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Das New-York-Gefühl

(inklusive Gewinnspiel)*

Es fängt schon an, als wir nach dem AirTrain an der Jamaica Station in die U-Bahn steigen: Die typische silberne Farbe der Wagons, die USA-Flagge an den Seiten – man hat das Gefühl, all das schon zu kennen. Als wir an der Bowery Station aussteigen, sehe ich die Backsteinhäuser mit den Wassertanks auf den Dächern. Wieder das Gefühl: Erkannt. So geht es ewig weiter. Ich sehe am Abend die Dampfschwaden aus den Gullydeckeln steigen, die gelben Taxis über die Kreuzung fahren. Das Geräusch der Polizeisirenen, das Wendy’s-Schild oder das Empire State Building. Das New-York-Gefühl besteht zu einem sehr großen Teil daraus, Dinge zu erkennen. Man weiß aus Filmen und Serien, wie es in Manhattan aussieht, kennt das Haus der Ghostbusters oder der Friends-WG. Es ist ein ständiges Abhaken der Dinge, die man eigentlich schon kennt. Es geht darum, sie mit eigenen Augen zu sehen, ein Foto zu machen und zu wissen, ich war da. Beim Essen ist es ähnlich. Wir essen Burger bei Shake Shack, scheitern an der Menge an Pancakes und French Toast, trinken Kaffee mit „free refill“, holen uns Bagels in Midtown mit zu viel Cream Cheese und probieren Limos in den verrücktesten zuckersüßen Geschmacksrichtungen. Und jedes Mal denkt man: Genau so muss es sein. Das ist New York City.

So sieht die Freiheitsstatue durch die dreckigen Fenster der Fähre aus ;). Bei der Rückfahrt gab es dann richtige Fotos!

Manchmal ist dieses Vorwissen aber auch eine Krux, denn es bringt Erwartungen mit sich. Vielleicht waren die Dinge in Filmen bunter, größer, schöner, atmosphärischer und die Realität enttäuscht. Die Freiheitsstatue wirkt auf mich sehr klein und unauffällig, Soho irgendwie kompakt. Und so cool ich den Times Square bei Nacht finde, ehrlich gesagt, dachte ich auch, dass er noch größer ist. Das Naturkundemuseum, das vor allem wegen des Film „Nachts im Museum“ bekannt ist, wirkt auf uns alt. Gleichzeitig kommt es uns vor, als wäre hier alles aus Plastik und wenig fühlt sich echt an.

Trotz dieser Aha-Momente, die man in New York so prima abhaken kann, habe ich oft die Vergleiche zu anderen Städten im Kopf. An manchen Ecken sieht es aus wie in Manchester, an anderen wie in London, manchmal habe ich das Gefühl durch Mitte oder Kreuzberg zu laufen. Genau das macht ja New York auch aus. Doch irgendwie suche ich nach ein paar Tagen noch immer nach diesem ganz speziellen Moment, wo es bei mir klickt macht und es so richtig ankommt, dieses ganz spezielle New-York-Gefühl jenseits von Filmszenen.

Als wir die Fähre nach Staten Island nehmen, um kostenlos an der Statue of Liberty vorbeizuschippern, bleiben wir nach Ankunft dort, statt wie die meisten einfach direkt zurückzufahren. Wir fahren ein paar Stationen mit der U-Bahn und laufen zum Meer. Auf dem Weg dahin spazieren wir durch eine typische amerikanische Vorstadtsiedlung. Schon wieder haben wir dieses Filmgefühl. Schon hundert Mal gesehen und jetzt auch mit eigenen Augen. Am Strand ist es noch bitterkalt, aber viele Leute sind zum Spazieren unterwegs. Zum ersten Mal bekomme ich ein Gefühl von echtem Leben. Das ist es, was die Leute hier so machen, ihre Sonntagausflüge. Wir fahren weiter zu Coney Island. Der Vergnügungspark ist noch geschlossen, am Strand herrscht eine steife Brise. Wir genießen die Auszeit von der Großstadt und auch hier habe ich das Gefühl, ein wenig echtes Leben zu spüren, mitten in der Kulisse, die im Sommer so anders sein wird. Heute sind hier nur ein paar Leute, die ihre Hunde spazieren führen und Coney Island wirkt ein wenig melancholisch.

Während unserer Tage in New York absolvieren mein Bruder und ich das New-York-Programm. Wir shoppen, wir essen, wir staunen, schauen von Dachterrassen auf die Stadt. Wir besuchen ein Basketballspiel im Madison Square Garden und feuern die Knicks an. Wir belächeln ein wenig die Pausenunterhaltung mit T-Shirt-Kanone und Cheerleadern, trinken Bier für 13,50 Dollar und bekommen auf dem großen Bildschirm gezeigt, dass Gene Simmons von Kiss auch hier ist. Wir bewundern das abendliche New York vom Empire State Building, drehen eine Runde im Central Park und gehen am Zoo vorbei. Wir laufen auf stillgelegten Schienen im Highline Park und fühlen uns am One World Center etwas befangen.

Doch mein absoluter New-York-Moment, den habe ich, als wir im wunderschönen Abendlicht über die Brooklyn Bridge laufen. Zum Glück halten sich die Menschenmassen an diesem Tag in Grenzen und wir schlendern ganz gemütlich nach Brooklyn, hinter uns die Hochhäuser, die in der goldenen Abendsonne glitzern. In einem meiner Lieblingsbücher von Phantastik-Autor Christoph Marzi kommt die Brooklyn Bridge als Wohnort eines Spinnenvolkes vor. Daran muss ich denken, während die Brücke so beeindruckend schön über unseren Köpfen ist. In diesem Moment habe ich mein ganz persönliches New-York-Gefühl. Ich weiß gar nicht, wieso es dieser Moment unter vielen ist, aber er hat sich ganz fest eingebrannt. Es ist einer dieser besonderen Momente, die man in Schächtelchen packt, mit Schleife drum und im Kopf gut aufbewahrt.

Wie sieht es bei dir und New York aus, was macht New York für dich aus? Die Mischung aus verschieden europäischen Städten oder sind es die so typischen Filmkulissenmomente? Welcher Ort ist es, der dir das New-York-Gefühl gibt?

#Gewinnspiel beendet#

Beantworte mir diese Frage in den Kommentaren und gewinne einen New-York-Reiseführer von Baedeker Smart, der mir vor Ort immer wieder Inspiration geben konnte und ich im Vor- und Nachhinein super stöbern konnte.

Das Gewinnspiel läuft bis Donnerstag, 18.4 um 18 Uhr. Der Gewinner wird per Los ermittelt und per Mail benachrichtigt. Sollte sich der Gewinner nicht innerhalb von 48 Stunden zurückmelden, wird neu ausgelost. *Das Buch habe ich in zweifacher Ausführung bekommen. Einmal zum Selbstbenutzen und einmal für die Verlosung.

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