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Pfalz: Krawwelkatz,  Kolumnen

IM GESPRÄCH MIT … MARKUS VIEWEG VON GLASPERLENSPIEL

Mit Glasperlenspiel steht Markus Vieweg auf den große Bühnen Europas und feiert Charterfolge. Einen Großteil seiner Jugendzeit hat er in Kirchheimbolanden verbracht, mittlerweile lebt er in Mainz und tourt durch die Welt. Mit uns hat er über Heimat, seine musikalische Karriere und Zukunftspläne gesprochen.

Markus, du bist in Berlin geboren, hast aber Wurzeln in Kirchheimbolanden und wohnst jetzt in Mainz. Mainz, Kibo, Berlin oder ganz woanders – Wo ist deine Heimat?

In Kibo hab ich die Oberstufe, das Abi und den Zivi absolviert. Insofern hab ich da eine sehr intensive Zeit erlebt, die mir natürlich sehr in Erinnerung geblieben ist. Allerdings tue ich mich mit dem Begriff „Heimat“ schwer. Ich bin einfach so häufig umgezogen, dass ich das nicht an einem Ort festmachen kann. Eher schon an Menschen an den jeweiligen Orten. Wobei ich auch zugeben muss, dass ich mich in Mainz sehr wohl fühle.

Inwiefern hat dich deine Kindheit in der Provinz geprägt? 

Ich habe große Teile meiner Kindheit in einem ganz kleinen Ort nahe der saarländischen Grenze verbracht. Das war natürlich toll, denn ich konnte immer im Wald spielen und hatte so quasi einen gigantischen Abenteuerspielplatz. Mit zunehmendem Alter wurde es dann aber immer ätzender und einengender. Der Bezug zur Großstadt war bei mir aber durch meine Familie immer gegeben, was sehr wichtig für mich war. Wobei man mit dem Begriff „Provinz“ aufpassen muss. Ein schlauer Kopf sagte mal: „Provinz findet im Kopf statt“. Dem stimme ich voll zu!

Du bist Bassist bei Glasperlenspiel: Hast du schon als Kind davon geträumt, in den Charts zu sein?

Naja, die Charts per se sind und waren nicht meine Antriebsfeder als Musiker. Die Bühne und das Publikum dagegen schon. Ich hab mir tatsächlich schon als kleiner Junge immer vorgestellt, wie es wäre, vor tausenden Menschen auf der Bühne zu stehen und mit einer erfolgreichen Band auf großer Tournee zu sein. Ich bin immer noch total geflasht, dass dieser Traum für mich wirklich in Erfüllung gegangen ist und ich all das erleben darf.

Wie hat deine Karriere als Musiker eigentlich angefangen?

Mit Ess-Stäbchen auf den Kochtöpfen meiner Mutter! Danach kamen diverse Instrumente. Meine Eltern sind äußerst musikalisch und haben mich unglaublich gut unterstützt und gefördert. Zu meinem elften Geburtstag bekam ich dann meinen ersten E-Bass, was mein Leben so positiv beeinflusst und bestimmt hat, wie vielleicht nichts anderes mehr danach. Die ersten professionellen Jobs als Musiker bekam ich schließlich zu Abi-Zeiten. Während des Studiums habe ich mich dann komplett über die Musik finanziert und so war der Übergang zum Profi-Musiker total organisch und entspannt.

Foto: Markus Vieweg

Mit wem würdest du gerne einmal auf der Bühne stehen?

Die Antwort ist so klar wie unrealistisch: Paul McCartney! Er ist für mich einer der besten Songwriter und Bassisten, die es gibt und wenn ich mir alte wie auch neue Videos von ihm anschaue, fasziniert und inspiriert mich seine unbändige Spiel- und Lebensfreude nach wie vor.

Man kennt es vom Urlaub: Egal, wo man ist, man trifft Deutsche. Du bist oft auf Tour. Triffst du unterwegs auch immer wieder andere Pfälzer oder fällt dir das nicht auf?

Ehrlich gesagt fällt mir das meist gar nicht so auf. Man trifft so viele Menschen und da finde ich die Herkunft immer eher nebensächlich. Auf der anderen Seite macht es natürlich schon Spaß, wenn man mit so feinen Typen wie Mark Forster irgendwo rumsitzen und schöööön uff pälzisch dummschwätze kann. Zudem kommt quasi unsere gesamte Crew aus der Pfalz, wodurch ich wahrlich kein Pfälzisch-Defizit zu beklagen habe. 😉

Was ist für dich typisch pfälzisch?

Hausmacher Doseworscht! Und e Dubbe mit guter Schorle. Was es erfreulicher Weise auch von meinen Freunden von dubdub in Dosen gibt. Perfekt für das Tourleben. 😉

Dein Lieblingswort auf pfälzisch:

„Ouw!“ Universell wie genial. Und ich mag die Elwedritsche, als Wort und als Tier.

Was hat Berlin, was die Pfalz nicht hat?

Großstadtfeeling

Was hat die Pfalz, was Berlin nicht hat?

Hausmacher und Elwedritsche

Wer ist der Held deiner Jugend?

Es gab immer die verschiedensten Musiker, die mich in bestimmten Phasen stark beeinflusst haben, aber einen richtigen Held hatte ich nicht.

Was machst du an einem freien Tag?

Lesen, Freunde treffen und neue Ideen aushecken. Und natürlich an meinem kleinen Spaßprojekt arbeiten: Ich habe seit über einem Jahr den kleinen Podcast „Tourgespräche“, in dem ich mich ausführlich mit befreundeten Musikern und Technikern über ihren Job und das Leben auf Tour unterhalte. Das für mich keine Arbeit sondern immer ein großer Spaß, dem ich auch gerne an freien Tagen nachgehe. Bei Interesse einfach mal www.tourgespraeche.de ansurfen.

Foto: Markus Vieweg

Vor kurzem hast du ein Lehrbuch für Bassisten herausgebracht. Wie ist es dazu gekommen?

Das waren drei Faktoren:

1. Die Idee ein Lehrbuch zu schreiben, das nicht die Grundlagen behandelt, sondern sich ausführlich und tiefgreifend mit Themen beschäftigt, die das eigene Spiel auf ein neues Level heben. Denn oft sind es nur Details, die aus einem guten Bassisten einen grandiosen Bassisten machen.

2. Meine Begeisterung für Technik und eBooks. Hier ist es nämlich möglich, die Inhalte nicht nur im Text zu beschreiben sondern auch gleich mit Audio, Videos und Animationen zu verdeutlichen. All diese Möglichkeiten habe ich dann auch in meinem Buch genutzt.

3. Das Bedürfnis, die langen Wartezeiten im Tourbus und Backstage sinnvoll zu nutzen. Das ist das
Tolle am Schreiben: Man kann es überall tun! Schaut mal rein unter www.nextstepsinbass.de

Studiert hast du Biologie. Was machst du in 20 Jahren? Forschen, auf der Bühne stehen oder Bassbücher schreiben?

Vielleicht forschend auf der Bühne Bücher schreiben? Aber im Ernst, ich habe keine Ahnung, was ich in 20 Jahren mache, dafür ist mein Leben deutlich zu turbulent. Ist auch nicht schlimm, ich freue mich auf das, was da kommt und achte einfach drauf, nicht stehen zu bleiben und das zu tun, was mir Freude bereitet.

Welchen Moment in deinem Leben würdest du gerne noch einmal erleben?

Oh weh, das kann ich unmöglich beantworten. Ich bin froh und dankbar, dass ich schon einige besonders tolle Momente erleben durfte, da kann ich nix speziell rauspicken. Wobei so ein Konzert vor 100.000 Menschen wie unsere Show beim Donauinselfest in Wien dürfte sich gerne wiederholen.

Welcher ist dein Lieblingsort in der Pfalz?

Ich mag abgelegene, möglichst einsame Orte. Solche Stellen findet man zum Beispiel auf dem Donnersberg oder im Dahner Felsenland.

Und privat: Wo willst du alt werden? In der Stadt oder einem kleinen Häuschen auf dem Land?

Ausgezeichnete Frage. Schwer zu sagen. Vielleicht auf einer abgelegenen Alm in den Alpen, mit Hubschrauberlandeplatz, damit ich schnell in meine fancy Stadtwohnung oder das Haus am Meer fliegen kann? 😉

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