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Vorweihnachtszeit und Reisen – eine Symptomatik

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Montag Plätzchen backen, Dienstag letzte Geschenke besorgen, Mittwoch nochmal einen Glühwein mit Kathy auf dem Weihnachtsmarkt schlürfen.

In den letzten Wochen des Jahres kommt meist etwas auf, was man so unschön als Sozialstress bezeichnet. Wenn einem im November Weihnachten noch ewig weit weg vorkommt, beginnt die Zeit am ersten Advent plötzlich zu rasen. Die Zeit, die eigentlich so viel Magisches hat, besinnlich und ruhig sein sollte, wird zu einem Marathon, stressig und ungemütlich.

Wir füllen die vier Adventswochen mit so viel Programm, dass sie fast auseinanderplatzen. Hetzten uns von einem gemütlichen Abend zum anderen, stressen uns mit Geschenkeinkäufen und vergessen dabei mal wieder das Wesentliche: einfach einmal zu genießen, einmal inne zu halten. Einfach mal zu entspannen.

Wir füllen die Weihnachtszeit mit Ritualen, die zu Weihnachten eben dazugehören. Wir haken ein Programm ab. So, wie es unserem Idealbild im Kopf entspricht. Glühwein, Plätzchen, Weihnachtsfeiern.

Wir treffen alle Freunde noch einmal zum Essen oder auf dem Weihnachtsmarkt, bevor sie sich auf in die Heimat machen und in alle Winde verstreuen. Wir verabschieden uns, als würde man sich zum letzten Mal sehen. Wir sehen uns nächstes Jahr. Da schwingt manchmal Wehmut mit.

Auch an Weihnachten selbst geht es weiter im Programm. Familie, Essen, Geschenke. „…und dann machen wir es uns gemütlich.“

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Mich erinnert die Vorweihnachtszeit in ganz vielen Punkten an das Reisen.
Wir fahren vier Wochen nach Südostasien, reisen jeden zweiten Tag weiter, weil wir in diese kostbare Zeit so viel reinpacken wollen an Erlebnissen und Eindrücken wie es nur irgendwie geht.

Trekking, Tempel, Tauchen – alles wird abgearbeitet und auf der Bucket List abgehakt.
Bevor es wieder nach Bangkok geht, stehen noch 5 Tage Inselshopping auf dem Plan. Entspannen am Traumstrand, der nächste Punkt, der auf der Liste steht.

Wird sind im Abhakmodus. So wie wir die Weihnachtsmärkte mit Anna, Sarah und Alex abhaken, haken wir das Nachts-nackt-im-Meer-schwimmen ab, das Taj Mahal und Yoga. Und dabei vergessen wir den Moment, das wirkliche Erleben, das was nachhaltig bleibt.

Ich schließe mich davon nicht aus. Ich weiß, dass es nicht immer möglich ist, sich vier Monate Zeit zu nehmen und langsam und nachhaltig zu reisen, auch wenn wir gerne würden, denn mir geht es genauso. Man will die wenige Zeit gnadenlos ausnutzen, saugt alles Fremde wie ein Schwamm auf. Da passiert es ganz leicht, dass man in den sogenannten Freizeitstress gerät.

Das hier ist ein Appell, am meisten an mich selbst. Ein Appell, achtsam zu sein. Immer wieder einmal das Tempo rauszunehmen, den Moment genießen, bewusst sein und dankbar.

Sei es bei der 16-Tage-Kambodscha-Tour, zwischen all den Weihnachtsfeiern und Kaffeeverabredungen oder am Heilig Abend bei der Familie.

Es ist eine Erinnerung an mich selbst: Raus aus dem Abhakmodus, denn mein Leben ist keine To-Do-Liste.

Es sind Erinnerungen, Geschichten und Momente, die mehr sind als ein Punkt auf unserer Liste, die das Ganze hier bedeutend machen. Momente, die wir bewusst genossen haben ohne mit dem Kopf schon beim nächsten Programmpunkt zu sein. Bei der Nachspeise oder beim Busfahrplan.

Momente, in denen wir achtsam sind, damit sie keine flüchtigen Eindrücke, sondern richtige Erlebnisse werden. Mit Menschen, Gefühlen und Gedanken.

Denn im Endeffekt geht es doch darum, was ganz am Schluss geblieben ist. In meinem Herzen, in meiner Seele.

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