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Schuhe aus, Erholung an: Ein Besuch im Barfußpark Beelitz-Heilstätten

Ein paar Fliegen schwirren über dem dunkelbraunen Matsch, sehr einladend sieht das im ersten Moment nicht aus. Doch ich greife zum Holzgeländer, halte mich fest und trete mit einem schmatzenden Geräusch mitten hinein in diese Mischung aus Torf und Wasser. Ich erschrecke kurz ob der Kälte, doch sofort wandert ein angenehmes Kribbeln die Beine hoch. Der Schlamm fühlt sich samtig-weich an und ich stapfe vergnügt durch das Becken, an dessen Ende Wasser die Füße wieder säubert. Der Matsch ist mein persönliches Highlight in Barfußpark Beelitz-Heilstätten, dicht gefolgt von vielen weiteren, mal mehr mal weniger fußsohlenschmeichelnden Stationen.

Barfußlaufen kitzelt die Seele

Auf 15 Hektar, mitten im Areal der ehemaligen Beelitzer Heilstätten, befindet sich der einzige Barfußpark Brandenburgs und gleichzeitig der größte Natur-Erlebnis-Park der Region. Bevor man den Barfußpark betritt, geht es zunächst am Gebäude der alten Chirurgie vorbei. Ich war vor Jahren, als man noch einfach so auf das Gelände kam, in den verfallenen Gebäuden der Heilstätten auf Entdeckungstour, mittlerweile kann man den morbiden Charme des bekannten Lost Places bei Führungen erleben. Heute bin ich allerdings in anderer Mission unterwegs. Nach der Kasse gehe ich zu den Schließfächern, wo ich mich meiner Schuhe entledige. Schuhe aus, Socken abpellen und frische Luft an die Winterfüße, das fühlt sich gut an!

Dann kann es losgehen. Drei Barfußpfade mit einer Gesamtlänge von etwas mehr als drei Kilometern wollen erkundet werden. Auf den Routen befinden sich über 60 Stationen mit so schönen Namen wie Kokosnussfolter oder Glasscherben. Was schmerzhaft klingt, entpuppt sich beim Selbstversuch als ein ziemlich angenehmes Unterfangen. Die rote Route bildet den Anfang, die blaue und gelbe kann nach Lust und Laune begangen und kombiniert werden. Auf der roten Route wird der Körper an das Barfußlaufen herangeführt und der ganze Körper auf das Barfußerlebnis eingestimmt. Ich merke selbst, wie ungewohnt das Barfußgehen für mich ist. Ich tapse übervorsichtig über die wirklich gemeinen Schottersteine an Anfang und arbeite mich dann nach vorne. Manchmal piekst es, manchmal muss ich ein zwickendes Steinchen zwischen den Zehen hervorpuhlen aber ich gewöhne mich recht schnell an das ungewohnte Gefühl. Ich begehe mit wackeligen Beinen die Hängebrücke, kapituliere an den wirklich fiesen Bucheckern und komme dann zu meiner Lieblingsstation mit dem nassen Torf. Auch Kneippbecken für Beine und Arme befinden sich auf dem Weg und Lernstationen wie das Grüne Klassenzimmer, der Kräutergarten, Insektenhotels oder Tast- und Riechkästen gehören ins Programm. Auf der gelben Route gibt es Stationen mit Klangerlebnissen wie Baumtelefon oder Xylophon, auf der blauen wird auf Wippen, Balken oder Slackline balanciert.

Der Barfußpark ist ein Erlebnis für alle Sinne und ich merke schnell, wie sehr mich dieses Erlebnis erdet. Ich war an diesem Morgen nicht so richtig fit, dem Escape Game Schnapsladen sei Dank, doch es braucht nur zehn Minuten auf dem Barfußpfad und meine Körper fühlt sich wieder lebendig an, mein Kopf frisch. Durch die durchbluteten Fußsohlen kribbelt es bis zu meinen Knien, ich atme den Duft der Bäume ein und lasse mir die Sonne an diesem warmen Apriltag ins Gesicht scheinen und das macht richtig gute Laune. Es ist wirklich ein Phänomen: Kaum hat man die Schuhe aus, einen Balancierbalken unter den Füßen und eine Schaukel in Reichweite, erwacht das innere Kind. Wie gut das tut, muss man einfach immer wieder einmal am eigenen Leib spüren und dafür ist ein Barfußpark die perfekte Gelegenheit.

Barfußpark: Eine gute Ausflugsidee für Familien, Freunde oder Kollegen

Im Juni 2017 eröffneten Thomas und Claudia den Barfußpark auf dem Gelände der Beelitz Heilstätten, rund 30 Kilometer südwestlich von Berlin. Der Park befindet sich somit in guter Nachbarschaft. Der bereits etabliert Baumkronenpfad ist für viele Besucher die ideale Ergänzung zum Barfußpark. Es lohnt sich, einen ganzen Tag an den Heilstätten einzuplanen und das Gelände über und unter dem Baumwipfeln zu erkunden. Wer beide Aktivitäten machen will, bekommt ein günstiges Kombiticket. Das Schöne ist, dass sich der Ausflug für fast alle Altergruppen und Anlässe anbietet. Familienausflug mit Kindern, ein Tag mit Freunden, die Lust auf Natur haben oder gar als Teamevent mit den Bürokollegen. Nach oder zwischen den Routen können die Besucher im Park-Café Kaffee und Kuchen genießen. Auch ein Picknick mit mitgebrachter Verpflegung ist hier möglich. Auf der Wiese im Schatten der Kiefern kann man problemlos ein paar Stunden verbringen. Wer ein Teamevent oder ein Geburtstag plant, kann auch ein BBQ in Auftrag geben, um den Tag im Barfußpark gemütlich mit einer rustikalen Stärkung zu beenden.

Zurück in Berlin gehe ich mit einem breiten Grinsen und sehr erholt durch die Stadt. Meine Füße fühlen sich bis zum Abend wunderbar erholt an und in meinem Kopf habe ich die frischen Brandenburger Luft auf Vorrat abgespeichert. So ein Kurzausflug bewirkt doch immer wieder Wunder.

Alle Infos zu Öffnungszeiten, Anfahrt und Preise gibt es hier auf der Internetseite. Oder schau auf der Facebookseite vorbei!


Offenlegung: Ich durfte den Barfußpark kostenlos besuchen. Danke an Kirsten für den schönen Vormittag!

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