Kopenhagen, ich will dich wiedersehen!

Kopenhagen

Von verpassten Chancen und leichtem Herzen

Kopenhagen und ich, das ist eine spezielle Geschichte. Obwohl ich vor diesem Wochenende nie dagewesen bin. In gewisser Weise steht es am Beginn meiner Reiseleidenschaft.

2010 hat sich bei mir einiges verändert: Mein damaliger Freund und ich trennten uns nach mehrjähriger Beziehung, ich zog ins Olympiadorf in meinen eigenen kleinen Studentenbungalow und ich war voller Tatendrang. Ich wollte raus in die Welt. Also ging es zum ersten Mal nach Asien. Mit einer Studien-Freundin packte ich den Rucksack und machte mich auf Richtung Thailand und Vietnam. Naiv und unbedarft reisten wir umher, erlebten einige Abenteuer. Danach war klar: Ich will mehr. Mehr sehen von der Welt, mehr erleben.

Ich bewarb mich für ein Erasmus-Semester und bekam im Nachrückverfahren tatsächlich die Zusage und zwar für Kopenhagen. Da ich spät dran war, waren alle Wohnheimplätze bereits vergeben und ich versuchte privat an ein Zimmer zu kommen. Von den Preisen wurde mir ganz schwindelig. München sorgte schon für einen leichten Geldbeutel aber Kopenhagen bereitete mir Schnappatmung.

Kosten waren ein Punkt, ein weiterer eine neue Liebe. Ich hatte kürzlich meinen neuen Freund kennengelernt, vier Monate Kopenhagen sorgte schon im Vorhinein für Sehnsucht. Trotzdem wollte ich etwas Neues sehen, nicht einfach weitermachen wie immer. Ich war unschlüssig, jede Entscheidung fühlte sich blöd an. Ich wollte auf nichts verzichten.

Gleichzeitig mit der Erasmusbewerbung hatte ich mich auch für ein Praktikum in Berlin beworben. Und als ich so im luftleeren Raum hing, nicht wusste, was ich machen sollte, da kam die Zusage. Es ging um ein redaktionelles Praktikum bei einem Kunstmagazin in Berlin. Das war es. Plötzlich ging alles ganz schnell und die Entscheidung war getroffen, bevor ich sie aussprechen konnte. Ich fühlte es einfach, dass das richtig war. Und trotzdem war da noch Kopenhagen. Das Gefühl von Verlust. Von etwas, was ich noch gar nicht hatte.

KopenhagenKopenhagen steht für mich für eine verpasste Gelegenheit.

Oft denke ich darüber nach, was gewesen wäre, wenn ich das Semester dort verbracht hätte. Ich hätte eine neue Sprache gelernt, da ich bereits ein Semester Dänisch an der Uni hatte. Ich bin sicher, dass es toll geworden wäre. Doch dieser bittersüße Geschmack von verpassten Chancen wird übertrumpft von Dankbarkeit.

Da ich abgelehnt hatte, bin ich nach Berlin gekommen. Hab mich in diese Stadt verliebt, meine Leidenschaft fürs Schreiben entdeckt. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

Seitdem wollte ich schon längst nach Kopenhagen, von Berlin ist es schließlich nur ein Katzensprung. Aber um ehrlich zu sein, hatte ich Angst davor.

Angst, dass es mir so gut gefällt, dass der bittere Beigeschmack die Überhand gewinnt.

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Und nun war ich da.

Und es war toll. Ich saß auf der Wiese in Christiania, schaute mit der frischen Brise in den Haaren der Sonne beim Untergehen zu. Aß dort das leckerste vegetarische Wildreisgericht. Ich saß am Kanal mit einem Bier in der Hand. Meine Blicke folgten den Booten ich schlenderte durch die Strøget.

Und zwischendurch, da hielt ich inne, hörte in mich hinein. Wartete auf das Stechen in der Brust. Doch da war nichts. Ich reiste mit leichtem Herzen. Und ich war froh. Ich konnte die Stadt ganz einfach ohne Wehmut genießen.

Vielleicht weil ich weiß, dass das mit uns noch nicht vorbei ist. Mit mir und Kopenhagen.

Farvel!

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6 Kommentare

  1. Hey! Schöne Geschichte, ich selbst war noch nicht in Kopenhagen, hab aber auch schon sehr viel gutes darüber gehört. Steht jetzt auf meiner Reiseagenda für die kommenden Jahre =) Beste Grüße aus Schenna

  2. Wenn ich mir vorstelle, du wärst damals nach Kopenhagen gezogen, anstatt das Praktikum bei uns anzunehmen…! Ich war übrigens damals auch gerade sehr frisch verliebt, als ich die Erasmus-Zusage bekam. Ein Jahr Liverpool – ich hab es trotzdem angenommen. Es war dann bittersüß und voller Sehnsucht.

    1. Kein Praktikum beim KUNST Magazin wäre auf alle Fälle eine verpasste Chance gewesen.
      Ich konnte Kopenhagen auch nur absagen, weil ich wuste, dass ich stattdessen ein halbes Jahr in Berlin verbringe. Einfach daheim bleiben, das wäre keine Option gewesen. Für einen Mann… Meine Mutter hätte mir die Hölle heiß gemacht 😉

      1. Hahaha, so ist’s recht von der Mama! 😀
        Ist auf jeden Fall eine schöne Geschichte und ich habe den Eindruck, dass Deine Entscheidung für Dich nur Gutes gebracht hat. Und Kopenhagen, ja, das muss ich auch nochmal hin, mein Besuch war viel zu kurz. Hat mir gut gefallen, bis auf Christiania, da fand ich es echt furchtbar, weil nur Vermummte und Drogis rumgetorkelt sind… da war ich echt ziemlich enttäuscht.
        LG /inka

  3. Kopenhagen steht auch eigentlich dieses Jahr noch an bei mir. Sofern das alles mit dem Urlaub im Herbst hinhaut. Aber ich wäre auf jeden Fall sehr glücklich darüber. Ein toller Post und super Bilder hast du da 🙂

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