Westerland strand
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Westerland im Herbst und das vielleicht schönste Hotel auf Sylt

Wenn man aus dem Südwesten Deutschlands kommt, denkt man dass „da oben“ alle nahe beieinander ist. Dass Sylt und Berlin trotzdem gute sechs Stunden Zugfahrt trennt, war mir gar nicht so bewusst. Trotzdem setze ich mich an einem Morgen im Oktober in den Zug und freue mich auf eine Miniauszeit am Meer. Westerland ist das Ziel und bis dorthin nutze ich die Zeit zum Arbeiten am Laptop. Spätesten aber, als nach Hamburg immer mehr Kühe und Schafe auf den Weiden stehen, schaue ich öfter aus dem Fenster. Die Landschaft wird weiter, einsamer und als wir dann über den gut elf Kilometer langen Hindenburgdamm fahren, der das festland mit Sylt verbindet, setzt das Urlaubsgefühl ein. Ich bin auf der Insel.

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Angekommen auf der Insel

Also ich aussteige, tut es eine ganze Armada an Rollkofferreisenden mit mir. Ich merke also, dass auch jetzt im Oktober noch gut was los ist auf Sylt. Auf dem Bahnhofsvorplatz muss ich schmunzeln als ich die grünen „Reisenden Riesen im Wind“ sehe. Die übergroßen Skulpturen stehen ziemlich schief in der Gegend rum und ich bin froh, dass gerade keine so starke Brise herrscht. Ich gehe die paar Minuten zu Fuß zu meinem Hotel für die nächsten zwei Tage. Als ich an der Villa 54° Nord ankomme, habe ich Glück: Eigentlich ist die Rezeption nur bis 15 Uhr besetzt und es ist bereits 15.20 Uhr. Zum Glück ist noch ein Mitarbeiter da, checkt mich ein und gibt mir den Schlüssel zu meinem Zimmer.

Als ich Tür öffne, staune ich nicht schlecht. „Zimmer“ ist in diesem Fall etwas untertrieben. Mich erwartet ein ganzes Apartment mit großem Wohn- und Essbereich, einer Küche und einem großzügigen Schlafzimmer. Ich habe sogar gleich zwei Zugänge zur Terrasse. In der Küche gibt es eine Kaffeemaschine, einen Induktionsherd, Mikrowelle und eine Spülmaschine. Also auch für längere Aufenthalte ist man hier vorbereitetet. Sowohl im Wohnzimmer als auch im Schlafzimmer gibt es einen Fernseher und sogar Bluetooth-Lautsprecher sind vorhanden. Im Badezimmer gibt es eine moderne bodentiefe Dusche und eine wunderschönes Naturstein-Waschbecken. Die Einrichtung überzeugt mich sofort. Die Grundfarben sind gedeckte Braun- und Grautöne. Highlights setzten Farbtupfer in Türkis und Pink, die sich in Textilien und den Bildern an der Wand wiederfinden. Besonders cool finde ich die Möbel, die mit dem Aluminium echte Hingucker sind. Ich verstaue meine Sachen im Schrank, ruhe mich ein paar Minuten aus und mache mich dann auf den Weg nach draußen, um mir ein wenig Westerland anzuschauen.

Designhotel Villa 54° Nord
Westerland Villa 54° Nord: Schlafzimmer
Villa 54° Nord Westerland
Villa 54° Nord Bad

Wieder am Meer: Miniausflug nach Sylt

Es ist einfach immer wieder das Gleiche: Man hört das Meer rauschen, die Luft riecht immer salziger je näher man dem Wasser kommt und dann liegt es plötzlich vor einem: Das Meer. Ich liebe den Moment immer wieder, wenn man zum ersten Mal das Meer sieht. Gerade an der Nordsee war ich schon ewig nicht mehr. Das letzte Mal als Kind. Ich sauge die Luft ein und lasse meinen Blick über das Wasser bis zum Horizont schweifen. Was für eine Entspannung für die Augen – vor allem nach Stunden am Laptop. Ich laufe an der Promenade entlang, vorbei an der Muschel, auf der in der Sommerzeit Konzerte stattfinden. Ich bewundere die wunderschöne Fassade des Hotel Miramar, das neben dem riesigen Hotelkomplex daneben noch mehr aus der Zeit gefallen wirkt. Ich laufe auf dem Sand bis zum Meer und genieße das Knirschen unter den Sohlen. Kinder rennen mit Gummistiefeln bis ins Wasser, die Möwen ziehen Kreise über meinem Kopf. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr ein paar Minuten am Strand, egal zu welcher Jahreszeit, einfach den Kopf freimachen. Runterkommen par excellence.

Mein Magen macht sich mit einem Knurren bemerkbar. Ich hatte schon vorab etwas recherchiert und festgestellt, dass das mit dem vegetarischen Essen auf Sylt nicht ganz so einfach ist. Ich bleibe deshalb gleich bei der ersten Adresse direkt an der Promenade und gönne mir ein Glas Rotwein und einen Flammkuchen mit Ziegenkäse und Honig. Der Flammkuchen ist so riesig, dass ich mit Mühe gerade einmal die Hälfte schaffe. Ich trinke in Ruhe aus, schreibe ein wenig in mein Notizbuch und komme innerlich so langsam an. Nachdem ich den letzten Schluck getrunken habe, drehe ich eine Runde durch die Innenstadt. Ich schaue in ein paar Schaufenster und bin überrascht, wie viele nette Bars, Cafés und Kneipen es gibt. Als mir ein paar Jugendliche begegnen, frage ich mich, wie es wohl ist hier in Westerland zu leben und in welche Kneipen man da als Jugendlicher so geht. Zurück in der Unterkunft freue ich mich einfach auf einen faulen restlichen Abend auf der Couch. Ich schaue ein wenig fern und verziehe mich dann auch schon bald mit einem Buch im Bett. Der nächste und einzige komplette Tag in Westerland will schließlich gut für meine kleine Syltauszeit genutzt werden.

Westerland Miramar
Westerland Strandkörbe
Strand Westerland

Ein perfekter Start in den Tag: Gemeinsam frühstücken in der Villa 54° Nord

Nach einer ruhigen Nacht, in der ich nur ab und zu den Wind höre, mache ich mich auf den Weg zum Frühstücksraum. Das Besondere: In der Villa 54° Nord wird gemeinsam gefrühstückt. Auf dem Tisch stehen Schälchen mit Wurst, Käse, Fisch und Obst, dazu ein großer Korb mit unterschiedlichen Brötchen und Croissants. Karaffen mit Wasser und Saft und Marmeladen stehen ebenfalls direkt auf dem Tisch. Den Kaffee holt man sich an der Maschine selbst, Tee gibt’s auf dem Tresen. Wer will, nimmt sich noch Müsli oder Toast. Auf Wunsch gibt es frisch zubereitete Eierspeisen. Am Anfang bin ich noch die Erste am Tisch. In der Zeit plaudere ich mit dem Angestellten Christoph über Gott und die Welt, im wahrsten Sinne. Wir entdecken gemeinsame Stationen wie Bayern und Indien und tauschen uns aus. Nach und nach trudeln andere Gäste ein und ein paar nette Gespräche entstehen. Ich frage nach guten Tipps für den Tag und werfe aufgrund der Vorschläge meinen Tagesplan ein wenig um. Ich verabschiede mich von der Runde und hole meine Sachen. Ich lasse das Aquarium aus und gehe direkt in die Sylter Welle. Ich finde, es gibt nichts Schöneres als im Herbst und Winter in der Sauna zu schwitzen und da das Wetter am Vormittag noch eher bescheiden ist, am Nachmittag aber aufklaren soll, steht die Sauna also als erstes auf dem Tagesplan.

Frühstückstisch in der Villa 54° Nord

Westerland im Herbst: Schwitzen in der Sylter Welle

Eines vorweg: In Sachen Sauna bin ich verwöhnt. Ich meine, wer in Berlin das Vabali hat, ist schwer von anderen Saunen zu begeistern. Zudem gibt es im Berliner Umland eine ganze Menge an grandioser Saunen wie die Spreewelten in Lübbenau mit Pinguinen oder das Tropical Islands und von der Bleiche im Spreewald gar nicht erst angefangen …

Die Sylter Welle ist ein wenig in die Jahre gekommen. Über das Bad kann ich nicht fiel sagen, da ich nur in der Sauna war. Es gibt aber eine schöne Auswahl an Saunen. Im oberen Bereich ist es hell und geräumig. Besonders schön fand ich die Möglichkeit nach draußen in die Dünen zu gehen und sich nach dem Saunagang in einen der Strandkörbe mit Blick auf die Nordsee zu setzen. Die Außensaunen, einmal eine Erdsauna mit Kamin, die besonders heimelig anmutet und eine Panoramasauna mit Meerblick, fand ich besonders gemütlich. Um mich so richtig zu entspannen, gehe ich spontan in den angrenzenden Spa-Bereich des Sylteness-Centers. Kurzfristig kann ich eine 25-minütige Rückenmassage buchen und bekomme zudem noch einen Bademantel und Slipper in die Hand gedrückt. Ich fühle mich sofort wunderbar umsorgt und nehme kurz im gemütlichen Ruhebereich Platz. Dann geht es auch schon los. Die Rückenmassage ist perfekt im Druck. Insgesamt sehr sanft, an den richtigen Stellen fester. Nach kurzer Zeit ist mein Rücken richtig schön durchblutet und die vom kalten Wetter geplagte Muskulatur weichgeknetet. Viel zu schnell sind die 25 Minuten vorbei. Nach einem letzten Saunagang gehe ich in die Umkleide, packe mich dick ein und gehe wieder nach draußen. Mittlerweile sind die dunklen Regenwolken verschwunden. Ich bringe rasch meine Saunasachen zurück ins Hotel, das idealerweise nur fünf Minuten entfernt ist und gehe dann zum nahegelegenen Busbahnhof. Denn wie immer bin ich ohne Auto unterwegs und auf die Öffis angewiesen, da ich bei Nordseewind nicht unbedingt aufs Rad steigen möchte. Vom ZOB geht es in circa einer viertel Stunde zu meinem nächsten Ziel nach Keitum.

Westerland: Ausflug ins Kapitänsdorf Keitum

Das alte Kapitänsdorf Keitum war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts der Hauptort der Insel und Wohnsitz vieler Kapitäne. Hier gibt es jede Menge Tradition und ländliche Idylle. Die reetgedeckten Häuser mit den Steinwällen sind teilweise bis zu 200 Jahre alt. Sie erinnern an die Zeit, wo der Walfang den Inselbewohnern Wohlstand brachte. Ich spaziere durch die Gassen vorbei an gemütlich eingerichteten Cafés und Läden vorbei. Ich komme zu einem Pferdestall, wo gerade auf dem Reitplatz eine Reitstunde stattfindet und ich kurz in Kindheitserinnerungen verfalle. Und dann sehe ich auch endlich meine Syltklischees bestätigt: Designerboutiquen mit exklusiver hochpreisiger Mode und Schmuckateliers in altehrwürdigen Häuschen. Hier gibt es keinen 80er-Jahre-Charme mehr wie in Westerland sondern der Hauch von Exklusivität gepaart mit jeder Menge Inselcharme.

Ich laufe zum Meer und gehe auf dem geteerten Weg an der Küste entlang. Gerade ist Flut und das Meer kommt mir ziemlich nahe. Ich laufe bis zum Dorfrand und biege dann wieder auf die Straße ein. Hier befindet sich das Altfriesische Haus, in dem man die Wohnkultur des 18. Jahrhunderts bewundern kann. Neben Museen und Geschäften hat Keitum noch ein kleines Kuriosum zu bieten: Hier befinden sich die nördlichste Weinberge Deutschlands. Nach meinem Rundgang gehe ich zurück zur Bushaltestelle. Auch jetzt zur Nebensaison stehen schon einige Menschen an der Haltestelle und vollgepackt bis zum letzten Platz fahren wir zurück nach Westerland.

Altes Haus in Keitum
An der Küste in Keitum

Die letzten Sonnenstrahlen des Tages am Strand Westerland genießen

Ich nutze die letzten Sonnenstrahlen des Tages, um noch einmal am Strand in Westerland am Meer entlangzugehen. Ich gehe zunächst durch die Fußgängerzone und mache spontan einen Stopp im Sylter Teekontor. Direkt bekomme ich einen Becher Tee in die Hand gedrückt, der mir wirklich gut schmeckt. Ich muss zugeben, dass ich überhaupt kein großer Teefreund bin und Kaffee immer vorziehe. Das darf man hier natürlich genauso wenig zugeben wie die Tatsache, dass man Vegetarier ist und auch keinen Fisch isst. Nach der kurzen Stippvisite im Teegeschäft flaniere ich wieder entlang der Kurpromenade vorbei am Goschstand nach Norden. Ich komme an der Surfschule vorbei, die jetzt geschlossen hat und versuche mir vorzustellen, wie es wohl im Sommer hier zugeht. Ich beobachte Familien, die gemeinsam mit Gummistiefel und Regenjacken im Sand spielen und stelle fest, dass ich wirklich ein absoluter Grünschnabel in Sachen Nordseeurlaub und der richtigen Kleidung bin. Am ersten Abend habe ich noch ein wenig über die älteren Pärchen gelächelt, die in perfekt abgestimmten Regenjacken an der Promenade entlangspazierten. Heute muss ich zugeben, dass Strickpulli und meine kurze Lederjacke wirklich keine gutes Outfit für die Nordseebrise am Meer sind. Auch wenn es sonnig ist, bläst der Wind und zieht mir unter der Jacke in den Rücken und von vorne durch alle Maschen meines Strickpullis. Ich notiere mir also innerlich: Sylt nur noch mit Outdoorjacke! Als sich die Sonne langsam dem Horizont nähert, mache ich mich auf den Rückweg.

Strand in Westerland

Vegetarisch essen in Westerland

Mein letzter Stopp an diesem Tag ist das Abendessen im Sylter Stadtgeflüster. Bei meiner Recherche hatte ich herausgefunden, dass es hier auch immer ein vegetarisches oder veganes Gericht gibt, außerdem hat mir die freundliche Einrichtung direkt zugesagt. Als ich das Restaurant erreiche, verlassen gerade die Gäste einer Hochzeit das Haus. Ich habe Glück, denn bis eben war hier geschlossene Gesellschaft und nun beginnt der normale Restaurantbetrieb. Ich bin also der erste Gast des Abend und erkläre gleich, dass ich etwas Vegetarisches essen möchte. So spart sich er Kellner das Vorlesen der komplette Tagesempfehlung kann mir die für mich relevanten Gerichte nennen. Ich bestelle einen Weißwein und den Quinoasalat mit Tofu und Gemüse. Bevor das Essen kommt, bekomme ich einen Gruß des Hauses, der aus zwei Brotsorten und einer Currybutter besteht. Ich hatte beim Bestellern erwähnt, dass ich keine Zwiebeln esse und der Kellner wollte mir erst eine Butter mit Zwiebeln bringen, tauschte diese aber sofort gegen die Currybutter aus. Super aufmerksam. Der Hauptgang ist hübsch angerichtet und schmeckt frisch und fruchtig. Da ich super gerne nachwürze, freue ich mich über das schwarze Meersalz, das auf dem Tisch steht.

Auf dem Rückweg ins Hotel mache ich noch einmal einen kleinen Umweg durch das Stadtzentrum. Wenn du schon einmal in Westerland warst, ist dir auch aufgefallen, wie viele Crepestände es gibt? Nach meinem kleinen Verdauungsspaziergang gehe ich „nach Hause“ und falle todmüde ins Bett. Meerluft schlaucht einfach. Der nächste Morgen begrüßt mich mit regnerischen Schietwetter. So fällt mir der Abschied von der Insel zwar dennoch schwer, da ich jetzt richtig angefixt bin und gerne mehr von Sylt sehen würde, andererseits macht das Wetter den Abschied bis zum nächsten Mal auch etwas leichter. Dass ich wiederkomme steht fest. Wer kann schon behaupten auf Sylt gewesen zu sein, ohne die Sansibar, die Uwe-Düne oder List gesehen zu haben?

Fazit:

Westerland ist eine Stadt. Die Großteil der Gebäude strahlt den Charme der 80er aus. Zugegeben: Es gibt sicher schönere Orte auf der Insel. Dennoch ist Westerland eine gute Station, gerade wenn man ohne Auto kommt. Man ist hier gut angebunden und kommt von hier prima mit dem Bus voran. Es gibt eine gute Auswahl an Restaurants und Bars, die Sylter Welle ist ein guter Plan für schlechtes Wetter und die Promenade lädt zum Flanieren ein. Die Villa 54° Nord ist ein Hotel, das ich wirklich empfehlen kann. Es ist mitten in Westerland super gelegen und einfach wunderschön eingerichtet. Die Preise sind mehr als fair! Hier findest du alle Infos.

Kurzer Nachtrag zu Westerland für Vegetarier und Veganer: Bei meiner Recherche habe ich unter anderem folgende Restaurants gefunden, die vegetarische oder vegane Gerichte anbieten: BeachHouse Sylt, Strandrestaurant Badezeit, Sylter Stadtgeschichten, Pablito, Friends Bistro (hier habe ich den Flammkuchen gegessen). Im Hotel Miramar gibt es ein veganes Menü.

*Offenlegung: Ich wurde von der Villa 54° Nord auf zwei Nächte eingeladen. Den Rest habe ich selbst gezahlt.

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