Was Indien bei mir hinterlassen hat, gleicht einer Narbe

IndienBezirzt

„Schön war es, aber auch anstrengend“, meine Antwort auf die Frage, wie es in Indien war, fühlt sich an wie eine Lüge. Zuzugeben, dass es die schwierigste Zeit meines Lebens war, das schaffe ich nicht. Ich würde mir schwach vorkommen und müsste sagen, dass ich nie wieder nach Indien will. Aber das wäre genauso gelogen.

Ich will dir nicht von Indiens quälender Armut, von den Kranken in den Straßen erzählen, auch nicht von lachenden Kinderaugen, von der Lebensfreude der Ärmsten. Erwarte keine seichte Reiseanekdote, denn was ich dir erzähle, ist meine persönliche ganz intime Geschichte. Meine Geschichte davon, dass mir Indien alles abverlangt hat und mir in einer Stunde mehr gegeben hat, als ich je zu erwarten gehofft habe.

Rikschas, Roller, Jeeps und mittendrin Kühe. Wenn ich durch die Fotos blättere, höre ich das Hupen, rieche den Müll, spüre die Hitze auf meiner Haut. Mit einem Mal bin ich wieder mittendrin, hineinkatapultiert ins indische Chaos. Ich sehe mich auf der Laxman Jhula stehen, die Affen hangeln sich an der Hängebrücke entlang, Roller quetschen sich durch den Menschenstrom über die Fußgängerbrücke. Ein Foto genügt und alle meine Sensoren reagieren auf Indien.

Letztes Jahr im Februar erfüllte ich mir meinen Traum von Indien. Die Farben, die Vielfalt, die Lebensfreude, all das wollte ich mit eigenen Augen sehen, mit Leib und Seele erfahren.

ArambolFleamarket

Erleben mit Leib und Seele: Hätte ich gewusst, wie wortwörtlich das in Erfüllung gehen würde, wäre ich vielleicht niemals gegangen.

 

Letztes Jahr also: Wir haben beide unseren Abschluss frisch in der Tasche, unsere Wohnungen gekündigt. Raus aus München, heißt es für meinen Freund und mich, raus aus dem Studentenleben und mitten rein ins Land meiner naiven Träume.

Die Abschlussprüfungen blockieren noch immer mein Denken. Mir schwirrt der Kopf von romanischen Wandaufrissen, amerikanischen Realisten und böhmischen Madonnen.

Stress mit den Nachmietern, Schneechaos am Flughafen, EC-Karte vergessen, 12 Stunden Flugverspätung: Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, ich habe Erholung nötig. Mein Kopf muss endlich leer werden, alle Zahlen und Fakten raus. Stattdessen will ich ihn mit Farben füllen, mit fremde Gerüchen, Yoga und Meditation.

In Goa wartet der Strand, endlos und pulverweich. Wir verbringen die ersten Tage mit rauchen und reden. Einfach den Blick schweifen lassen und in den Tag hinein leben – in den ersten drei Wochen gönne ich meinem Hirn den totalen Leerlauf. Wir haben keine Eile und keinen Plan.

Doch irgendetwas läuft schief. Mein Kopf wird nicht leerer, im Gegenteil: Ich fülle ihn mit Sorgen und Ängsten, kann weder entspannen noch genießen. Keine Rikschafahrt ohne schweißgebadete Hände, ohne schon den Knall in den Ohren zu hören. Bei jeder noch so kurzen Fahrt bin ich mir sicher, dass es die letzte meines Lebens sein wird. „Gewöhnungssache“, rede ich mir gut zu, „irgendwann werde ich mich daran gewöhnen.

Doch ich gewöhne mich nicht daran. Ich sehe Unfälle, höre unfassbare Geschichten und die Angst formt sich wie ein schwarzer Ball zusammen und macht sich in meinem Herzen breit und in meinen Gedanken.

“Ich sehe verträumt aus dem Fenster, die Stimmung war entspannt. Ich sehe den Motorradfahrer um die Kurve kommen, sehe wie er ins Rutschen gerät. Es knallt und ich merke, dass ich schreie ‘das war ein Mensch'”, die Geschichte einer Reisenden in Anjuna lässt mich nicht los, in der Nacht träume ich davon.

Wir hören von der Schweizerin, vergewaltigt beim Zelten, vor den Augen ihres Partners. Meine Mutter macht sich Sorgen. Dass wir in diesen Nächten ebenfalls in Zelten schlafen, verschweige ich ihr. Die Zelte sind riesig und wunderschön, abschließen kann man sie nicht.

In der Nacht hören wir Gelächter und Motorgeräusche. Wir wollen schlafen doch hinter unserem Zelt steht eine Gruppe junger Inder. “Fuck”, “Girls”– wir hören nur einzelne Wortfetzen. Mit einem unguten Gefühl schlafe ich irgendwann ein.

Es wäre falsch Indien nur über die schwierigen Momente zu definieren, doch manchmal fühlt es sich an, als wäre ein Filter über allem. Ich bin nicht in der Lage, das Schöne zu sehen.

IMG_2070

Vielleicht soll es einfach nicht sein zwischen Indien und mir. “Man liebt es oder man hasst es”, heißt es immer wieder. Vielleicht muss ich mir mehr Mühe geben, es mehr versuchen.

Ich will Indien nicht hassen, weil es sich anfühlt wie verlieren.

Wir ziehen weiter in den Norden, fahren mit dem Zug von Delhi nach Haridwar. Wir müssen den langsamsten Bummelzug nehmen, der an jeder Haltestelle eine gefühlte Ewigkeit hält. Zeit hat in Indien andere Dimensionen.

Einige Schüler, wie man an der Uniform erkennen kann, kommen in den Zug und setzen sich zu uns. Oder besser gesagt: sie quetschen sich zu zehnt in unser Abteil und fangen an uns mit Fragen zu löchern. “Where are you from?” “Are you married?” Wir sind die Fragerei gewohnt und geben geduldig Antwort. Als hellhäutiger Mensch ist man stets eine Sensation und eine willkommene Gelegenheit das eigene Englisch auszuprobieren. Nach unzähligen „Yes’“ und „Nos“ merke ich, dass sich irgendetwas ändert.

Die Fragen werden penetrant und ich spüre, dass die Stimmung kippt. Aus der etwas eifrigen aber freundlichen Fragerei entsteht eine unangenehme Situation. Unsicher, wie wir uns verhalten sollen, werden wir wortkarger, die Jungs stacheln sich gegenseitig an. Ein Schüler aus einem anderen Abteil spricht die Gruppe an. Wir verstehen kein Wort aber es scheint, als würde er sie auffordern, uns in Ruhe zu lassen. Die Gruppe verlässt am nächsten Bahnhof den Zug und wir sind erleichtert. Doch plötzlich kommt einer der Schüler zurück und beginnt mit dem Gürtel auf den anderen einzuschlagen.

Mein Herz schlägt bis zum Hals, der Schläger drischt mit der Gürtelschnalle auf den anderen ein, bis er aus einer Platzwunde am Kopf blutet. Wir sind völlig überfordert. Ein Mann schlichtet schließlich die Situation, schickt den Angreifer nach draußen. Er setzt sich zu uns, sagt, dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Wir versuchen herauszufinden, warum die Situation eskaliert ist. Der Mann winkt ab und versichert uns, dass wir keine Schuld haben. Dass es bei dem Streit um uns ging, ist uns trotzdem klar.

Doch es gibt sie, die wunderschönen Momente: Wir baden im Ganges. Frisch aus den Bergen kommt der heilige Fluss ist glasklar und von feinstem Sandstrand umsäumt. Solche Momente sind es, die einen die Strapazen vergessen lassen. „Geht doch“, denke ich mit Wind in den Haaren und Sonne im Gesicht.

Am Abend erfahren wir, dass genau an dieser Stelle am Tag zuvor zwei Touristen vom Ganges verschluckt wurden. Das sanfte Rauschen des Flusses ist trügerisch, denn jedes Jahr fordert die Strömung etliche Todesopfer. Will Indien mir selbst die kleinsten Glücksmomente nicht gönnen?

Uns zieht es immer weiter in den Norden. Nach Himachal Pradesh, näher an den Himalaya, dahin wo der Dalai Lama lebt. Gehetzt von der eigenen Unfähigkeit sich mit diesem Land zu arrangieren. Vielleicht finde ich hier im Exil der Tibeter endlich Ruhe, Frieden mit mir und Indien.

942245_3014676023373_1211226782_n

Die 15-Stunden-Fahrt in die Berge nach Dharamsala setzt mir körperlich zu. Serpentinen, Schlaglöcher, vorher das fettige Essen, mein Magen spielt verrückt und im ersten Bundesstaat mit Plastiktütenverbot unserer Reise muss ich mich während der kompletten Busfahrt übergeben.

Statistisch gesehen stürzt jedes Jahr ein Bus über die Klippen. Schlechte Straßen, steile ungesicherte Abhänge, betrunkene Busfahrer. Das geht mir durch den Kopf. Ich weiß, ich sollte weniger recherchieren und meine Angstzustände werden wirklich zum Problem.

Erst wenige Wochen zuvor fiel ein Bus in den Abgrund. Auch unsere Zimmernachbarn hatten einen Unfall auf dem Weg in die Berge. Der betrunkene Fahrer fuhr gegen einen Baum. Zum Glück, die Alternative wäre der Abhang gewesen.

Eine Woche lang kann ich kaum etwas zu mir nehmen. Den selbstgebrauten Fencheltee unserer Zimmernachbarn würge ich hinunter, schließlich will ich nicht unhöflich sein. Ich habe das Gefühl, mein Körper passt sich meiner geistigen Verfassung an. Ich bin am Ende meiner Kräfte. Die ständige Angst, das Unvermögen die Dinge zu verstehen und das permanente Gefordertsein lassen mich kapitulieren.

Indien verlangt mehr von mir, als ich geben kann.

Ich bin unausstehlich und wir streiten. Ich laufe los, um Abstand zu bekommen. Im Wald unweit von McLeod Ganji entdecke ich eine Kirche mit Friedhof. Den ersten, den ich in Indien sehe. Ich bin allein, zum ersten Mal in Indien. Kein Hupen, keine Menschenmenge, nicht einmal Affen. Die Ruhe wirkt surreal. Ich gehe an den Gräbern vorbei, die mir viel zu klein erscheinen und bemerke, dass der Abstand zwischen Geburts- und Todesdatum schmerzlich gering ist. Kindergräber.

934670_3020890498731_1363034178_n

In der Hoffnung auf tröstende Worte rufe ich meine Mutter an. Sie hebt ab und beim Klang ihrer erstickten Stimme höre, dass nichts in Ordnung ist.

Meine Kehle schnürt sich zusammen, mein Herz pocht schmerzhaft in meiner Brust. Sie erzählt mir tränenerstickt von einem schmerzlichen Verlust, einem, der so gespenstisch gut zu diesem Ort passt. Ich höre während mir die Tränen die Wangen herunterfließen und bin unfähig zu sprechen.

“Can I sit down? Can I help you?” “Nein”, denke ich und nicke trotzdem. Ein älterer Mann setzt sich zu mir und, obwohl ich in diesem Moment nichts weniger möchte als reden, erzähle ich ihm den Schmerz von meiner Seele. Er erzählt von seiner Frau, warum er jeden Tag diese Kindergräber besucht. Er schenkte mir Trost und Verständnis, ohne etwas zu erwarten. Und zum ersten Mal bin ich in der Lage etwas anzunehmen, was Indien mir gibt. Alles, was dieses Land mir vorher abverlangt hat, bekomme ich in diesem Moment zurück. „Why are you here at this place? Right now.“, fragt er bevor er geht.

Ich bin nicht gläubig, glaube auch nicht ans Schicksal. Vielleicht ist es purer Zufall, der mich für diese Nachricht an diesen Ort geführt hat; der mir diesen wildfremden Mann schickte, der mir in diesem Moment zur Seite stand.

Dieser Mann, der mit den richtigen Worten zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, verhalf mir zu dem, was mir die ganze Zeit nicht vergönnt war: Loszulassen, zu akzeptieren. In diesem Moment schließe ich Frieden mit Indien.

Zurückblickend muss ich zugeben, dass mich Indien auch in den folgenden Wochen täglich aufs Neue herausforderte, mir den letzten Nerv raubte. Der Dreck, die Armut, die Massen. Doch meine Sicht der Dinge hatte sich geändert und wenn ich jetzt die Bilder ansehe, spüre ich das Kribbeln und ich weiß, dass meine Geschichte mit Indien noch nicht zu Ende ist. Noch lange nicht.

 

 

33 thoughts on “Was Indien bei mir hinterlassen hat, gleicht einer Narbe

  • 23. Oktober 2014 um 11:44
    Permalink

    Oh, ich denke, dass du in einigen Jahren wieder in Indien landen wirst. Mit anderen Erwartungen, mit anderen Voraussetzungen, mit mehr Reife. Als du diese erste Indienreise angetreten bist, war es sicherlich mehr die kitschige Romantik in Verbindung mit einer tiefen Tradition, die mit Magie dich anzog. Deine Illusion von einem Urlaubsidyll wurde dir genommen. Du wurdest in die Realität gebeamt. Deine Augen dir geöffnet, wirst du abermals nach Indien reisen. Mit dem Wissen, dass dort nicht nur Licht, sondern auch Schatten existiert. Du wirst also nicht mehr überrascht sein und deshalb deine Augen auf das Licht konzentrieren. Der alte Mann, an jener Zeit am richtigen Ort – der war dein Lichtblick. Dein Zeichen, noch einmal zurückzukehren. Irgendwann. Carol

    Antwort
    • Julia von Kalkofen
      23. Oktober 2014 um 11:49
      Permalink

      Carol, ich danke dir für deine Worte! Ich denke auch, dass ich heute Indien ganz anders wahrnehmen würde. Ich wusst auch vorher, dass mich Indien fordern würde aber es ist doch immer noch einmal etwas anderes, wenn man es dann selbst erlebt.
      Ich werde ganz sicher zurückkehren. Vor allem der Norden hat mich doch nicht losgelassen.
      Liebe Grüße,
      Julia

      Antwort
  • 23. Oktober 2014 um 12:25
    Permalink

    Der Text war richtig fesselnd.
    Ich war nie in Indien und so bald plane ich es auch nicht. Was du schilderst, habe ich genauso vor Augen.

    Toll, dass du deinen Weg gegangen bist und Indien so interessiert entdeckt hast.

    Antwort
  • 23. Oktober 2014 um 13:23
    Permalink

    Wow, wunderbar. Danke für den schönen Bericht und die offenen und ehrlichen Worten, fernab üblicher Yolo-Das-Leben-ist-geil-Reiseberichte. Verletzlichkeit zuzugeben ist nicht so einfach und umso mehr weiß ich zu schätzen, was du da geschrieben hast.

    Antwort
  • 23. Oktober 2014 um 14:29
    Permalink

    ich denke, wenn man sich vorher ausgiebig mit Indien befasst hat, weiß man worauf man sich da einlässt. Natürlich ist es immer ncoh ein Unterschied zwischen wissen und direkt erleben. Ich selber arbeite eng mit Indien zusammen. Meine Freundin ist Inderin und lebt in Neu Dehli. Indien ist ein Land mit den krassesten Widersprüchen. Hier leben Reichtum und Armut direkt beisammen. Ich habe meine Freundin dort besucht in Dehli. Sie gehört zu der oberen Mittelschicht, fast schon zu den Reichen. Ihre Wohnung ist groß und gut eingerichtet. Putzpersonal, Köchin und eine Schneiderin arbeiten für Sie. Bist du in dem Bereich in Indien aufgewachsen, hast du großes Glück und führst ein gutes Leben. Gehörst du zu der armen Sorte ist es hart. Man sieht das Leid des Landes direkt vor der Tür. Aber man darf es nicht verurteilen oder zu viel Mitleid haben. Für uns Europäer ist es schwierig nachzuvollziehen wie man dort leben kann. Aber wenn du dort aufgewachsen bist, kennst du es nicht anders. Es gibt natürlich viele traurige Beispiele, aber auch viele glückliche Menschen vor Ort. Mich haben wie dich die Eindrücke überwältigt und mein Herz war auch oft mit Schmerz erfüllt über diese Ungerechtigkeit auf der Welt. Dennoch obwohl Indien so ist, ist es ein sehr schönes Land mit einer sehr interessanten Kultur. Die Geschichte und Sehenswürdigkeiten sind unbeschreiblich. Jeder Tempel den ich besucht habe war einzigartig. Besonders hat es mir das Taj Mahal angetan und die Geschichte dazu. Ich würde jederzeit wieder dorthin reisen. Wenn du das erste Mal nach Afrika fliegen solltest (wenn du noch nicht da warst) wirst du ähnlich denken wie über Indien. Denn die Townships in Afrika sehen für uns auch erschreckend und ärmlich aus, doch die Afrikaner dort sind stolz auf ihr heim, welches sie mit eigenen Händen für die Familie geschaffen haben. Wir dürfen nicht mit unseren Augen,hohen Ansprüchen und unserem “Luxusleben” die Welt der anderen Länder sehen. Jedes Land hat leider einen anderen Standard. Gutheißen will ich auf keinen Fall die Armut. Viele liebe Grüsse, Svenja :)

    Antwort
  • 23. Oktober 2014 um 15:03
    Permalink

    liebe julia,

    danke für diese tiefen einblicke, ein wunderbarer text. indien berührt im positiven wie im negativen, es frisst einen manchmal auf, hat andererseits viel zu geben. so meine erfahrung ich wünsche dir, dass das band noch nicht ganz zerrissen ist. höre auf das kribbeln!

    liebe grüße,
    alexandra

    Antwort
  • 23. Oktober 2014 um 18:03
    Permalink

    Ein sehr intensiver Text. Meine erste Reise nach Indien – ganz alleine – beinhaltete Panikattacken und Luftnot und Anrufe zuhause, bei denen ich nur noch geheult habe. Dieses Land fordert einen ganz ordentlich heraus, das hat mich oftmals an den Rand meiner Kräfte gebracht.

    Das schöne an Indien – und das wünsche ich auch dir bei deiner nächsten Reise (denn die wird es geben!) – ist, dass es einen so leicht vergessen macht. 9 Std. Zugverspätung und dann 18 Stunden Fahrt nach Darjeeling, wo der Ofen im Zimmer bei 4° Außentemperatur kaputt ist? Scheiße! Am nächsten Tag mit Blick auf den Himalaya aufwachen: alles wieder gut.

    Irgendwie habe ich es geschafft, mich dort auf diesen bedingungslosen Glauben an das Karma einzulassen – es wird schon alles gut gehen!

    Antwort
  • Julia von Kalkofen
    23. Oktober 2014 um 18:59
    Permalink

    Ich danke euch für die netten, ermutigenden und ehrlichen Antworten. Ich habe durch meine Erfahrung in Indien vor allem eines: viel gelernt. Indien hat mich tief berührt, sicher oftmals auf andere Weise als gedacht aber umso intensiver wahrscheinlich. Und ich habe durchaus auch ganz wunderbare und tolle Erinnerungen an dieses Land und auch die werde ich sicher noch mit euch teilen.
    Danke für eure Kommentare!

    Antwort
  • 24. Oktober 2014 um 21:23
    Permalink

    Hmmm, das klingt alles sehr traurig, irgendwie so, als ob sich ein Traum in ein Alptraum verwandeln würde. Und doch scheint es ein einmaliges Erlebnis gewesen zu sein. Ich find’s schade, dass Du oben geschrieben hast, dass Du gefallen bist – so empfand ich es gar nicht, nicht ansatzweise. Ein völlig fremdes Land auf eigene Faust zu erkunden, da gehört total viel Mut zu. Und es ist menschlich, dass man sich nicht immer dabei wohl fühlt. Es war bestimmt eine Erfahrung, die Dich bereichert. Ich hoffe, dass Du Dich irgendwann nur an die schönen Seiten erinnerst.

    Wünsche Dir ein schönes Wochenende!

    Antwort
  • 27. Oktober 2014 um 21:24
    Permalink

    Oha Indien ist schon ein verzwicktes Thema. Ich hatte bis jetzt nie die Möglichkeit dahin zu reisen, oder suchte mir immer eine Ausrede dafür. Man könnte natürlich immer auf umliegende Länder wie Sri Lanka (in welchem ich war) ausweichen, jedoch bleibt dann wahrscheinlich immer dieses Gefühl “ich habe versagt” wie du schon gesagt hast.

    Es ist auf jeden Fall nicht ohne und eine Allheillösung habe ich auch nicht, hoffe jedoch dir gehts wieder besser :D Wahrscheinlich wars eh nicht das letzte Mal in Indien.

    Viele Grüße

    Matthias

    Antwort
  • 1. November 2014 um 11:23
    Permalink

    Wunderschön geschrieben! Liebe Grüße aus Toulouse! :D

    Antwort
  • 17. November 2014 um 20:32
    Permalink

    Danke für das Teilen Deines persönlichen Berichts. Und glaube mir, Du wirst wieder zurückkehren. Nach meinem ersten Mal Indien (war auch ziemlich krank) bin ich mit den Worten “nie wieder” aus dem Flieger gestiegen, ein paar Jahre später war ich drei Monate dort und letztes Jahr habe ich mich freiwillig für einen Arbeitseinsatz gemeldet, noch einmal 2 Monate. Die Erlebnisse müssen erst einmal sacken und dann versuche es noch einmal. Ich bin überzeugt, es wird besser!

    Namaste,
    Ivana

    Antwort
    • Julia von Kalkofen
      18. November 2014 um 12:24
      Permalink

      Liebe Ivana,
      du hast sicherlich recht. So oft höre ich Geschichten wie deine und das zeigt mir, dass ich sicher nicht alleine bin mit der gleichzeitigen Angst und Faszination.
      Danke für deinen Kommentar!
      Liebe Grüße, Julia

      Antwort
  • Pingback: Varanasi. Es geht um Leben und Tod | Bezirzt

  • Pingback: ...damit sich meine Ängste in Geschichten verwandeln | Bezirzt

  • 16. Mai 2015 um 22:32
    Permalink

    Wow, ein sehr interessanter und fesselnder Bericht! Am Ende kamen mir fast die Tränen… Ich war noch nie wirklich Reisen und auch noch nie weit weg im Urlaub, deshalb kann ich dein Erlebtes nur wage nachempfinden und auch nichts schlaues dazu sagen ;) Aber ich danke dir für diesen so offenen Artikel und ich denke, dass man auch gerade aus eher negativen Erlebnissen im Nachhinein viel Kraft schöpfen kann :-)

    Liebe Grüße!

    Antwort
    • Julia Schattauer
      19. Mai 2015 um 10:55
      Permalink

      Hallo Jana,
      ich danke dir und freue mich, dass dir der Bericht gefallen hat. Ich freue mich immer sehr über ein so nettes Feedback! Und entschuldige, dass dein Kommentar erst jett freigeschaltet ist, er ist versehentlich im Spamordner gelandet. LG, Julia

      Antwort
  • 28. Mai 2015 um 11:54
    Permalink

    Hi Julia,
    sehr spannend geschriebener Beitrag. Indien ist auch für uns anstrengend, aber Angst hatten wir noch nicht. Finde es krass, dass du so viele negative Eindrücke mitgenommen hast. Vielleicht peilst du das nächste Mal eher den Süden an; da fanden wir es deutlich einfacher. Im Norden war der Goldene Tempel von Amritsar noch eine wundervolle Erfahrung – vor allem auf menschlicher Basis.
    Beste Grüße aus McLeon Ganj,
    Francis

    Antwort
    • Julia Schattauer
      28. Mai 2015 um 20:07
      Permalink

      Hallo Francis,
      anstrengend trifft es ;). Der Süden wäre wirklich ein Traum, so mit Hausboot in Kerala… Ich glaube ich war vielleicht einfach noch nicht bereit für Indien. Nächstes Mal wirds sicher besser!

      Antwort
  • 28. Mai 2015 um 19:57
    Permalink

    Was für ein Text. So intensiv.
    Und hat mich persönlich sehr an einen ganz ähnlichen Anruf erinnert, den ich vor einigen Jahren von meiner Mutter auf Reisen erhielt und der den betreffenden Ort für mich ewig geprägt hat.

    Ich war noch nie in Indien, wahrscheinlich wird es auch dabei bleiben. So wie ich es empfinde, scheint es ein sehr ambivalentes Land zu sein – mit wunderschönen Eindrücken, aber eben auch solch furchteinflößenden, wie Du es beschreibst. Mir ist unwohl bei dem Gedanken, ein Land auch auf diese Art zu erleben; daher mache ich erstmal einen Bogen um Indien.
    Falls Du nochmal einen Versuch startest, Dich mit Indien zu versöhnen: Pass’ gut auf Dich auf.

    Alles Liebe,
    Tatiana

    Antwort
    • Julia Schattauer
      28. Mai 2015 um 20:05
      Permalink

      Du hast Recht, ich habe Sachen in Indien erlebt, die nicht schön waren. Doch wenn ich an Indien denke, dann habe ich gar kein schlechtes Gefühl mehr. Irgendwie habe ich mich versöhnt und denke durchaus nach, noch einmal nach Indien zu fahren. Eine Tour durch Kerala im Süden oder doch ganz in den Norden? Vielleicht bin ich beim nächsten Mal auch besser gewappnet.

      Antwort
  • Pingback: Der Storytelling Monatsrückblick Juni - Bezirzt

  • 2. Juli 2015 um 14:56
    Permalink

    Hallo Julia,
    ein sehr schöner Artikel, so emotional. Nachdem wir eine Reise nach Indien viele Jahre vor uns hergeschoben haben, klappte es jetzt über den Jahreswechsel. Wir haben auf unseren Reisen durch Welt schon einiges gesehen und erlebt und ich sagte, dass ein Indienurlaub alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen würde. Das basierte auf Fernseh- und Zeitungsberichten. Damit hatte ich jedoch ganz schön untertrieben, es kam viel härter. Man ist praktisch machtlos gegenüber dem, was alles da auf einen einströmt. Es ist so, wie Du geschrieben hast. Wir sind trotzdem froh, diese Reise gemacht zu haben. Es gab ja auch viele schöne Momente.

    Antwort
    • Julia Schattauer
      5. August 2015 um 9:40
      Permalink

      Du hast total recht mit dem was du sagst. Man weiß, dass Indien krass wird aber in echt ist dann alles irgendwie noch lauter, näher, intensiver. Ganz schön anstrengend aber auch wunderbar bereichernd! Ein faszinierendes Land!

      Antwort
  • 28. September 2015 um 11:41
    Permalink

    Es tut gut, auch mal über die schwierigen Seiten des Reisens in Indien zu lesen. Ich habe bei weitem nicht sooo negative Erfahrungen in Indien gemacht. Und doch: Das Elend, die Slums, der Dreck – all das hat mich mehr belastet als ich sagen kann. Ich kann auch nicht einfach darüber hinweg gehen mit einem “das ist halt so!”. Ich will mich auch nicht dran gewöhnen. Ich empfand Indien ganz bestimmt nicht als “bereichernd”. Eine Bekannte schwärmte mal von Indien “Ein tolles Land, in dem sogar Tiere heilig sind!” Als ich die mageren Heiligen Kühe gesehen habe, die mitten im Straßenlärm standen und Dreck und Plastik fressen mussten, weil sie alt und zu nichts mehr nutze waren, da empfand ich tiefstes Mitleid mit den Kühen und eine große Abneigung gegen die Menschen in Indien, die sowas zulassen. Am schlimmsten empfand ich die sexuelle Anmache durch die Männer. Und ich bin ganz bestimmt züchtig gekleidet gewesen. Ach, ich hoffe, dass nun mit zunehmenden Alter dieser schreckliche Aspekt des als Frau alleinreisens für mich wegfällt. Aber der Dreck, die Armut, das Elend bleibt (leider – es tut ja kaum jemand was dagegen). Und so sehe ich es nicht, dass ich jemals wieder nach Indien reise.

    Antwort
  • Pingback: Storytelling Monatsrückblick September - Bezirzt

  • 30. September 2015 um 10:32
    Permalink

    Ja, jetzt weiß ich, was du meintest… die Situation ist wirklich ähnlich -und es ist schrecklich beklemmend, in so eine Situation zu kommen. Auch die anderen, die Du schilderst klingen nicht sehr angenehm.
    Ich kenne mehrere Leute, die Indien lieben. Ich allerdings gebe zu, ich glaube, dass ich zu denen gehöre, die es hassen würden. Es klingt, als sei es ein Zuviel von allem. Ich glaube nicht, dass das etwas für mich ist – und daher steht Indien auch seeeeeeehr weit unten auf meiner Liste.

    Antwort
  • Pingback: 12mal12 Oktober - heldenwetter

  • Pingback: Allein Reisen als Frau in Indien: Ein Plädoyer

  • Pingback: Spinnenphobie auf Reisen. Oder: Acht Beine des Grauens - Bezirzt

  • 8. März 2016 um 10:57
    Permalink

    was für eine geschichte. ich hoffe für dich, dass sie fortsetzung findet und du das gefühl, gefallen zu sein durch das, wieder aufgestanden zu sein, ersetzen kannst. obwohl es durchaus in ordnung sit sich einzugestehen, dass man auch etwas nicht genießen konnte.

    Antwort
  • 11. April 2016 um 12:51
    Permalink

    Das ist der erste Artikel, den ich von Dir lese. Hier gelandet bin ich, weil es im Juli das erste mal nach Indien geht. Ich hab richtig Gänsehaut und einen Kloß im Hals, weil Du das so schön geschrieben hast.
    Ich habe mir noch gar keine Gedanken zu Indien gemacht, außer, dass ich auf alles vorbereitet sein sollte. Ich habe zwar keine Berühungsängste, aber vor Ort passen Deine beschriebenen Gefühle total zu meinem Wesen.
    Aber vielleicht ist es gut, dass ich diesen Artikel gelesen habe. Lieber mit viel Angst und niedrigeren Erwartungen losziehen, als schockiert zu werden.

    Liebe Grüße,
    Jacko

    Antwort

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>