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Bei den Sasak in Tetebatu: Zwischen Reisfeldern, Kakao und schwarze Affen

Der Verkehr ist dicht. Einige Lkws und unzählige Roller drängen sich durch die Stadt. Staub liegt beißend in der Luft. Wir versuchen, unserer Kolonne an Rollern zu folgen, doch eine Pferdekutsche am Markt schneidet uns den Weg ab und wir müssen erst einmal warten. Baustellen mit Straßensperren, die wir einfach ignorierten, eine Beerdigung und eine Hochzeit – Kolonne fahren mit fünf Rollern bei dichtem Verkehr ist in Indonesien eine Herausforderung. Vom Bambu Batu aus Kuta Lombok sind wir gen Norden in ein Dorf der Sasak gestartet und schon mehr als zwei Stunden unterwegs. Unser Ziel: Die Reisfelder in Lombok in Tetebatu. An einer Kreuzung haben wir uns verloren, aber dank eines netten Wlanspenders im Dorf auch bald wiedergefunden. Etwas geschafft und mit Verspätung kommen wir dann endlich an unserem Ziel in Tetebatu, in der Nähe vom Vulkan Rinjani in Lombok, an. Hier empfängt uns auch schon unser Reiseführer für den Tag, Ron. Er wird un durch die Reisfelder führen.

Endlich angekommen, merken wir, dass einer unserer Rolle einen Platten hat. Doch kein Problem, Ron hat schon seinen Bruder kontaktiert, der sich darum kümmern wird. Wir schnaufen erst einmal durch und bekommen Kaffee und Tee. Nebenbei zeigt uns der Hausherr die Pflanzen in seinem Garten. Hier wachsen Nelken, bei denen ich nicht einmal wusste, dass sie an Bäumen wachsen, und Kakao. Wir dürfen die Kakaobohnen frisch aus der Frucht kosten, sie sind fruchtig und glitschig, und machen uns dann auf den Weg in die Reisfelder von Tetebatu, bewaffnet mit einem Reisbauernhut gegen die Sonne.

Mit strammen Schritt marschiert Ron voran. Er ist gerade einmal um die 1,50 Meter groß aber seine Augen blitzen vor Eifer und sein Schritt ist zielgerichtet. Seine Antworten schlagfertig und wahlweise auf englisch, deutsch oder holländisch, denn Ron spricht fließend holländisch, gutes Englisch und ein paar Brocken deutsch. Hier in Tetebatu sind wir mitten in der Kornkammer der Insel, hier leben die Sasak, die als Bauern Reis, Tabak, Kaffee und vieles mehr anbauen. Und das am Fuße des mächtigen Rinjani. Rund 85 % der Einwohner von Lombok gehören zu den Sasak und sie verstehen sich als ursprüngliche Bewohner der Insel. Sie sind Moslems, auch wenn sie in ethnischer Herkunft und sprachlich eng mit den hinduistischen Balinesen verwandet sind.

Auf schmalen Stegen durch die Reisfelder von Lombok

Wir gehen zu den Reisfeldern und laufen auf schmalen Streifen zwischen den mit Wasser gefüllten Feldern. Während wir uns unseren Weg bahnen, immer darauf bedacht nicht aus Versehen daneben und somit in den Schlamm der Felder zu treten, erklärt uns Ron, wie alt die jeweiligen Reispflanzen sind. Manche sind bereits geerntet, andere zwei Monate oder erst wenige Tage alt. Er erklärt, dass hier das ganze Jahr über Reis angebaut wird. Der hier übliche Reis zweiter Wahl braucht circa vier Monate vom Aussähen bis zur Ernte. Somit wird das Dorf ganzjährlich mit Reis versorgt. Als er ein Kind war, erzählt Ron, gab es in Tetebatu nur Reis der ersten Wahl. Dieser braucht allerdings neun Monate zum Wachsen und so kam es vor, dass es nicht genügend Reis für alle gab. Dann stellte man um. Der Reis hier wird nicht importiert sondern lediglich für den Eigenbedarf angepflanzt. Zunächst werden die Pflanzen herangezogen und dann die Setzlinge per Hand auf andere Feldern eingepflanzt. Bevor der Reis am Ende geerntet wird, wird das Feld trockengelegt. Wir passieren ein Terrasse, die durch eine Quelle beständig mit Wasser gespeist wird. Zuviel für den Reis. Damit die Pflanzen weiter gesund wachsen, müssen die Bauern das überflüssige Wasser ableiten. Der Reisanbau ist zu 100 Prozent Handarbeit und. Die Frauen sind für das Anpflanzen, die Männer für das Pflügen zuständig.

Lombok: Reisfelder in Tetebatu

Auf unserem Weg kreuz und quer durch das Reisfeld kommen wir auch an Chilipflanzen vorbei, die höllisch scharf aber dazu auch noch lecker im Geschmack sind. Da er sieht, das Manu und ich gerne scharf mögen, verspricht er uns später ein scharfes Mittagessen in seinem Warung. Ron zeigt uns Süßkartoffeln, Tapioka, viel Bambus, jede Menge Bananen und immer wieder die schönsten Aussichten auf die Reisterrassen, die mit Bali mehr als mithalten können. Es geht erst bergauf und dann wieder bergab und schließlich über eine etwas wackelige Bambusbrücke, die wir nur einzeln überqueren können. Von hier aus hören wir schön, was uns als nächstes erwartet, denn das Rauschen kündigt den Wasserfall schon von der Ferne an. Vor dem Wasserfall ist ein großes Becken, in dem wir uns nach dem schweißtreibendem Spaziergang durch die Reisfelder erfrischen können. Und „frisch“ ist das richtige Stichwort, denn das sprudelnde Wasser, das aus den Bergen des Rinjani-Vulkans kommt, ist eiskalt. Ich bin die Erste, die beim Zehentest im Wasser die Nase rümpft und selbst bei Höchsttemperaturen warm duscht aber ich gebe mir einen Ruck und bin heute die Erste im kalten Wasserbecken. Nach einem kurzen Schockmoment ist es einfach nur wunderbar angenehm. Manu lässt sich die Klettermöglichkeit am Wasserfall nicht entgehen und animiert die anderen zu Manövern.

So schön wie in Bali: Reisterrassen in Lombok

Die schwarzen Affen von Tetebatu

Nach dem Bad geht es eine steile Treppe wieder hinauf ins Dorf, wo wir etwas Geld für den Besuch im Wasserfall zahlen, das für den Neubau der Bambusbrücke gesammelt wird. Dann steht noch ein Highlight auf dem Programm: Die schwarzen Affen im Wald von Tetebatu. Als wir den Wald betreten, horcht Ron kurz, um uns dann fachmännisch in die richtige Richtung zu navigieren. Und bereits einen Augenblick später sehen wir die ersten Affen in den Gipfeln. Sie turnen über uns, springen von Baum zu Baum und pinkeln nur wenige Meter neben uns vom Ast herunter. „You are lucky“, sagt Ron. Denn normalerweise sind die schwarzen Affen sehr scheu. Dass wir so schnell die ganze Affenbande sehen, ist außergewöhnlich. Wir gehen zurück zu Rons Haus und passieren dabei eine Feier. Ron weiß, dass es sich um eine Beschneidungszeremonie handelt. Zahlreiche Frauen aus dem Dorf laufen hintereinander zum Ort des Geschehens. Auf dem Kopf tragen sie Reis, den sie traditionell als Spende bringen, die Männer sind für finanzielle Geschenke zuständig. Wir bestellen alle noch ein verdientes Mittagessen. Ich nehme auf Rons Empfehlung das Jackfruit-Curry und es ist wirklich lecker und hätte für meinen Geschmack sogar noch ein wenig schärfer sein dürfen. Satt, ein bisschen müde aber alle mehr als begeistert von diesem Tag, machen wir uns auf den Weg zurück nach Kuta. Auf dem Weg kommen wir an einem Viehmarkt mitten in der Stadt vorbei, der einen ausgewachsen Stau auslöst. An zahlreichen Kühen, spielenden Kindern, an Moscheen und Märkten. Ich kann mich an dieser Insel nicht sattsehen.

Die Lombok-Reisfeld-Tour haben wir über das Batu Bambu in Kuta Lombok gebucht. Ich empfehle, die Tour auf jeden Fall mit einem Guide zu machen. So lernt man einfach viel mehr und nimmt mehr als nur schöne Bilder mit nach Hause.

Ich habe sowohl die Übernachtungen im Batu Bambu und auch die Tour nach Tetebatu selsbt gezahlt. Der Artikel ist ohne Kooperation oder Vereinbarung entstanden.

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