Berlin | Kunst und Kultur

Salome im Maxim Gorki Theater

14. Januar 2019

Ein leichtes Kratzen im Hals wird immer dann zur Höllenqual, sobald man sich in einer Situation befindet, die kein unbemerktes Rausgehen erlaubt und in der es besonders still ist. Genauso ging es mir bei der Vorführung von „Salome“. Ich kann die Hustenbonbons gar nicht so schnell lutschen wie mein gereizter Hals es verlangt. Ich versuche vergeblich den aufkommenden Hustenreiz zu unterdrücken, muss mich ihm aber genau dann geschlagen geben, als Salome laut „Stille“ ruft. Wie passend. Meinen Vorsatz, in der Pause das Theater zu verlassen, um nicht weiter zu stören, wir dadurch untergraben, dass es keine Pause gibt. Zum Glück endet das Stück dann, als mein letztes Bonbon ausgelutscht ist.

© Birgit Hupfeld

Mein Besuch im Gorki wurde zwar durch meinen Husten zur Herausforderung aber das Stück selbst entschädigte zum Glück dafür. Eines vorweg: „Salome“ ist unkonventionell. Das Auffälligste: das Geschlecht aller Figuren wurde getauscht und sokommt  der Tetrach in Gestalt einer schlanken jungen Frau daher, Herodias ist ein älterer Herr mit der Frisur einer jungen Gloria von Thurn und Taxis und Salome wird von keinem geringeren als Benny Claessens, von der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift „Theater heute“ zum Schauspieler des Jahres 2018 gewählt, im bunten Kleidchen gespielt.

Das Stück nach Oscar Wilde in der Inszenierung von Thomaspeter Goergen undmit  Regisseur und Bühnenbildner Ersan Mondtag ist einerseits bildgewaltig und dennoch in diffusen Nebel gehüllt. Die Bühne bleibt in vielen Teilen dunkel, das Bühnenbild reduziert. Hinter den Toren der Festung thront dafür zwischen Säulen die übergroße Plastik des Schauspielers Benny Claessens, nackt und etwas übergewichtig mit verklärtem Blick in die Ferne. Salome selbst tritt als weinerliche, nervöse und sich ständig beschwerende Tochter auf und – wen wundert’s – einmalig gespielt von Claessens.

Das Erzähltempo könnte für meinen Geschmack etwas schneller sein, zwischendrin ziehen einige Monologe das Stück in die Länge. Was „Salome“ ausmacht, ist aber weniger der Inhalt des bekannten Mythos‘, es ist das Spiel mit Klischees, Tabus und Selbstironie, vor allem verkörpert in der Figur des wütenden Hofnarrs, gespielt von Orit Nahmias. Salome ist ein Stück das sicherlich nicht jedem Geschmack entgegen kommt, das Angriffsfläche bietet und gerade deshalb seine Stärken hat.

© Birgit Hupfeld
© Birgit Hupfeld

Infos, Karten und Aufführungstermine gibt es hier.

Offenlegung: Das Ticket habe ich mit meinem Presseausweis kostenlos bekommen.

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