Was ich an München vermisse

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Ich gebe es mutig ganz offen zu: Als ich nach München zog, war ich nicht allzu begeistert. Ich komme aus der Pfalz und Bayern ist für uns nicht unbedingt die erste Wahl, wenn es um Wohnorte geht. Doch die Liebe brachte mich in die Stadt und ich habe mich schnell eingelebt auch wenn die Liebe verging. Ich würde es als kleine Hassliebe, als Beziehung mit Neckereien, bezeichnen, wenn ich mich und München so betrachte. Mit all der bayrischen Tradition und dem Brauchtum konnte ich als Zugezogene nicht so viel anfangen und doch hat mich München immer mehr in seinen Bann gezogen. Weiterlesen

Mein München: Alternative Tipps für Skeptiker

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München spaltet in zwei Lager: Die einen können sich kaum vorstellen, die Stadt jemals zu verlassen, die anderen rollen mit den Augen und winken ab. Gerade zur Wiesnzeit verhärten sich die Fronten. 

Fünf Jahre lang war mir München eine zweite Heimat und wie das mit Heimat so ist, hat man es nicht immer leicht mit ihr. Weiterlesen

Kunst bezirzt! Die Flucht nach Ägypten

Adam Elsheimer. Flucht nach Ägypten. 1609 Alte Pinakothek, München.

Adam Elsheimer. Flucht nach Ägypten. 1609 Alte Pinakothek, München.

Mittwochs gibt es Kunst. Ich habe Kunstgeschichte studiert, kann mich in Bildern verlieren. Da ich beruflich gerade nichts mit Kunst zu tun habe, nehme ich mir wenigstens einmal die Woche Zeit, um mich ganz bewusst mit Kunst zu beschäftigen.

Welche Ausstellungen laufen? Gibt es interessante Publikationen oder ganz profan: Ich nehme eines meiner gebliebten Kunstbücher und schaue mir ein Bild an.

Einfach nur nur sehen, nicht analysieren. Vielleicht eine Art Meditation.

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„Ein Dorf, in dem Paläste stehen“

München, meine Studienheimat, wie oft habe ich über dich geschimpft. Ich gebe es zu, an manchen Tagen habe ich dich langweilig, gar spießbürgerlich und selbstverliebt genannt. Weg wollte ich und zwar ganz unbedingt.
Nun, da ich deine Idylle nur noch in kleinen Portionen genieße, merke ich, dass du mir fehlst. Manchmal nur und auf schöne Art. Minga1Du hast deine Eigenarten, die mich auf die Palme und trotzdem irgendwie verzückt haben. Was sich neckt, das liebt sich.

Minga2Meine Augen vermissen ob der Berliner Chaosbebauung deine Herrschaftlichkeit, deine klassische Schönheit. Isar-Athen, dein Kosename schmeichelt dir zu Recht.

Minga4Wo sonst sind Umland, Berge, Seen und selbst Stadtparks schöner als bei dir?

Minga3Selbst deine City, deine Rush-Hour ist irgendwie charmant.

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Minga6Flughafen und Armut? Das sind nicht deine Probleme. Dein größter Feind ist dieser hier:

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Der Föhn! Kopfweh, Müdigkeit aber auch dieser phänomenale Blick und diese ganz spezielle Stimmung bringt er.

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Minga7Doch mit Musik wird dem Föhn der Kampf angesagt.

minga8Und unabhängig davon, darf die Frauenkirche natürlich nie fehlen.

DSC_0898Und nun noch einmal ganz offiziell: München, ich mag dich! Und ich freue mich auf ein Widersehen! Pfiat di, Minga und auf boid!

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DSC_0954Diese charmanten Bildchen stammen übrigens aus dem süßen Buch: This is Munich. M. Sasek. Gebundene Ausgabe. EUR 13,60. Prime. München

Die Figur der Kirke in der Mythologie

Sog. Myston-Maler: Skythos, böotisch sf., Odysseus und Kirke

Sog. Myston-Maler: Skythos, böotisch sf., Odysseus und Kirke

 

Wer ist eigentlich Kirke, die diesem Blog den Namen verliehen hat und die Thema meiner Magisterarbeit war? Hier gibts die ausführliche und trotzdem ganz schön gekürzte Antwort:

Der Mythos der Kirke, wie er heute geläufig ist, geht auf Homer zurück. In seiner Odyssee können wir uns ein Bild von der männerbezirzenden Zauberin machen.

Die Begegnung Odysseus mit der zauberkundigen Göttin findet nach der Schilderung der Odyssee auf der fernen Insel Aiaie statt, die sich in der Nähe des Okeanos befindet, dort, wo die Sonne aufgeht und Eos, die Göttin des Morgenrotes, wohnt. Außerdem ist sie eine Tagesfahrt von den Toren der Unterwelt entfernt1 Ihre kreisrunde Insel hat einen fremdenfreundlichen Hafen, an dem Odysseus und seine Gefährten anlegen. Die Männer ruhen sich zunächst zwei Tage und zwei Nächte am Strand aus. Am dritten Tag macht sich Odysseus schließlich auf den Weg, um Nahrung zu besorgen. Am vierten Tag versammelt Odysseus seine Männer, um zu entscheiden, wer die Insel erkunden soll. Das Los entscheidet und zweiundzwanzig Männer unter Eurylochos machen sich auf die Erkundungsreise und finden im Wald einen Palast. Dieser ist umzingelt von wilden Tiere wie Wölfen und Löwen, die die Männer jedoch nicht angreifen.5

Die Luft ist erfüllt vom Gesang. Die Griechen rufen nach der Herrin des Palastes, woraufhin sich die Tür öffnet und die Männer eingelassen werden. Alle außer Eurylochos betreten das Haus. Eurylochos befürchtet einen Hinterhalt und bleibt zurück. Im Inneren erblicken sie Kirke, am Webstuhl sitzend, ein für die Männer vertrautes, häusliches Bild, das für sie auf keine Gefahr hinweist. Kirke heißt die Männer willkommen und bereitet ihnen einen Trank aus Käse, Mehl, Honig, pramnesischem Wein und „bösen Kräutern“ zu.

Dosso, Dossi:  Circe und ihre Liebhaber ,1511–12

Dosso, Dossi: Circe und ihre Liebhaber ,1511–12

Sobald die Gefährten getrunken haben, schlägt Kirke sie mit ihrem Stab. Dadurch vollzieht sich ein Zauber, der die Männer äußerlich in Tiere verwandelt. Die Verwandelten werden in Kofen gesperrt und müssen sich nun von Schweinefutter ernähren. Währenddessen kehrt Eurylochos zum Schiff zurück und berichtet, dass die Männer im Palast einer webenden und singenden Frau spurlos verschwunden seien. Odysseus greift zu seinen Waffen und macht sich auf den Weg zum Palast. In dem Moment, in dem er den Wald erreicht, offenbart sich ihm Hermes in Gestalt eines schönen Jünglings mit einem goldenen Stab in der Hand. Der Gott schildert ihm die Falle, die auf den Helden wartet und bietet ihm seine Hilfe an. Die göttliche Hilfe besteht einerseits darin, dass Hermes ihm ein Gegenkraut gibt, welches das Böse abwehren kann, andererseits darin, dass er ihm die Zauberkünste Kirkes enthüllt:

Sie bereitet dir den Trank, und in die Speise wirft sie Kräuter, doch sie kann dich nicht verzaubern. Denn das läßt das gute Kraut, das ich dir gebe, nicht zu. Aber sobald Kirke dich mit dem langen Stab schlägt, ziehe sofort das scharfe Schwert von deiner Hüfte und stürme drohend auf sie los, als ob du sie umbringen wolltest. Ängstlich wird sie dich bitten, mit ihr zu schlafen. Dann verweigere nicht länger das Lager der Göttin, damit sie deine Gefährten befreit und dich pflegt. Jedoch heiße sie, dir den großen Eid der Götter zu schwören, dir kein anderes Übel anzuhexen, daß sie dich nicht schwächt und der Manneskraft beraubt, sobald du dich entblößt.2

Mit diesem wissen tritt  Odysseus vor das Tor des Palastes und ruft nach der Herrin. Sie öffnet ihm die Tür und führt ihn herein. Das Ritual wiederholt sich. Im goldenen Becher bereitet sie ihm den Kykeon, den Zaubertrank. Er trinkt und zieht sein Schwert, um auf Kirke loszustürmen. Sie stößt einen lauten Schrei aus, fällt ihm zu Füßen und umfasst seine Knie. Sie erkennt in ihm Odysseus, den Helden, der sie bezwingen soll. Hermes hatte ihr die Ankunft des Helden weisgesagt. Sie bittet den Helden, mit ihr das Lager zu teilen, doch er lehnt, wie Hermes ihm riet, zunächst das Angebot ab. Er verlangt von Kirke, dass sie den großen Eid schwören soll, damit er sich sicher sein kann, dass sie ihm nichts antun will. Sie schwört sofort und Odysseus teilt mit ihr „das überaus schöne Lager Kirkes“ der Held triumphiert.

Kirke zeigt sich ihm wohlgesonnen und befreit auf sein Bitten die Gefährten von ihrem Zauber: Mit ihrem Stab und dem Gegenkraut verwandelt sie die Schweine zurück in Menschen und macht sie sogar noch schöner und größer als vorher. Sie erkennen Odysseus und fallen ihm in die Arme. Auf den Vorschlag Kirkes hin wird das Schiff aus dem Meer gezogen und die übrigen Männer werden zum Palast geholt.

Ein Jahr lang bewirtet Kirke Odysseus und seine Gefährten, die das Leben auf der Insel sorglos genießen. Nach einem Jahr jedoch werden die Gefährten ungeduldig und sie drängen Odysseus zur Weiterreise. Als Odysseus zum letzten Mals das Lager mit der Göttin teilt, fleht er sie ehrfürchtig an, ihr Versprechen zu erfüllen – das sie doch nie gegeben hat – ihn mit seinen Gefährten nach Hause zu schicken.

Dosso, Dossi: Circeo der Melissa, 1531

Dosso, Dossi: Circeo der Melissa, 1531

Kirke, die nicht im Sinn hatte, die Männer gegen ihren Willen bei sich zu behalten, will sie gehen lassen. Vorher jedoch müssen sie mit ihrem Schiff zum Haus des Hades und der Persephone fahren, um dort die Seele des gestorbenen Sehers Teiresias nach einem Orakelspruch zu befragen. In einer langen Rede weiht ihn die Göttin in die Geheimnisse des Jenseits ein und beschreibt ihm den Ort, wo er hinfahren muss und lehrt ihn, wie er die Totenbeschwörung durchzuführen hat. Odysseus wird von Kirke mit neuen Kleidern ausgestattet und auch sie legt neue Kleider an, ein feines, silberweißes Gewand, einen goldenen Gürtel und einen Schleier. Die Göttin zeigt sich so in der Gestalt einer Braut. Nicht am Anfang des Zusammenseins, sondern in dem Moment der Trennung, nicht als sie den Mann gefangen nimmt, sondern als sie ihn freilässt, wird sie seine Braut. Kirke ist nun nicht mehr die sinnliche und zugleich gefährliche Bettgefährtin Odysseus, sondern die distanzierte, aber hilfsbereite und wegweisende Göttin.

Der Weg des Mannes führt durch den Tod, vorbei an vielen Gefahren, aber am Ende wird er zu den Menschen zurückkehren. „Die Göttin hingegen bleibt im Haus, auf ihrer Insel, an ihrem Herd; sie bleibt in ihrem weißen Kleid, ‚rein‘. Die erotische Gewalt wurde vom Helden überwunden. 

Im weiteren Verlauf, als Odysseus und seine Gefährten sich auf den Weg machen wollen, geschieht folgendes: Elpenor, ein sehr junger Gefährte, der betrunken in den Häusern und nicht in der Halle geschlafen hat, wird vom Lärm geweckt, springt auf und fällt vom Dach herunter. Dabei bricht er sich das Genick und verunglückt tödlich. Während Elpenos Leiche unbestattet auf der Insel bleibt, fährt Odysseus in die Unterwelt. Er vollzieht das Ritual der Totenbeschwörung und die Toten nähern sich dem Helden. Als erste kommt die Seele Elpenors, der um seine Bestattung fleht. Dann kommt auch der Seher Teiresias und spricht sein Orakel. Nachdem Odysseus alles erfahren hat, geht er zu den Gefährten und sie kehren zu Kirkes Insel zurück. Dort bestatten sie die Leiche des jungen Elpenors. Kirke heißt die Männer willkommen und zeigt sich erneut gastfreundlich, indem sie ihnen ein Mahl bereitet. In der Nacht erklärt die Göttin Odysseus den Weg, der ihn wieder zu den Menschen führen kann. Sie schildert detailliert die Gefahren der bevorstehenden Reise. Sie enthüllt das Wesen der lauernden Ungeheuer, der Sirenen, Skylla und Charybdis, nennt die tödlichen Felsen, die Plangten, und beschreibt ihm genau, was er zu tun hat: Er soll die Ohren der Gefährten mit Wachs verschließen, um sie vor dem Gesang der Sirenen zu schützen; die Plangten muss er meiden; an der Skylla soll er das Schiff so schnell es geht vorbeitreiben und auch der Charybdis darf er sich nicht nähern.

Nach der Rückkehr aus der Unterwelt ist die Distanz zwischen der Göttin und dem Menschen wieder hergestellt und Odysseus und seine Gefährten kehren zurück in die Welt der Menschen.

Die Telegonie, die Eugammon aus Kyrene zugeschrieben wird erzählt die Fortsetzung der Odyssee:

Telegonos, ein Sohn von Kirke und Odysseus macht sich auf die Suche nach seinem Vater. Er landet auf Ithaka, wo er in einem Gefecht den greisen Odysseus tötet, ohne dessen Identität zu erfahren. Als er die Wahrheit kennt, holt er den Leichnam seines Vaters und fährt mit seinem Bruder und Penelope zu der Insel seiner Mutter. Kirke macht alle unsterblich oder schickt sie zu der Insel der Seligen. Am Ende der Erzählung steht die doppelte Hochzeit, eine beinahe inzestuösen Verbindung, in der jeweils ein Sohn des Odysseus die Frau seines Vaters heiratete, Telemachos Kirke und Telegonos Penelope.37

1Ich beziehe mich auf Kottaridou 1991. S.1-6, die sich auf Homer, Odyssee, 10, 133ff.bezieht. Wer nähere Quelleangaben braucht, bitte melden.

37Der gesamte Abschnitt bezieht sich auf Kottadridou 1991. S.23.