Vom Dazwischen

Während ich das hier schreibe und alle anderen Reiseblogger in Berlin auf der ITB sind, sitze ich gerade in Qatar am Flughafen und warte auf meinen Anschlussflug nach Colombo. Flughäfen sind sogenannte „Nicht-Orte“, das habe ich im Studium gelernt. Orte, die keine richtige Nationalität haben, alle mehr oder weniger gleich aussehen und nur dem Transit dienen. Ein Zwischenort. Irgendwie finde ich das gerade sehr passend.

Ich habe das Gefühl, dass ich gerade immer irgendwie dazwischen bin oder weder noch. So geht es mir auch mit dieser Reise. Ich fliege knapp vier Wochen nach Sri Lanka. Bei meiner Familie und meinen Freunden, die berufsbedingt nicht so viel reisen heißt es immer: „Krass, gleich einen Monat. Und dann auch noch alleine als Frau.“ Manchmal geben mir meine Mitmenschen in der Heimat das Gefühl, dass ich wahnsinnig mutig, bis hin zu waghalsig, bin. Jedenfalls ein Mädchen, um das man sich immer ein wenig Sorgen machen muss.

In Berlin und vor allem im Umkreis von anderen Reisenden löst ein Monat Sri Lanka ein: Hey cool, viel Spaß“ oder ein „ja, war cool dort“ aus. Alles easy, nichts Besonderes.

Die Wahrheit liegt für mich wie immer dazwischen. Für mich ist es natürlich schon eine große Sache, alleine einen knappen Monat nach Asien zu reisen. Ich habe ja ehrlich gesagt jetzt schon ein wenig Heimweh nach meinem Freund. Aber dann ist es mir auch wieder viel zu kurz. So richtig reisen fühlt sich anders an. Da stelle ich mir dann eher ein paar Monate Weltreise vor. Aber mehr geht immer. Letztlich ist es immer der Blickwinkel der entscheidet. Und ich stehe bei den beiden Ansichten genau in der Mitte. Manchmal muss ich mich bewusst hinsetzen und kurz innehalten. Alle Meinungen von anderen, vom mehr oder weniger Reisen abstellen und einfach in mich hinein fühlen. Damit ich merke, wie ich das alles so empfinde und nicht meine, empfinden zu müssen, weil irgendjemand, irgendwas sagt.

Vor Ort wird es mit dem Gefühl von „irgendwie dazwischen“ weitergehen. Das kenne ich schon von Andalusien und Israel. Ich bin weder die, die nur kurz zum Urlaub da ist, noch die, die auf Weltreise. Ich bin keine richtige Backpackerin, denn auf jede Reise nehme ich meine Arbeit mit. Auch dieses Mal sind noch ein paar Artikel auf der To-Do-Liste, sogar einige mehr, als geplant. Doch so richtig digitale Nomadin bin ich ja auch nicht. Schließlich bin ich ja nach ein paar Wochen wieder schön zurück im Alltag.

Wenn man das typische Small-Talk-Gespräch führt, dann muss ich mich immer ein wenig erklären. Meist löst das zwei Reaktionen aus: Entweder Begeisterung und purer Neid, weil ich keinen Büroalltag habe und so viel unterwegs sein kann oder aber Skepsis, da man ja irgendwie nie so richtig Urlaub machen kann. Wie es für mich ist? Sowohl als auch. Manchmal erwecke ich bei Leuten den Eindruck einer coole Businessfrau, manchmal wirke ich wie ein Mädchen, dass ein wenig verloren in der Welt herumirrt. Hierzu gibt es von mir ein klares: Weder noch!

Manchmal nervt es mich ein bisschen, dass ich nicht so leicht in eine Schublade zu stecken bin und immer wieder Nachfragen auslöse. Dann behaupte ich einfach, dass ich nur Urlaub mache, damit ich nicht meinen ganzen Werdegang erklären muss.

Aber ganz oft, da finde ich es genau so richtig gut. Ich war noch nie für Extreme. So ein „sowohl als auch“ finde ich eigentlich ziemlich passend für mich. Ein bisschen Backpackerin, ein bisschen Bloggerin, ein bisschen digitale Nomadin. Entscheiden konnte ich mich eh noch nie und warum auch, wenn es doch so ziemlich gut funktioniert?

Dieses Mal will ich zum ersten Mal meine Reisegewohnheiten ändern und in Sachen multilokales Arbeiten einen Schritt weitergehen. Ich will keine Rundreise machen. Ich will langsamer reisen als sonst. Normal hält es mich selten länger als zwei Tage an einem Ort, ich will immer so viel wie möglich sehen. Aber dieses Mal nehme ich mir fest vor: Nur wenige Orte, dafür aber länger. Ich gehe das Risiko ein, Dinge zu verpassen. Must-Do’s nicht auf der Liste zu haben und bin gespannt wie es funktioniert. Ich werde dich auf dem Laufen halten.

5 thoughts on “Vom Dazwischen

  • 10. März 2017 um 9:47
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    Liebe Julia,

    ist es nicht wunderbar, in gar keine Schublade mehr zu passen? Solange du weißt, was du willst oder dir gut tut, ist alles in Ordnung 🙂

    Genieß die Zeit in Sri Lanka – mit hoffentlich gutem WLAN 😉

    Liebe Grüße
    Mischa

    Antwort
  • 11. März 2017 um 6:48
    Permalink

    Lieber Mischa,

    da hast du Recht. Gerade sitze ich entspannt in der Sonne und schreibe bei gutem WLAN. 😉

    Liebe Grüße und wir lesen bald voneinander,

    Julia

    Antwort
  • Pingback: Zwischentief am Traumstrand: Mein Sri-Lanka-Tagebuch (3) - Bezirzt

  • 11. Juni 2017 um 18:18
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    Liebe Julia,
    schön geschrieben und: Ich fühle mich ganz oft ganz genauso. Auch ein schönes Beispiel: Will ich für immer in der Stadt leben oder irgendwann zurück in die Pfalz auf’s Land? Weder noch. Und irgendwie beides. Am liebsten was dazwischen. Schwer bei 700 KM Distanz. Dazwischen liegt NRW. Und das will ich auch nicht 😀

    Ich glaube, die Wahrheit liegt ganz oft dazwischen. Und Entscheidungen haben auch immer ein „Für“ und „Wider“.

    Liebe Grüße und bis hoffentlich bald auf ein Käffchen 🙂
    Laura

    Antwort
    • 30. Juni 2017 um 9:38
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      Hey Laura,

      andererseits können wir uns ja wirklich glücklich schätzen. Wir können zwischen Berlin und der Pfalz pendeln, schöner geht es ja kaum 😉

      Antwort

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