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Fettnäpfchenführer Indien

18. April 2019

Ach Indien, du wirst immer meine große problematische Liebe sein. So anstrengend und kräftezehrend und doch immer ganz tief im Herzen. Bei meiner zweimonatigen Reise bin ich täglich verzweifelt, nur um eine Stunde später Momente der Glückseligkeit zu erleben. Es ist das pure Chaos auf den Straßen, die für uns ungewohnte Kultur, die offenkundige Armut mancher Inder, die tiefe Religiosität und unbändige Neugierde der Menschen, die das Reisen in Indien so intensiv machen. Ich war oft unsicher, wie ich mich verhalten soll und erlebte so ein paar seltsame Momente. Im Zug zum Beispiel redete ich genauso wie mein Freund mit dem Familienvater und erntete dabei schräge Blicke von der Frau. Ich wollte mich genauso wie mein Freund mit Handschlag bei unserem Host verabschieden, der damit nicht gerechnet hatte und mich verlegen ignorierte. Die Liste ist endlos.

Der Conbook-Verlag hat mit dem Fettnäpfchenführer für Indien die wohl häufigsten Gelegenheiten versammelt, in denen man sich überfordert fühlen kann. Mit unserer Ungeduld, Korrektheit und Unverblümtheit stößt man in den Untiefen der indischen Kultur ziemlich rasch an Grenzen. Das Buch ist ein Leitfaden, das einen vorab ein wenig auf den Subkontinent einstimmen kann. Ob er wirklich vorbereiten kann, wage ich zu bezweifeln, denn was ich in Indien gelernt habe ist, dass man sich nur auf eins verlassen kann: Das Unerwartete. Ein paar Tipps können aber definitiv nicht schaden! Hätte ich das Buch vorab gelesen, wäre mir sicher so mancher peinliche Moment erspart geblieben. Hier eine kleine Auswahl der Do’s und Don’ts, die ich so zu 100% unterschreiben kann:

Do’s in Indien:

Frühstück am Straßenrand einnehmen: Das gilt vor allem für Chai, auch Masala Tea genannt. Es waren oft die magischsten Momente, wenn wir am frühen Morgen im Dunst des Nebels den ersten heißen Tee schlürften und das Treiben auf der Straße beobachten konnten.

Im Zug in der Holzklasse quer durchs Land reisen: Oh ja! Nichts ist schöner als an den offenen Fenster der Holzklasse zu sitzen und den heißen Fahrtwind im Gesicht zu spüren. Sich Snacks mit den Einheimischen zu teilen, mit Händen und Füßen zu kommunizieren und zu staunen, was in einem Zug so alles verkauft wird.

Don’ts in Indien:

Bettelkindern Geld geben: So ein schwieriges Thema. Es bricht einem das Herz aber mit Geld unterstützt man nur mafiöse Strukturen. Außerdem nützt ein Kind, das Geld nach Hause bringt der Familie kurzfristig mehr, als ein Kind, das die Schulbank drückt. Lieber ein Lächeln und etwas zu Essen geben. Hier gibt es ein paar Gedanken von mir dazu.

Die linke Hand zum Essen benutzen: Für mich als Linkshänder schwierig. Doch sagen wir mal so: man sollte sich entscheiden, welche Hand zum Essen und welche Hand für die Hygiene benutzt wird und dann dabei bleiben. Bei den Indern benutzt man die linke Hand, um sich den Po nach dem Geschäft zu säubern und so kann es sein, dass man seltsame Blicke erntet, wenn man die linke Hand zum Essen benutzt. Wobei ich das Gefühl hatte, dass sich die Inder über gar nichts wundern, was die Touristen machen. Man benutzt hier kein Toilettenpapier, sondern Wasser, das man mit der Hand und einer Art Schöpfkelle aus einem Eimer schöpft. Klingt ungewohnt, ist aber eigentlich viel sauberer und umweltfreundlicher.

Das Buch von Karin Kaiser ist 2019 in einer Neuauflage beim Conbook-Verlag erschienen. Ich habe es als kostenloses Rezensionsexemplar bekommen. Hier gibt es alle Infos.

Mich würde interessieren: Was war dein Fettnäpfchen-Moment in Indien? Teile deine Story doch gerne in den Kommentaren, damit wir alle was zu Lachen haben. ;)

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