Das nächste Mal mit Allrad: Island

Wir sitzen im Auto, der Scheibenwischer läuft auf Hochtouren und kommt trotzdem kaum den Wassermassen hinterher. Das hier ist kein normaler Regenschauer, das ist ein ausgewachsener Platzregen und dieser ergießt sich seit Stunden auf unser herab. Zu viert sitzen wir in unserem sportlichen Mittelklassewagen und bewegen uns im Schritttempo auf der Straße in Richtung Vik, vorbei an schroffen Felsformationen, heißen Quellen, Wasserfällen. Das sagt zumindest unser Reiseführer, sehen können wir davon nämlich nichts.

Die anhaltenden Regenfälle lassen uns nur sporadisch anhalten. Raus, ein kurzes Foto und schnell wieder ins Trockene. Neben der fehlenden Sicht macht uns der Zustand der Straßen zu schaffen. Ausgewaschene Fahrspuren, Schlaglöcher, Rollsplitt und Felsbrocken sind nichts für unseren kompakten Wagen, der in jeder deutschen Stadt eine gute Wahl wäre, aber nicht in Island, wo ein geländefähiger Jeep definitiv von Vorteil wäre. Vor uns fahren zwei besonders mutige Zeitgenossen auf dem Motorrad. Neben den Regenmassen kommt eine steife Brise dazu. Das Motorrad tut sich schwer, gegen den Seitenwind zu bestehen und sehe die beiden Biker schon vor uns auf die Straße knallen. Als sie endlich den Blinker setzen und nach links auf einen Parkplatz abbiegen, atme ich erleichtert auf.

Wir fahren weiter gen Süden, trotz fehlender Sicht und anstrengenden Bedingungen zum Fahren. Doch was sollen wir tun? Wer nur eine Woche Zeit hat, um Island zu erkunden, der muss dem Wetter trotzen. Ein Tag Pause kommt nicht in Frage. So fahren wir stoisch weiter. Vorbei an Basaltsäulen, Felsnadeln und Aussichtspunkten. Ich verfolge unsere Wege mit dem Finger auf der Karte. Um uns herum nichts als Grau und Nebel, immer im Takt des unermüdlichen Scheibenwischers. Ab und an machen wir einen kurzen Zwischenstopp an der Tankstelle und trinken Kaffee, um uns ein wenig zu wärmen. Die Stimmung ist so trüb wie das Wetter.

Es regnet den ganzen Tag durch. Jede Hoffnung, dass das Wetter etwas besser wird, je weiter wir uns dem Süden nähern, wird zunichte gemacht. Regen bis spät am Abend, als wir erschöpft die Tür zu unserem Apartment in der Vorstadt von Reykjavík öffnen. Ein verlorener Tag. Ich gehe mit dem Gedanken ins Bett, dass man für Island definitiv mehr Geld in die Hand nehmen muss und einen Van mieten sollte, mit Allradantrieb. Beim nächsten Mal würde ich das anders machen und mit mehr Zeit eine richtige Rundreise machen und campen. Solche Erkenntnisse gehören auch zum Reisealltag.

Das Wetter ist uns gnädig und begrüßt uns am nächsten Tag zwar nicht mit strahlendem Sonnenschein, aber immerhin mit passablem Reisewetter. Heute steht eine andere Strecke auf dem Plan und dieses Mal sehen wir auch hoffentlich ihre Sehenswürdigkeiten. Island, schön dich zu sehen.

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