Kuala Lumpur – die vielleicht entspannteste Metropole Asiens

Kuala Lumpur

Schon hunderte Male betete ich zu Asiens Götter des Straßenverkehrs, während ich mit zittrigen Knien und feuchten Händen auf die Straße trat, um mich langsam auf die andere Seite vorzutasten. Minutenlang stand ich schon am Straßenrand und suchte vergeblich die Lücke in der Masse an Rollern. Mehr als einmal nahm mich ein Einheimischer an die Hand, um mich sicher durch die Fahrzeugflut zu lotsen.

Damit rechnete ich auch in Malaysia, umso überraschter war ich bei der Ankunft am Abend in Kuala Lumpur.

Damit rechnete ich auch in Malaysia, umso überraschter war ich bei der Ankunft am Abend in Kuala Lumpur. Keine Spur von Verkehrschaos à la Ho-Chi-Minh-City oder Delhi. Ampeln, erkennbare Spuren, Fußgängerbrücken – der Straßenalltag in Kuala Lumpur ist angenehm geregelt. Doch nicht nur das fehlende Verkehrschaos macht KL, wie Malaysias Hauptstadt simpel genannt wird, so angenehm. Es gibt eine ganze Reihe an guten Gründen, warum es sich lohnt auch für ein paar mehr Tage in der Metropole Malaysias sein Lager aufzuschlagen.

Es kling oft wie ein Vorwurf wenn es heißt, KL sei ziemlich europäisch. Was damit gemeint ist? Es gibt großzügige Malls mit allen Marken, die man so kennt. Die gleichen Klamottenläden säumen die Einkaufstraßen. In den Ausgehvierteln wird in Pubs und Bars getrunken, Pizza gegessen und es sind hauptsächlich neuwertige Autos, die einem auf der Straße begegnen. Nicht annähernd so viele Roller wie in Vietnam, Tuktuks wie in Thailand oder Ochsenkarren wie in Indien. Ein bisschen vermisst man das sympathische asiatische Gewusel, wenn man bereits andere Metropolen bereist hat aber die Mischung aus Moderne und Tradition ist unglaublich spannend.

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Chinafeeling auf dem Nachtmarkt

Vom Flughafen ging es für uns direkt ins Hostel nach Chinatown. Wir hatten kaum unsere Sachen abgelegt, zog es uns schon hinaus auf die Straßen des chinesischen Viertels. Es war schon dunkel und die unzähligen roten Lampions erhellten die Straßen. Rauchschwaden zogen in die Lüfte, wo ein Feuerwerk bunte Bilder an den Himmel zeichnete. Wir waren zum chinesischen Neujahr in KL und der chinesische Nachtmarkt war für das Fest herausgeputzt.

In der Pentaling Street, dem Herzen der Chinatown, werden jeden Abend zahlreiche Verkaufsbuden aufgebaut. Hier findet man es, das asiatische Feeling: der Trubel, das Gedränge, die Hitze und Gerüche der Garküchen. Wir schlendern durch die Gässchen, vorbei an unzähligen Ständen mit den immer gleichen T-Shirt: Bob Marley, Heineken, Starbucks. Daneben der unvermeidbare Krimskrams wie Wasserpfeifen, Elektrozubehör, Feuerzeuge und Klappmesser. Wonach wir aber suchen, sind die kleinen Köstlichkeiten. Wir teilen uns eine Sojamilch mit Tapiokakugeln, die so klebrig süß ist, dass einem die Gesichtszüge entgleisen. Beim Schlendern finden wir einen Food Stall, also eine Ansammlung von kleinen Essenständen und einem Platz mit Tischen und Stühlen in der Mitte. Hier gibt es eigentlich immer das beste Essen und das zu unschlagbar guten Preisen. Und dann kann man auch noch gemütlich sitzen und wer teueres Bier trinkt, darf sogar an die “guten” Tische mit Tischdecke. Biertrinker sind hier gerne gesehen, bei den Bierpreisen in Malaysia ist das auch kein Wunder.

Nachtmarkt: Pentaling Street, Nähe Metro-Station “Pasar Seni”, ab Einbruch der Dunkelheit bis ca. 2 Uhr nachts.

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Die Batu Caves

Eigentlich müsste ich das hinduistische Heiligtum gar nicht erwähnen. Jeder, der nach KL fährt, hat von Batu Caves gehört und wird sie sehr wahrscheinlich auch besuchen. Es gehört irgendwie einfach dazu. Auch wir wollten uns die Höhlen und die beeindruckende “Lord Murugan-Statue” mit eigenen Augen betrachten und machten uns mit einer ganzen Schar an anderen Touristen auf den Weg zu den rund 15 km außerhalb von KL liegenden Höhlen. Die Bahnstation führt praktischerweise fast direkt bis zur Höhle. 272 steile Treppenstufen gilt es zu Erklimmen. Auf diesen Stufen sollte man auf zwei Dinge gefasst sein: 1. die Affen, die einem gerne mal die Kamera abnehmen wollen und 2. Touristen mit Selfiesticks, die jede zweite Stufe stehenbleiben, um sich auf den heiligen Treppen abzulichten.

Die Höhlen selbst sind geräumig und etwas muffig. Affen, Hühner und Tauben teilen sich den Platz mit den Priestern und Touristen. Die Schreine sind, hindutypisch, blinkend bunt beleuchtet und wecken in mir immer ein bisschen Weihnachtsgefühle.

Eigentlich wollt ich aber gar nicht großartig etwas über die Batu Caves sagen, sondern über das indische Essen an der Straße gegenüber. Nach dem Fotos-Von-Witzigen-Affen-machen knurrte uns der Magen. Direkt gegenüber der Treppen gibt es zwei indische Restaurants, über einem prangte das Wort “Jain” und mein Magen machte einen Luftsprung, denn ich (wie ihr vielleicht wisst) hasse Zwiebeln und die fehlen nunmal in keinem indischen Essen. Jainismus ist eine Religion, deren Anhänger sich hypervegetarisch ernähren und außerdem bestimmte Lebensmittel vermeiden, wie zum Beispiel Zwiebeln. Bedeutet für mich: ultragutes indisches Essen ohne Zwiebeln. Und der Inder an den Caves war wirklich richtig gut! Wem es ähnlich geht oder Zwiebeln und Knoblauch nicht so gut verträgt, sollte sich das hinter die Ohren schreiben.

Batu Caves: Bahnstation “Batu Caves”. Name des indischen Restaurants “Restoran Rani”, direkt gegenüber des Höhleneingangs.

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Religiöse Vielfalt erleben

Malaysia ist multikulturell und das sieht man auch in Kl: In nur wenigen Minuten läuft man an chinesischen und indischen Tempel, Moscheen und katholischen Kirchen vorbei. Wir wohnten in einem Hostel in der Jalan Bandar und liefen gerade die Straße hinunter, um etwas Essen zu gehen, als wir direkt neben unsrem Hostel das bunt geschmückte hinduistischen Portal entdeckten. Kurzerhand stellten wir uns an, um unsere Schuhe auszuziehen und gingen ins Innere des Tempels. Zufälligerweise war es der wichtigste Hindutempel der Stadt, der Sri Mahamariamman Tempel. Wir beobachten die Darbringung der Opfergaben und lauschten den Klängen der Gebetsorgel. Als wir den Tempel verließen, entdeckten wir wenige Meter weiter auf der anderen Straßenseite einen chinesischen Tempel, also gingen wir auch da hinein und sahen den Gläubigen beim Umrunden des Schreines zu. Es ist toll, wie einfach man in Kuala Lumpur zwischen den Religionen wandeln und Unterschiede und vor allem Gemeinsamkeiten bei den Glaubensrichtungen sieht. Ich liebe die Mischung der Gerüche, den Duft der Räucherstäbchen und der Blumen, die Geräusche der Gesänge und Glocken und hier in den Straßen von Chinatown konnte ich all das wunderbar genießen.

Tempel: Sri Mahamariamman Temple, Jalan Bandar

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Traditionelles Henna in Little India

Ich bin ein ganz klitzekleines bisschen süchtig nach Hennas. Das wisst ihr bereits, denn hier habe ich schon von meiner Leidenschaft erzählt. Als ich nach zwei Wochen Malaysiaurlaub wieder in KL ankam und noch kein Hennatattoo hatte, war klar, dass ich das unbedingt noch nachholen musste. Normalerweise tummeln sich Hennamalerinnen an den Touristenplätzen, doch irgendwie bin ich in KL nicht fündig geworden. Als ich dann las, dass es ein indisches Viertel gibt, wusste ich: da muss ich hin. Im Viertel sieht man den indischen Einfluss hauptsächlich an den Saris in den Läden. Doch ich hatte ja etwas ganz Spezielles im Sinn und scannte mit meinen Blicken die Schilder auf “Henna”.

Und tatsächlich: Im ersten Stock eines etwas verlassen wirkenden Gebäudes gab es ein Schönheitssaloon für Inderinnen und hier gehört natürlich auch die Hennamalerei dazu. Ich blätterte in einigen Ordnern, die mir die Frau in die Hand drückte und entschied mich für eine Mischung der wohl detailreichsten Muster, die ich finden konnte. Mit ein paar Blümchen gebe ich mich schon lange nicht mehr zufrieden, spätestens seit meinem wunderschönen Henna in Delhi. Die Dame nannte mir einen Preis von rund 30 Euro und ich war so im Hennafieber, dass ich ohne zu zögern zustimmte. Sie sucht auf ihren zwei Smartphones nach einem ähnlichen Muster und machte sich an die Arbeit.

Das Erste, was mein Herz höher schlagen ließ, war die tiefrote Farbe: richtig gutes Henna.

Um es abzukürzen: Die Prozedur dauerte ewig. Mein Freund saß brav und geduldig auf dem Hocker daneben und schaut sich indisches Fernsehen an und ich hatte das Gefühl, dass mir langsam die Hand abfällt. Doch das Muster wurde zu einem detaillierten Netz aus traditionellen Motiven und zog sich von den Handflächen bis fast zur Ellenbeuge. Am Ende fragte Sie, ob ich auch eine Verzierung auf der Handaußenfläche möchte und ich sagte kurzerhand “Ja”. Am Ende berechnetet Sie dies natürlich extra. Ich ärgerte mich ein bisschen und fühlte mich direkt nach Indien versetzt, denn der indische Geschäftssinn hatte mich auch in Indien manchmal etwas überrumpelt.

Am Ende ging ich überglücklich zurück ins Hostel, welches auch von Indern betrieben wird. Sie begrüßten mich mit Komplimenten und Beteuerungen, wie authentisch und gut das Tattoo sei. Und ich war zufrieden.

Little India: An der Station “Masjid Jamek”

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Das moderne Kuala Lumpur

Ich sprach schon zu Beginn davon: KL ist megamodern und die Petronas Towers sind wohl die Krönung davon. Zu ihren Füßen liegt eine Luxusmall und durch die Straßen der Stadt kann man in einer klimatisierten Überführung von Einkaufszentrum zu Einkaufszentrum wandeln. Man kann ganze Tage in den Konsumtempeln verbringen, wenn man möchte. Viele kommen genau deshalb hierher, andere beschweren sich über das fehlende nostalgische Flair.

Ich fand die Mischung sehr interessant. Die alten kolonialistischen Häuserruinen, die überwuchert sind von Schlingpflanzen und deren Wände vollgesprüht sind mit Graffiti, stehen direkt vor den modernsten Neubauten. Eine spannende Mischung, die mich in ihren Bann gezogen hat.

 

Ich habe die Bequemlichkeiten der modernen Stadt genossen und mich über die kleinen versteckten Ecken gefreut. Die Hauptstadt Malaysias ist viel mehr, als nur Ausgangspunkt nach Singapur oder zu den Stränden. Nehmt euch ruhig ein paar Tage mehr Zeit und lasst euch durch die entspannte Metropole treiben.

 

Mit diesem Beitrag wollte ich euch nicht die gleichen Tipps geben, die ihr sowieso schon gelesen habt, sondern euch ein bisschen an meinen Eindrücken von KL teilhaben lassen. Ihr braucht noch konkrete Tipps, was ihr unternehmen wollt? Dann schaut doch mal bei Home is where your Bag is vorbei vorbei.

9 thoughts on “Kuala Lumpur – die vielleicht entspannteste Metropole Asiens

  • 6. August 2015 um 20:05
    Permalink

    Richtig toller Artikel, Julia. Besonders, weil du eben nicht genau das über KL erzählst, was man überall zur genüge zu lesen bekommt. Das macht es viel sympathischer und authentischer.
    Chinatown bei Nacht schaut richtig schön aus und ich würde am liebsten direkt in das Bild mit den leuchtend roten Lampions hüpfen, aber auch dein Henna-Tattoo ist hübsch geworden. Ich musste ja ein bisschen schmunzelt, dass die die Verkäuferin etwas extra abgezwackt hast, weil du auch noch eine Bemalung auf der Handoberfläche wolltest. Da war es ja fast klar, dass sowas kommt. Aber das gehört ja irgendwie einfach auch dazu.

    Liebe Grüße,
    Wibke

    Antwort
    • Julia Schattauer
      18. August 2015 um 10:39
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      Danke dir, Wibke, für deinen Kommentar! Ja ja, die Verkäuferin. Zuerst habe ich mich echt geärgert aber eigentlich musste ich auch schmunzeln. Echt typisch ;)…

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  • 9. August 2015 um 14:12
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    Oh ja ich habe mich auch in die Stadt verliebt. Ich dachte es wäre wie Jakarta, dabei ist es weitaus besser. Entspannter ist für mich aber Singapur, aber dafür ist KL authentischer und lebendiger.
    Ich habe so tolle Menschen kennengelernt und so viel gesehen. Ich hoffe, ich kann bald mehr von Malaysia kennenlernen.

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    • Julia Schattauer
      18. August 2015 um 10:40
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      Hey Neni,

      stimmt, Singapur stelle ich mir auch noch entspannter vor aber auch etwas zu sehr geregelt. Da muss ich mich mal selsbt überzeugen! Malaysia ist wirklich toll, ich möchte unbedingt wieder hin!

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  • 17. August 2015 um 23:48
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    Toller Beitrag! Seltsam, gerade heute habe ich schon zufällig mit Leuten über KL gesprochen und genau wie Du fanden alle den Verkehr dort relativ entspannt – nur ich nicht. Um meine Sicherheit gefürchtet habe ich zwar auch nicht, aber laut, nervig, allgegenwärtig fand ich ihn trotzdem. Dann lasse ich Ho-Chi-Minh-Stadt mal besser aus. ;)

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    • Julia Schattauer
      18. August 2015 um 10:42
      Permalink

      Hallo Susanne,
      ich habe auch ein paar Mädels getroffen, die überhaupt nicht meiner Meinung waren. Es kommt wahrscheinlich auf die Erwartung an, mit der man hinkommt und auf den Vergleich. Im Gegensatz zu Saigon und Indien allgemein ist es defintiv entspannter ;)

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  • Pingback: Zwischen den Welten: Mein Doppelleben und ich - Bezirzt

  • 28. Februar 2016 um 15:57
    Permalink

    Hi Julia
    Schöner Blog mit noch schöneren Geschichten. Leider habe ich es noch nie nach KL geschafft. Aber wenn ich deine Zeilen lese, fühle ich mich driekt dorthin versetzt. Die Petronas Towers, Litte India, die Batu Caves und der Nachtmarkt sind spannende Spots, falls es mich mal nach KL verschlägt. Das Henna Tatoo gefällt mir auch Super. Dauerte bestimmt lange um das machen zu lassen. Nur Schade, dass die Farbe nach einiger Zeit wieder Verschwindet. Ich finde das Passt zu dir, warum lässt du nicht leich ein echtes Hena-Tatoo machen?
    VG, Urs

    Antwort
    • Julia Schattauer
      28. Februar 2016 um 18:25
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      Danke dir, Urs! Ich hab tatsächlich schonmal an ein richtiges Tattoo gedacht aber mich bis jetzt noch nicht getraut. Mal schauen ;)

      Antwort

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