um solche kunst- und kulturrelevanten Orte zu besuchen, muss man nicht weit reisen. Und da ich gerade erst zwei Monate in der Ferne war, habe ich mir für den restlichen Sommer und Herbst vorgenommen, noch ein wenig Deutschland zu erkunden.

Eine Region, die bei mir bisher leider etwas zu kurz kommt, ist Mecklenburg-Vorpommern. Dabei gibt es wundervolle Orte der Kunst in Mecklenburg-Vorpommern. Als großer Fan der Romantik sage ich nur Rügen, wo ich ungelogen seit zehn Jahren hin möchte oder auch die besondere Architektur in Mecklenburg-Vorpommern. Als ich dann noch den Hinweis auf die Kampagne „Auf nach MV“ bekommen habe, die Mecklenburg-Vorpommern als Urlaubsregion vorstellt, und gleichzeitig Urlaubsbilder von einer Freundin aus Rügen eintrudeln, ist die Entscheidung gefallen: Ich muss endlich Nägel mit Köpfen machen! Und da ich weiß, dass einige unter euch auch etwas kunstverrückt sind, habe ich eine kleine Sammlung erstellt, was man sich hier im Norden unter dem Stichwort „Kunst und Kultur“ nicht entgehen lassen darf.

Rügen/Binz: Romantik und Inselarchitektur

Meine Sehnsucht nach Rügen hat früh begonnen und ich kann sogar ziemlich genau den Zeitpunkt benennen: Es war in der Oberstufe im Kunstunterricht, als wir die Epoche der Romantik als Thema hatten. Genau mein Ding! Als ich dann zum ersten Mal das Bild „Kreidefelsen auf Rügen“ oder die Bilder mit der Ruine Ettal von Caspar David Friedrich sah, war ich hin und weg. Ich war begeistert vom schwermütigen C.D Friedrich aus Greifswald, der in der Natur sein Seelenheil suchte. Auch Philipp Otto Runge, der mir dann im Studium begegnete und dessen Farbenlehre mich einmal die kompletten Semesterferien für eine Seminararbeit auf Trab hielt, schuf an der Ostsee seine Meisterwerke.

Mecklenburg‐Vorpommern im Ganzen ist eines der Zentren der Romantik. Die Kreidefelsen auf Rügen, die grünen Wiesen und knorrigen Eichen, geheimnisvolle Hünengräber und vor allem das so ganz besondere Licht, das heute auch die Touristen so fasziniert, waren für die Romantiker Inspirationsquelle für die Kunst. Neben Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge sind weitere bekannte Namen Friedrich August von Klinkowström und Georg Friedrich Kersting. Doch sehen wir mal kurz von meiner Schwärmerei für die Romantik ab, denn Rügen und vor allem Binz haben in Sachen Kunst, Kultur und vor allem Architektur noch einiges mehr in petto.

Rügen ist das Paradebeispiel der Inselbaukunst. Hier gibt es herrschaftliche Strandvillen im Stil der Bäderarchitektur aber auch Bauwerke der Moderne. Die Bäderarchitektur auf der Insel ist geprägt von der Vielfalt. Die meisten Häuser stammen aus der Zeit um 1900 als Architekten in Binz mit dem Bau von Hotels und Pensionen beauftragt wurden und so das Seebad entstand. Man findet Häuser im Stil des Klassizismus, Jugendstil und Historizismus aber, doch die Architekten planten die Häuser passend zur Insel sommerlich, freundlich und großzügig. Die Liste an wunderschönen Bäderstil-Villen ist groß: Villa Haiderose, Haus Klünder, Villa Meeresgruß. Das vielleicht kurioseste Bauwerk ist der ehemalige Rettungsturm aus den 1960er-Jahren des Binzer Baumeisters Ulrich Müther, der als Architekt der Moderne bekannt wurde. Heute hat der Turm eine romantischere Funktion, denn er kann man sich das Ja-Wort geben.

Ich will in Rügen die wunderschönen Villen sehen, einfach am Meer spazieren die Klippen bewundern und dem Müther-Turm einen Besuch abstatten, denn gerade dieser hat mich mit seiner Form schon immer ein wenig an ein Raumschiff erinnert. Das will ich live und in Farbe sehen. Naja so viel Farbe gibt es zwar nicht, aber ihr wisst schon.

Ein Ort für Künstler damals und heute: Ahrenshoop

Das Ostseebad Ahrenshoop auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst ist ein Ort für Künstler – und das schon seit mehr als 125 Jahren. Damals entstand hier eine Künstlerkolonie, deren Ruf weit rüber die regionalen Grenzen hinwegschallte und bis heute nachhallt. Getreu dem Motto “Was bleibt, ist Kunst” verweilen heute noch jährlich mehrere Stipendiaten im Künstlerrefugium Ahrenshoop. Was sie hier suchen? Neue Erfahrungen, neue Ideen, Gespräche mit Gleichgesinnten aber auch ganz viele Ruhe in der Natur.

Die Gründung der Künstlerkolonie 1892 geht hauptsächlich auf den Maler Paul Müller-Kaempff zurück. Einige Jahre zuvor hatte er das Fischerdorf bei einem Ausflug kennengelernt und sich in die Ruhe verliebt. Er baut schließlich hier sein Haus und gründet die Malschule St. Lucas. Nach und nach schließen sich weitere Künstler an und ein Zusammenleben mit lebhaften Diskussionen und wertvollem Austausch entsteht. Die Künstler verlassen die Städte, um auf dem Land in der Natur zu arbeiten. Sie wollen das Licht und die Weite, die Ursprünglichkeit und die Einsamkeit in ihren Werken festhalten. 

Die prominentesten Namen der Künstlerkolonie sind Brücke-Maler Ernst Heckel sowie die Schriftstellerin Käthe Miethe als eine der bekanntesten Autorinnen über Darß und Fischland. Mit dem Ersten Weltkrieg endet das Zusammenleben in der Künstlerkolonie. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kommen dann wieder Künstler hierher. Zwischen den Kriegen hat sich Ahrenshoop zu einem beliebten Seebad entwickelt, zu dem auch Schriftsteller, Schauspieler und Musiker kommen. In der DDR ist Ahrenshoop ein Ferienidyll für die kulturelle Elite. Doch auch weniger angepasste Künstler können hier leben und arbeiten. Für diese Offenheit steht Ahrenshoop auch jetzt noch. Heute gibt es zahlreiche Ateliers und Galerien, in der die unterschiedlichsten Gattungen und Stile zu sehen sind. Das 2013 eröffnete Kunstmuseum Ahrenshoop widmet sich der Künstlerkolonie im Kontext der Zeitgeschichte, ihren Errungenschaften und Problemen.

In Ahrenshoop würde ich gerne die Atmosphäre nachspüre, die die Künstler so anzog. Ich will Ateliers und Galerien erkunden, bei Veranstaltungen das lebendige Künstlerdorf kennenlernen.

Majestätische Bauwerke: Mecklenburgische Seenplatte

Güstrow, Rostock, Neubrandenburg, Schwerin – viele Orte sind auch hier mit den Romantikern verbunden. Ob Georg Friedrich Kersting oder Caspar David Friedrich, überall in der Mecklenburgischen Seenplatte findet man ihre Spuren. Hier fanden sie in der Natur und den alten Stadtkernen wichtige Bildmotive, die in den Museen der Gegend bewundert werden können und wurden in ihrer Kindheit in ihren Heimatdörfern geprägt. Doch was mich an der Mecklenburgischen Seenplatte noch mehr interessiert, sind die architektonischen Meisterwerke. Hier lassen sich die imposanten Burgen aus dem Mittelalter oder die majestätischen Residenzen der mecklenburgischen Herzöge bewundern. Die Vielfalt ist groß: Von Feldsteinbau oder Backsteingotik, Renaissance oder Englischer Landhausstil bis hin zu Klassizismus oder Neogotik reichen die Baustile. Schlösser, Burgen, Guts- und Herrenhäuser zeugen von der Pracht und Lebensart des Adels.

Eine Zeitreise ins Mittelalter lässt sich in der Burg Stargard erleben. Die im 13. Jahrhundert erbaute Burg ist die größte mittelalterliche Burg in Norddeutschland. Es gibt ein Museum, einen Kraut- und Wurzgarten und sogar eine Gewandschneiderei, die Einblicke in das Leben im Mittelalter bietet. In der Alten Burg Penzlin geht es ein wenig düster zu. Hier kann man in einem Museum in die Zeit der Hexenverfolgung eintauchen. Ein Thema, das mich schon immer fasziniert. Ich habe in der Schule sogar im Religionsunterricht ein Referat dazu gehalten. Eigentliche sollte ich 15 Minuten reden, am Ende unterhielt ich die Klasse die ganze Schulstunde mit Anekdoten und grausamen Details rund um die Hexenverfolgung. Mein Papa, der Hobbyhistoriker ist und sich vor allem für das Mittelalter interessiert und bei mir früh ähnliche Interessen weckte, ist daran wohl nicht ganz unschuldig.

Mehr Prunk gibt es dann in den majestätischen Anlagen aus späteren Zeiten. Das Schloss Schwerin wurde zwischen 1843 und 1857 errichtete und steht für einen Wohnstil des Adels an der Schwelle zur Moderne. Das Schloss Schwerin liegt idyllisch auf einer Insel im Schweriner See, eingebettet in eine Parklandschaft. Die prachtvolle Residenz gilt als einer der bedeutendsten Bauten des Historismus in Europa. Der Ursprung der Schlossanlage geht auf einen Bau aus slawischer Zeit zurück. Doch die Liste der Residenzen, Schlösser und Gutshöfen ist lange. Eine barocke Anlage könne Sie in Ludwigslust bewundern, den Renaissance-Stil im Schloss Güstrow oder die wunderschönen Sommerresidenzen und Jagdschlösser wie Granitz und Gelbensande. Man kann also nichts falsch machen, denn jedes Bauwerk hat seinen eigenen Charme und wunderschön sind sie alle.

Ob als Schlösserwanderung, im Rahmen von Festspielen oder Veranstaltungsreihen wie dem Schlösserherbst – die Architektur in Mecklenburg-Vorkommen lässt sich vielfältig und individuell erleben. Es lohnt sich, einen Blick in den Veranstaltungskalender oder auf die Homepage von „Auf nach MV“ zu werfen, um sich Infos und Inspiration rund um die Schlösserarchitektur in der Mecklenburgischen Seenplatte, der Kunst und Architektur auf Rügen oder zur Künstlerkolonie Ahrenshoop zu holen.

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