Kunst und Kultur

Kunst bezirzt! Die Flucht nach Ägypten

15. Oktober 2014
Adam Elsheimer. Flucht nach Ägypten. 1609 Alte Pinakothek, München.
Adam Elsheimer. Flucht nach Ägypten. 1609 Alte Pinakothek, München.

Mittwochs gibt es Kunst. Ich habe Kunstgeschichte studiert, kann mich in Bildern verlieren. Da ich beruflich gerade nichts mit Kunst zu tun habe, nehme ich mir wenigstens einmal die Woche Zeit, um mich ganz bewusst mit Kunst zu beschäftigen.

Welche Ausstellungen laufen? Gibt es interessante Publikationen oder ganz profan: Ich nehme eines meiner gebliebten Kunstbücher und schaue mir ein Bild an.

Einfach nur nur sehen, nicht analysieren. Vielleicht eine Art Meditation.

Kunst bezirzt! Die Flucht nach Ägypten

Obwohl das Gemälde gerade einmal 31×41 cm misst, ist es einer der vielen Schätze der Münchener Pinakotheken. Es ist eines der Bilder, vor denen ich bei meinen regelmäßigen Museumsbesuchen zu Studienzeiten immer wieder innehielt, fasziniert von der Atmosphäre und der Ausstrahlung des Sternenhimmels.

Fast unscheinbar hängt Adam Elsheimers „Flucht nach Ägypten“ in einem der Nebenräume, umso bedeutender ist der tatsächliche Wert des 1609 entstandenen Bildes.

Der alles umfassende Sternenhimmel gilt als die erste nahezu naturgetreue Darstellung des Himmels. Elsheimer studierte den Mond durch ein Fernrohr, malte die Krater, die er sah, auf dessen Oberfläche und zeichnete sogar die Milchstraße. Das eigentlich Thema, Josephs und Marias Flucht vor Herodes, ist eingebettet in eine allumfassende Natur, Religon und Wissenschaft steht sich nicht konträr gegenüber, sondern ist vereint.

Mit diesem Werk verarbeitete der Künstler seine himmlischen Beobachtungen noch bevor Galilei seine Erkenntnisse publizierte.

Viele zeitgenössische Kopien, darunter sogar von Rubens und Rembrandt, bezeugen den Stellenwert des Werkes, das wahrscheinlich das letzte des Künstlers gewesen ist. Nur ein Jahr später starb Elsheimer nach einem Gefängnisaufenthalt in Rom.

 

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