LOST WORDS in der Nikolaikirche

Fäden, die sich durch den Raum ziehen, fast so, als wäre hier eine Spinne am Werk gewesen. Ich laufe einmal um das Netz herum, dann durch einen gewebten Tunnel hindurch. Die Rauminstallation LOST WORDS der Künstlerin Chiharu Shiota füllt das Innere der Berliner Nikolaikirche auf imposante Weise.

Chiharu Shiota präsentierte auf der Biennale in Venedig 2015 im Japanischen Pavillion die Installation The Key in the Hand. Mit ihren raumgreifenden Riesengespinsten, die zugleich überwältigend und filigran anmuten, machte sie international auf sich aufmerksam. Als ich gesehen habe, dass es aktuell in Berlin eine ihrer Arbeiten zu sehen gibt, musste ich dort hin.

In Kirchen verschlägt es mich nur wegen der Kunst und so betrete ich zum ersten Mal Berlins älteste Kirche und dort hängen sie, die schwarzen Wollfäden, das Markenzeichen der Künstlerin. Es ist die Größe, die mich überwältigt, die feiner Art, wie sich die Fäden durch den Raum ziehen, die mich begeistert. Die Künstlerin, die aus Japan stammt, hat ihr Atelier in Berlin-Prenzlauer Berg. In ihren Installationen und Performances spielen Heimat, Erinnerungen, Angst, Geburt und Tod zentrale Rollen.

Die vielen Zettel mit Bibelzitaten in unterschiedlichen Sprachen, die im Netz verteilt sind sollen die Verflochtenheit der Reformation und der biblischen Botschaft demonstrieren. Mich interessiert viel mehr die Fadeninstallation und die Wirkung des Netzes auf mich. Raumgreifende Kunstwerke wirken auf den Körper auf ganz besondere Art und ich liebe es, mich in der begehbaren Kunst zu verlieren. Chiharu Shiota hat mich nicht enttäuscht.

Ein Abstecher lohnt sich und wer da ist, kann sich auch gleich die Dauerausstellung zur Geschichte der Nikolaikirche anschauen.

Die Ausstellung LOST WORDS von Chiharu Shiota ist Bestandteil und Abschluss des fünfjährigen DEKALOG-Projektes der Guardini Stiftung und der Stiftung St. Matthäus zum Reformationsjubiläums 2017 in Kooperation mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin.

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