Kunst und Kultur

Die Welt um 1914. Farbfotografie im Martin-Gropius-Bau

2. Oktober 2014
Albert Kahn, Les Archives de la planète Stephane Passet Indien, Bombay, Brahmanen und Sadhus, 17. Dezember 1913 © Musée Albert-Kahn, Departement des Hauts-de-Seine
Albert Kahn, Les Archives de la planète
Stephane Passet
Indien, Bombay, Brahmanen und Sadhus, 17. Dezember 1913
© Musée Albert-Kahn, Departement des Hauts-de-Seine

Von chinesischen Hohepriestern, indischen Sadhus und  senegalesischen Scharfschützen

Seit wann gibt es eigentlich Farbfotografien? Gute Frage, kurz nachdenken. Von Hitler gab es Farbfotos, auch wenn die Nazizeit in meinem Kopf schwarz-weiß aussieht. Okay, das heißt schonmal vor 1930. Hm, aber sonst? 1870? 1920?
Antworten auf diese Frage und (nicht zu vergessen) eindrückliche Farbfotografien zeigt die Ausstellung „Die Welt um 1914.Farbfotografie vor dem Großen Krieg“ im Martin-Gropius-Bau noch bis zum 02. November.

Tatsächlich entwickelten die Brüder Lumière bereits um 1904 das Autochromverfahren, mit dem sie farbige Bildaufnahmen anfertigen konnten. Zum ersten Mal war es möglich, die Welt in Farbe zu dokumentieren, Bilder mit Leben zu füllen. Der französische Bankier Albert Kahn nutze dieses Verfahren um 1908/09 Fotografen in die Welt auszusenden. Dort sollten sie Kultur, Kleidung und Architektur exotischer Länder festhalten und in die Heimat bringen. In einem schließlich 70.000 Bilder umfassenden Archiv sammelte er Zeitzeugnisse und kreierte einen ethnografischen Schatz, aus dem zahlreiche Fotografien nun im Martin-Gropius-Bau gezeigt werden. Mit den Zeugnissen aus fremden Welten sollte, so der Wunsch Kahns, in Zeiten der Aufrüstung ein Beitrag zum Frieden geleistet werden. Denn „Wer sich kennt, respektiert, und von Angesicht zu Angesicht begegnet, muss keinen Krieg führen.“

Was auf den ersten Blick als nüchteren und theorielastige Ausstellung daherkommt, entpuppt sich jedoch schnell als eine Fundgrube an berührenden Zeitzeugnissen. Authentizität, das ist das Stichwort zur Ausstellung und diese berührt.
Der forschende Blick des Fotografen, der vom Interesse an fremden Kulturen zeugt, trifft auf Persönlichkeiten. Der Mensch als Repräsentant seiner Kultur und gleichzeitig als Individuum rückt in den Fokus.

Albert Kahn, Les Archives de la planète Stephane Passet Mongolei, nahe Ulaanbaatar, wahrscheinlich Damdinbazar, die achte Inkarnation des mongolischen Jalkhanz Kuthugtu, 17. Juli 1913 © Musée Albert-Kahn, Departement des Hauts-de-Seine
Albert Kahn, Les Archives de la planète
Stephane Passet
Mongolei, nahe Ulaanbaatar, wahrscheinlich Damdinbazar, die achte Inkarnation des mongolischen Jalkhanz Kuthugtu, 17. Juli 1913
© Musée Albert-Kahn, Departement des Hauts-de-Seine

Neben den Fotografien im Autochromverfahren zeigt das Museum Bilder von Adolf Miethe, dem Erfinder einer panchromatischen Filmbeschichtung und damit Urheber des Dreifarbendrucks. Durch das Übereinanderlegen von drei Farbdrucken entsteht ein mehrfarbiges Bild, welches in seiner Ästhetik noch mehr an Aquarelle als an Fotografien erinnert. Dieses Verfahren hatte einen bedeutenden Anteil an der Entwicklung der Farbfotografie und fand seine Verwendung vor allem in ersten fotografischen Farbbildbänden.

Dieses Verfahren inspirierte den russischen Fotografen Sergei Mikhailovich Prokudin-Gorskii, der 1909 den Auftrag bekam, das Russische Reich in 10.000 Aufnahmen festzuhalten. Diese Aufnahmen sind ebenfalls in der Ausstellung zu bewundern.

Im ersten Weltkrieg schließlich war von Kahn’s ideologischen Annahme von der Fotografie als Friedensbringer nichts mehr zu spüren. Die Farbfotografie zeigte den Krieg in nie dagewesener Lebendigkeit, zeugte vom Soldatenleben an der Front und diente als Meilenstein der Kriegspropaganda.

Albert Kahn, Les Archives de la planète Stephane Passet China, Peking, Palast des himmlischen Friedens, vierter Hof, östlicher Anbau, ein buddhistischer Lama in zeremoniellem Gewand, 26. Mai 1913 © Musée Albert-Kahn, Departement des Hauts-de-Seine
Albert Kahn, Les Archives de la planète
Stephane Passet
China, Peking, Palast des himmlischen Friedens, vierter Hof, östlicher Anbau, ein buddhistischer Lama in zeremoniellem Gewand, 26. Mai 1913
© Musée Albert-Kahn, Departement des Hauts-de-Seine

Die Welt um 1914. Farbfotografie vor dem Großen Krieg. Albert Kahn, Sergej M. Prokudin-Gorskii, Adolf Miethe

Martin-Gropius-Bau Berlin
Niederkirchnerstraße 7
10963 BerlinÖffnungszeiten

MI bis MO 10:00–19:00
DI geschlossen

 

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