Warum deine Stimmung ein Spiegel ist

Sri Lanka Blog

Oder: Warum du mit Sonne im Herzen besser durch die Welt reist

Als ich zum ersten Mal den Fuß auf srilankanischen Boden setze, weiß ich: Das passt, hier gefällt’s mir. Ein Gefühl zwischen Erleichterung und Neugierde durchströmt meinen Körper, zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht.

Ich bin ein vorsichtiger Mensch, manchmal zu sensibel und es ging mir schon oft so, dass ich eine ganze zeitlang brauchte, um mit einem Ort warm zu werden. Wenn zu viele Eindrücke auf mich einprasseln, dann bin ich schnell überfordert. Ich werde ängstlich, grüblerisch und ziehe mich zurück. So ging es mir in Indien. Meine Gefühle waren so durcheinander, dass ich sie nicht zu ordnen vermag. Ich hatte plötzlich Angst vor allem. Vor dem Straßenverkehr, vor aufdringlichen Männern, vor Krankheit. Indien forderte mich so sehr, dass ich erst kapitulierte, bevor ich meine Stärke daraus ziehen konnte.
Sri Lanka war eine recht spontane Idee und meine Sorgen, dass ich ähnlich überfordert sein werde mit Land und Leuten war groß, schließlich gibt es viele Parallelen zwischen Indien und Sri Lanka. Und dann ging es für mich auch noch zum ersten Mal alleine in ein asiatisches Land und dann auch noch knapp ein Monat.

Ich weiß gar nicht woran es liegt, doch ich bin kaum in Sri Lanka gelandet, da sind alle Sorgen dahin. Wie vom Winde verweht. Ich habe es einfach im Gefühl, dass hier alles gut sind wird. Beim ersten Besuch am Meer und Kontakt mit Strandverkäufern, die gerne als sehr hartnäckig und nervig beschrieben werden, nach der ersten Tuk-Tuk-Fahrt, da spüre ich, dass ich das hinkriege. Ich habe weder Angst noch Sorgen, im Gegenteil: Ich bin tiefenentspannt.
Ich mache es mir zum Ritual den Strand einmal in seiner ganzen Länge entlangzulaufen. Ich atme ein und die warme Luft flutet meine Lungen. Ich lasse meinen Blick über das Meer schweifen. Ich bin so ruhig und zufrieden, wie lange nicht. Meine Gedanken fließen so dahin. Ich genieße das Alleinsein und freue mich gleichzeitig über die unzähligen netten Menschen, die ich hier treffe. Ich lerne Berliner kennen, was mir in Berlin immer so schwerfällt. Ich frage mich: Wieso ist das hier mit dem Zufriedensein plötzlich so einfach? Wieso läuft hier alles so rund, was mir sonst im Alltag nicht so recht gelingen mag?
„Du bist einfach gerne traurig“, das sagte mal mein Freund zu mir. Und es stimmt: Ich bin meist ein wenig melancholisch, ich habe einen Hang zu etwas düsteren Themen und bin oft grüblerisch, ein Kopfmensch statt offen und aus dem Bauch heraus.

Bentota Blog

Ich habe beschlossen, glücklich zu sein

Was ist in Sri Lanka anders? Ich glaube ich bin hier mit dem Vorsatz gelandet, dass es mir hier gefallen wird. Das habe ich einfach so beschlossen und ehrlich gesagt macht es einem die Insel auch einfach. Traumstrände, gutes Essen, freundliche Menschen, was will man mehr?
Doch auf meiner Reise treffe ich auch einige Frauen, die sich hier nicht ansatzweise so wohl fühlen wie ich, denen es ein bisschen so geht wie mir in Indien. Viele sind zum ersten Mal in Asien und ein kleiner Kulturschock hat wohl jeder beim ersten Mal Asien. Vielen beschweren sich über die Tuk-Tuk-Fahrer, sind genervt von Verkaufsmaschen. Und ich merke es ihnen in jeder Faser ihres Körpers an. Sie strahlen gleich etwas negatives aus, gehen bei jedem Einheimischen auf Distanz. Es ist wie ein Spiegel: Die Stimmung färbt auf den Gegenüber ab.
Wenn ich gleich genervt reagiere, kann ich keine positive Reaktion erwarten und ein Teufelskreis entsteht. Ich glaube, das war auch mein Problem in Indien. Ich ging von negativen Dingen aus und genau das bekam ich.
In Sri Lanka bin ich anders. Ich lasse mich von kleinen Dingen einfach nicht nerven. Meine Grundstimmung ist positiv und so reagieren auch die Leute auf mich. Ich messe den schönen Dingen größeren Wert bei. Wenn ich mal etwas zu viel für die Tuk-Tuk-Fahrt gezahlt habe, dann ärgere ich mich nicht ewig und lasse mir davon nicht die Laune verderben. Ich freue mich stattdessen über das nette Gespräch mit dem Hostelmitarbeiter. Ich fühle mich körperlich besser, bin mir selbst nahe, auch wenn die Zeit alleine manchmal sehr intensiv ist. Ich bin hier im Prozess und fühle mich wohl dabei.
Es ist keine weltbegende Erkenntnis, die ich gemacht habe, doch ich habe am eigenen Leib erfahren, was eine positive Grundstimmung ausmacht, die Gelassenheit, die mich durch den Tag lenkt.

Ich merke es vor allem in den letzten beiden Tagen, denn da ist das Hochgefühl plötzlich vorbei. Die Reise neigt sich dem Ende zu und ich muss ein paar Dinge organisieren. Die Zugfahrt ist auf einmal so teuer, dass ich für den Besuch bei meinen Eltern auf das Flugzeug umsteigen muss. Ich ärgere mich über Dinge, die mich eigentlich noch gar nicht betreffen, lasse mich jetzt schon vom Alltag in Berlin stressen. Das färbt auf meine Stimmung ab. Ich bin genervt und plötzlich finde ich den Taxifahrer echt anstrengend, mich nervt das Gehupe und meine Sorglosigkeit ist dahin. Kaum ist meine Stimmung im Keller, scheinen auch alle um mich herum anstrengender und genervt zu sein. Was ein Kontrast zu den restlichen Wochen, wo alles so entspannt war!
Ich will versuchen, dieses positive Gefühl meiner Reise mitzunehmen. Ich will gelassener sein, entspannter. Und wenn ich wieder zu negativ bin, dann will ich an den Strand denken und daran, wie ich mich beim Spazieren gefühlt habe, beim Blick auf die Wellen mit Lächeln auf den Lippen und Sonne im Herzen.

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