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10.000 Schritt: Wieso mein Handy mir wieder Spaß am Spazieren brachte

Ich habe mir für das neue Jahr mal wieder die typischen Dinge vorgenommen. Mehr Bewegung, gesünder essen aber auch ganz einfach: Zufriedener sein. Wie so oft läuft es mit diesen Vorsätzen so mittel gut. Ein paar mal Salat, ein halbherzig absolviertes 15-Minuten-Work-out mit YouTube und dann verläuft das ganze Vorhaben im Sande. Dieses Jahr habe ich allerdings an einer Sache richtig Spaß gefunden, am Spazieren! Und was das mit meinem neuen Handy zu tun hat? Ganz einfach: Ich habe aus Versehen den Schrittzähler aktiviert.

Es ist schon immer so gewesen: Sport macht mir keinen großen Spaß. Ich bin leidenschaftlich gerne zum Reiten, wobei es mir da vordergründig um die Tiere und das Ausreiten im Wald ging. Ich war sogar mehrere Jahre im Judo aktiv. Aber selbst dabei habe ich schnell herausgefunden, wie ich durch die Stunden mit möglichst wenig Anstrengung komme. Ich habe relativ früh die Anfänger bei den Fallübungen unterrichtet. Statt selbst herumzusporteln konnte ich daneben stehen und schlaue Ratschläge geben. Im Sportunterricht in der Oberstufe ging es sogar so weit, dass ich fast keine Sportnote bekommen hätte weil ich schlichtweg zu selten da war. Zum Yoga schaffe ich es alle Schaltjahre, dann freue ich mich am meisten auf den Entspannungsteil am Schluss. Also kurzum, Sport und ich, das ist keine große Liebe.

Was ich allerdings schon immer gerne mache, das ist die Gegend erkunden. Spazieren. Flanieren. Dabei denke ich nämlich gar nicht an die Bewegung, sondern freue mich, neue Orte zu entdecken und draußen bin ich als Dorfkind sowieso gerne. Im Winter und in der Stadt ist das allerdings auch immer so eine Sache. Meistens ruft dann doch eher das Sofa, das Buch oder die Serie.

Als ich mir letztens allerdings ein neues Handy kaufen musste, habe ich wie immer beim Einrichten einfach so ziemlich überall auf „OK“ und „Akzeptieren“ geklickt, aus mangelnder Geduld alles durchzulesen und dann war da plötzlich dieser Schrittzähler auf meinem Startbildschirm. Zunächst fällt mir diese Zahl nur nebenbei auf. Ich merke, dass ich an einem normalen Tag rund 3000 Schritte gehe. Zur U-Bahn, zum Café, in dem ich arbeite und wieder zurück. Dann bin ich einen Tag auf der Messe unterwegs und merke nach ein paar Stunden, dass ich über 10.000 Schritte gelaufen bin. Als ich allerdings recherchiere, dass 10.000 Schritte die empfohlene Schrittzahl der WHO für jeden Tag ist, werde ich stutzig. Das ist echt viel, aber irgendwie ist mein Ehrgeiz geweckt. Ein seltenes Gefühl. Denn wenn ich eines außer Geduld nicht habe, dann ist es Ehrgeiz. Kenne ich nicht, hatte ich eigentlich nie.

Ich sehe also an einem normalen Tag auf die Zahlen und da steht wieder etwas mit 3000. „Doof“, denke ich , schaue aus dem Fenster und merke, dass sich sogar ein wenig die Sonne zeigt. Ich ziehe also kurzerhand Jacke, Schal und Schuhe an und gehe nach draußen. Eine kleine Runde durch den Park und siehe da, die Schrittzahl nimmt angenehme Zahlen an. Ich merke mal wieder, wie schön es ist, dass wir gleich mehrere Parks in der Nähe haben und wie idyllisch es in Tempelhof doch eigentlich ist. Am nächsten Tage gehe ich zum anderen Park mit dem Damwild und schaue den Tierchen kurz beim Futtern zu und genieße ein paar Sonnenstrahlen im Gesicht. Ich will noch gar nicht heim und lege einen Stopp bei der Stadtteilbibliothek ein, der ich sage und schreibe bereits seit 1,5 Jahren einen Besuch abstatten will und nehme mir fest vor, morgen meinen Laptop einzupacken und hier zu arbeiten statt im Café. Ich gehe nach Hause und hole auf dem Weg noch den Espressokocher, den ich brauche und bin richtig zufrieden. Ich konnte gleich mehrere To-dos von der Liste abhaken, das fühlt sich gut an. Außerdem macht es mir richtig Spaß meine neue Nachbarschaft noch besser kennenzulernen. Mit all den Villen und Parks, immer in die Straße abzubiegen, die ich noch nicht kennen. Genauso, wie ich es auch auf Reisen gerne mache.

Der Schrittzähler hat mir die Lust am Spazieren in Erinnerung gerufen. Ich war diese Woche so viel draußen wie noch nie im Januar und ich habe mir schon einige Spazierrouten vorgenommen, die ich in den nächsten Tagen gehen will. Einerseits gibt es noch so viele unentdeckte Orte in der weiteren Nachbarschaft, andererseits würde ich gerne mal wieder in der alten Hood spazieren, am Landwehrkanal oder am Schlesischen Busch zum Beispiel. Mal schauen, auf wie viele Schritt eich dann komme.

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