Gefühlte Jahreszeiten: Mein Sri-Lanka-Tagebuch (5)

In Mirissa habe ich nicht nur das Alleinsein genossen, ich war auch beim Whale Watching. Ich werde noch eine extra Artikel mit allem drum und dran schreiben aber um kurz zu spoilern: Ich habe mindestens 5-6 Blauwale, einen davon ganz nah, und zig Delfine gesehen. Atemberaubend! Nachdem ich mich dagegen entscheiden habe eine Safari in einem der Nationalparks zu machen, verbrachte ich noch ein bisschen Zeit am Strand und erledigte endlich meine letzten Artikelaufträge, sodass ich jetzt die letzten Tage auch so richtig Urlaub habe.

Fotofahrt mit dem Tuk-Tuk

Es war also an der Zeit mich langsam auf den Rückweg zu machen. Ich buchte eine Nacht in einem Hostel auf halbe Strecke nach Hikkaduwa und engagierte einen Tuk-Tuk-Fahrer, der mich nicht nur zum Hostel bringen, sondern auch ein paar Zwischenstopps an Stränden einlegen sollte, um ein paar Fotos zu machen. Auch wenn Tuk-Tuks im Vergleich zu Bus und Bahn um einiges teurer sind, genieße ich die Flexibilität und die Tatsache, dass ich meine Rucksack weder in Bus hieven, noch in Sitzreihen quetschen muss.
Mein Fahrer hatte die Mission verstanden: An jedem Ort, der ihm irgendwie fotowürdig erschien, sei es ein schönes Hotel oder Strandpanorama, hielt er kurz an, erklärte mir Sachen, die ich nur zu einem Drittel verstand und wartete, bis ich brav ein paar Fotos geknipst hatte. Ich weiß nicht, ob ihr das Bild vor Augen habt, aber neben Elefanten ist das vielleicht berühmteste Postkartenbild und Lonely-Planet-Cover ein Bilder von Fischern, die auf eigenartigen Stockkonstruktionen im Meer sitzen und angeln. So ein Bild will scheinbar jeder Tourist und das machen sich die Einheimischen natürlich zunutze. So warten sie an bekannten Spots rund um Weligama darauf, dass Touristen ihre Kamera zücken und kassieren dann ab. Das Prinzip ist einfach: Je mehr Fischer auf dem Bild, desto teurer. Ein Bild mit fünf Fischern kostet ganze 1000 Rupien also um die 6 Euro.

Da ich um die Masche weiß, lass ich meine Kamera an den entsprechenden Orten in der Tasche und beobachte die Menschen, die in Gruppen von 10-20 Leuten dastehen, um ihr einzigartiges Sri-Lanka-Foto zu schießen. Ich erkläre meinem Tuk-Tuk-Fahrer, dass ich kein Geld für so ein Foto zahlen will, als er irritiert „no photo?“ fragt. Bei den nächsten posierenden Fischern bremst er das Tuk-Tuk ab und sagt: „fast photo“ ich knipse, und er gibt schnell wieder Gas, als die Kassierer auf uns zu kommen. Aber er weiß noch einen Geheimort, wo die Fischer scheinbar wirklich fischen und nicht nur so tun und sich dabei nicht mal die Mühe geben eine Angelschnur in die Hand zu nehmen. Er hält an, deutet nach vorne, sagt sein Lieblingswort „photo“ und scheucht mich zum Ufer. Ich knipse schnell, obwohl gar niemand da ist und die Stelzen verwaist im Wasser stehen. Da kommt ein etwas kräftigerer Mann mit dem Roller angefahren und schnauzt mich unmissverständlich an, dass ich verschwinden soll. Ich geh zum Tuk-Tuk und mein Fahrer lacht lauthals als er die Geste nachahmt, die ihm der Rollerfahrer mit bösem Gesicht zeigte: Er führt die rechte Hand am Hals vorbei, als würde er ihn abtrennen. „Kill“ sagt der Fahrer und fährt lachend davon.

Lonsesome Rastafari

Nach einer ¾ Stunde finden wird endlich meine Unterkunft. Keine Tuk-Tuk-Fahrt funktioniert hier, ohne dass der Fahrer noch einmal bei der Unterkunft anrufen und fragen muss, wo es eigentlich genau hingeht. Beim Backpack Beach Hostel ist es eigentlich nicht schwierig, es ist genau an der Hauptstraße, wo die Busse donnernd vorbeibrettern. Dahinter der Strand. Viel mehr gibt es hier auch nicht.

Ich werde direkt von Madura, dem Besitzer und Rastafari im Empfang genommen. Er zeigt mir schnell den Frauenschlafsaal und bringt mich dann in den Aufenthaltsraum, der auch Restaurant ist. Hier gibt es direkten Strandzugang und Bob Marley, der die Wand ziert. Es ist gerade ziemlich wenig los, erklärt Madura. Die Saison ist langsam zu Ende, nur noch wenige Touristen treiben sich an den Stränden herum. Das Wetter wird unbeständiger, das Meer rauer. Immer mehr Strand wird weggespült. Auch heute ist es bewölkt und der Regen hängt in prallen Wolken. Die Strandliegen werden von den Wellen umspült. Ich setze mich auf eine aus Europaletten gebaute Couch am oberen Ende des Strandes und lese mein Buch, das ich in der letzten Unterkunft ertauscht habe.

Straffe Pläne – Nur nicht bei mir

Als es später dann noch zu regen und ziemlich heftig zu gewittern anfängt, setze ich mich mit den beiden Engländerinnen aus meinem Zimmer an einen Tisch. Beim Abendessen schmieden wir Pläne für den nächsten Tag. Ich will weiter nach Hikkaduwa und die beiden wollen mich begleiten. Sie haben am nächsten Tag eine straffes Programm: Frühstück um halb 8 dann nach Hikkaduwa zum Schnorcheln, von dort zurück nach Galle, um das Fort anzuschauen und am Nachmittag nach Colombo, wo eine der beiden weiter nach Indien fliegt. In 10 Tagen haben sie eine komplette Rundreise zurückgelegt, in einem Tag mehr Programm als ich in zwei Wochen.
Als uns ein heftiger Donner zusammenfahren lässt und mit einem Schlag die Elektrik lahmlegt, gehen wir ins Zimmer und früh schlafen.
Am nächsten Morgen hält uns Madura nicht nur den passenden Bus an, er arrangiert, dass wir unsere Sachen bei einem befreundeten Tauchlehrer unterstellen können. Wir sehen beim Schnorcheln nochmal riesige Schildkröten und dann sind die beiden Engländerinnen auch schon wieder weg. Ich bin ganz froh drum, denn die Laune der beiden schien unter dem gemeinsamen Urlaub etwas gelitten zu haben. Die nächsten beiden Tage wohne ich in einem unglaublich billigen Gästehaus und verbringe die Tage mit shoppen, Strand und essen. Es sind zwei Tage, in denen ich zur Abwechslung mal keine neue Leuten kennenlerne und kaum mit jemandem rede. Aufgefallen ist mir das übrigens gerade eben beim Schreiben dieser Zeilen.

Zwischen den Jahreszeiten

Die Saison ist langsam zu Ende. Nur noch wenige Leute sind an den Stränden von Hikkaduwa. Die Kellner in den fast leeren Restaurants schauen gelangweilt aufs Meer. Irgendwie herrscht ein wenig Herbststimmung. Jeder wartet nach der langen Saison auf den Regen, darauf, dass die (nichtvorhandenden) Bürgersteige hochgeklappt und Restaurants geschlossen werden. Es ist fast ein wenig melancholisch und ich muss mich daran erinnern, dass für mich gerade erst der Frühling beginnt, wenn auch mit hochsommerlichen Temperaturen. Der ganze Sommer liegt noch vor mir und in meinem Kopf schwirren so viele Ideen, was ich alles machen will. Ich schließe die Augen. Durch die Augenlider fällt das warme Sonnenlicht, das sich ganz tief einsauge. Glücksgefühle strömen in meinen Bauch. Ich fülle meine inneren Speicher mit Licht und Wärme und Sommergefühlen. Davon zehre ich solange, bis der Sommer nach Deutschland kommt.

Während ich das hier schreibe, sitze ich übrigens auf meiner eigenen kleine Terrasse in einem der schönsten Tropengärten, die ich je gesehen habe. Durch Zufall habe ich die Dreamtime-Cabanas entdeckt und mich schon die Bilder verliebt. Kurzerhand habe ich Mel und Sutun angeschrieben und gefragt, ob ich bei ihnen übernachten kann. Und schon sitze ich hier. Immernoch in Hikkaduwa aber mitten im Dschungel, zwei Minuten vom Strand. Meine Hütte ist die schönste Unterkunft, die ich bis jetzt in Sri Lanka gesehen habe. Sie ist klein, hat ein Palmendach, in der Mitte steht ein großes Bett. Dahinter, hinter einer halben Mauer ist direkt das Badezimmer mit Dschungeldusche. Während man duscht, plätschert das Wasser über die Blätter, die Sonne fällt von oben durch das Dach und das Wasser läuft über Natursteine in den Abfluss. Es ist einfach unbeschreiblich schön hier und ich freue mich wahnsinnig, auf die nächsten beiden Nächte.

 

Hier geht es zu meinen vorherigen Sri-Lanka-Tagebüchern Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4

 

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