Busfahrten und Glückseligkeit: Mein Sri-Lanka-Tagebuch (2)

Sri lanka Coco Cabana

Ich sitze wieder einmal am Strand, um meine Gedanken festzuhalten. Es könnte mein Ritual werden, denn nirgendwo kann ich besser denken als hier. Kaum spüre ich die Wellen, die meine Füße umspülen, hab die Seeluft in und die Sonnenbrille auf der Nase, wehen meine Gedanken davon. So oft drehen sich meine Sorgen im Kreis, drehen immer und immer wieder ihre Runden in meinen Kopf, wie ein Tiger im Käfig. Hier im Wind fliegen sie davon, meine Gedanken nehmen freie Fahrt auf. Sie fliegen davon wie ein Vogel, den man aus seinem Käfig freilässt. Dann kann ich es kaum erwarten, bis ich ein Plätzchen gefunden habe, mein Büchlein auspacken und meine Gedanken aufschreiben kann.

Ich schreibe so schnell, wie meine inneren Worte davonwirbeln. So schnell wie die Busfahrer, die hier über die Straßen fegen. So schnell, dass ich am Ende kaum etwas entziffern kann. Aber das macht nichts, denn die Gefühle bleiben auf dem Papier wie Parfüm in einem Schal.

Ich sitze gerade am ewig langen und einsamen Strand in Benotota, ganz am nördlichen Ende, wo die Felsen den Strand von der nächsten Bucht trennen. Hier klettern Prachtexemplare von Krebsen auf den Steinen. Vereinzelt kommen ein paar Leute vorbei, die zum kleinen Tempel auf dem Felsen wollen oder zum Fluss dahinter. Ansonsten herrscht hier himmlische Ruhe, nichts lenkt vom Denken ab. Alles fließt. Es ist ein Zustand von federleichtem Sein, in den mich der Strand hier einlullt wie ein Gute-Nacht-Lied. Eine Woge von Wohlgefühl und Zufriedenheit überkommt mich. So heftig, dass es mich stocken lässt. So rar sind diese Momente, denn mit dem Zufriedensein tu‘ ich mich schwer. „Glückseligkeit“ ist das pathetische Wort, das mir hier in den Sinn kommt. Still und heimlich schleicht sich eine klitzekleine Träne in meinen Augenwinkel.

Abenteuer Busfahren in Sri Lanka

Gestern bin ich von Negombo über Colombo hierher nach Bentota gefahren. Das Reisen an sich, also die Fahrten mit Bus und Zug, haben mich in Indien immer am meisten gestresst (bis auf das eine Mal, als ich Hari Prem kennenlernte). Alles voll, hektisch, unangenehme Blicke. Und so hatte extra recherchiert, welchen Bus ich nehme, bzw. welchen nicht, nur um am Ende doch so zu fahren, wie ich eigentlich nicht wollte. Als ich den Tuk-Tuk-Fahrer in Negombo nach dem AC-Bus nach Colombo fragte, ich meint eigentlich den großen, brachte er mich zu den Minibussen. Wenig Platz und lange Wartezeiten, bis alle Sitzplätze besetzt sind, das wollte ich mir eigentlich sparen. Aber als ich schon davor stand und der Bus schon fast voll besetzt war, stieg ich doch ein und machte es mir in der hintersten Ecke bequem. Auch in Ordnung.

In Colombo angekommen war ich erst einmal positiv überrascht. Ich hatte es mir rund um Bahnhof, Busbahnhof und Markt deutlich schlimmer vorgestellt. Ganz in Ruhe schlenderte ich durch den Markt zum privaten Busbahnhof. Ich führte ein bisschen Small-Talk und fand auf Anhieb den Bereich, wo die Busse gen Süden fuhren. Auch hier wollte ich den großen, klimatisierten Bus mit wenigen Zwischenstopps nehmen. Stattdessen stieg ich in die erstbesten Klapperkiste, der sich von den staatlichen Bussen nur durch die Farben unterschied. Blau statt rot. Statt Klimaanlage, Fahrtwind, statt Express, Milchkannenfahrt. Ich war mich durchaus darüber bewusst, dass das nicht der AC-Bus ist, aber ich hatte ja Zeit.

Die ältere Dame, dLakshmi Sri lanka Busie sich direkt neben mich setzte, belehrte mich direkt, dass ich hätte den Zug nehmen sollen und nicht diesen Bus, der vier Stunden braucht. Aber ich war heute entspannt und auch mit der Aussicht auf vier Stunden Achterbahnfahrt über die Schlaglöcher nicht aus der Ruhe zu bringen.

Die alte nette Dame erzählte mir allerhand, von dem ich nur die Hälfte verstand, trank an meinem Wasser, natürlich ohne Mund an der Öffnung, und versuchte mein Rückgeld, das mit der Ticketverkäufer noch schuldete, zu organisieren. Der Ticketmann antwortet ihr mit einem undeutbaren Kopfnicken-Schütteln, das die Dame so an mich weitergab. Sei’s drum.

Bei jeder Buddhastatue, die am Wegesrand stand, faltet sie die Hände und sprach ein kurzes Gebet. „Your god is Buddha?“ fragte sie und als ich nach kurzem Zögern mit „Christian“ antwortet, schien sie halbwegs zufrieden. Kurze Zeit später schlief sie gemütlich mit dem Kopf auf meiner Schulter ein.

Ich schaute aus dem Fenster, sah immer wieder die schöne Küste und die kleinen Dörfer und träumte vor mich hin. Dabei wachtet stets Lakshmi über mich, die hinduistsche Göttin des Glücks, der Schönheit,  Liebe und des Wohlstands. Vielleicht hatte sie ihre Finger im Spiel und mir Glückseligkeit gebracht.

Als ich dank meiner Offline-Map merkte, dass wir bereits nach zwei Stunden kurz vor Bentota waren, weckte ich meine Sitznachbarin, damit sie mir sagen konnten, wann ich raus musste. Ich quetschte mich durch die Sitzbank, versuchte mein Rucksackmonster, das eigentlich sehr sparsam bepackt ist, in den Gang zu hieven, als der Bus eine abrupte Bremsung hinlegt und ich halb durch den Bus in die Arme eines jungen Mannes fiel. Der ganze Bus lachte, ich lief hochrot an, aber winkte freundlich beim Aussteigen. Das Rückgeld hatte ich übrigens nicht bekommen, aber die Busfahrt hatte ich mir trotz allem viel nerviger vorgestellt.

Ein Stückchen Pfalz in Bentota

Von hier fuhr ich mit dem Tuk-Tuk zu Stephie, die ich in einer Sri-Lanka-Gruppe bei Facebook kennengelernt habe.. Sie ist auch Pfälzerin und ich hatte sie wegen meinem Krawwelkatz-Projekt angeschrieben. Stephie ist mit einem Singhalesen verheiratet, lebt seit 3,5 Jahren hier und führt das Coco Cabana mit zwei riesigen Cabanas. In einem Zimmer darf ich für zwei Nächte einziehen. Ich wurde direkt herzlich begrüßt und gesellte mich zum Kaffeeklatsch auf die Terrasse. Am Tisch saßen Deutsche, die hier wohnen oder aber schon seit Jahren nach Sri Lanka kommen. Wir verquatschen den Nachmittag, redten ein bisschen über die Pfalz und Sri Lanka und am Abend bekam ich ein leckeres singhalesisches Essen und ein Gläschen Arrak-Cola, den lokalen Kokosschnaps, als Absacker.

Frühstück im Coco Cabana
Frühstück im Coco Cabana

Am nächsten Morgen erwartete mich auf der Terrasse ein üppiges Frühstück: Eine ganze Kanne voller deutschem Kaffee, Unmengen an Toast, Marmelade, ein frischer Ananassaft und ein singhalesisches Omlette. Ich genoss die Sonne, die durch die Palmen schien, versorgte die beiden Hunde Sheela und Oskar mit ein paar Streicheleinheiten und beobachtete die Streifenhörnchen, die hier Lena heißen, wie sie über die Mauer flitzten. Das Grundstück liegt direkt am Dschungel, nicht weit vom Fluss. Affen toben in den Bäumen, die Hunde tollen herum, ab und an schaut eine Katze vorbei und abends drehen die imposanten Flughunde ihre Runden. Das ist genau nach meinem Geschmack.

Gut gestärkt machte ich mich auf zum Strand, an dem ich jetzt sitze. Und weil nicht alles schon schön genug ist, kommt auf einmal eine Hundebaby angerannt, zielstrebig zu mir oder besser gesagt meinen Schuhen. Wir spielen kurz und dann ist das Kleine so schnell wieder verschwunden, wie es aufgetaucht ist. Das Leben kann schön sein.

Gleich laufe ich zurück und quatsche noch ein wenig mit Stephie, denn ich will sie in der nächsten Krawwelkatz-Ausgabe porträtieren und dann freue ich mich auf morgen. Dann geht es weiter nach Hikkaduwa und von dort immer weiter gen Süden.

Mein Sri-Lanka-Tagebuch

Hier geht es zu Teil 1 meines Sri-Lanka-Tagebuchs

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