Kleine Fluchten: Das „We Escape“ in Weligama

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Der Fahrer drosselt die Geschwindigkeit, das Tuk-Tuk kommt zum Stehen. Die Schranke am Bahnübergang vor uns ist geschlossen. Ein Mann in Uniform steht auf, hebt sie an und lässt uns passieren. Entlang einer Allee fahren wir die letzten Meter bis zum Eingang meiner Unterkunft „We Escape“ in Weligama an der Südwest-Küste von Sri Lanka. Fast schon ehrfürchtig betrachten der Fahrer und ich gleichermaßen die weiße Villa, die sich am Ende der Straße vor uns auftut. Als ich aussteige kommt bereits ein Herr im Anzug und ausgestreckter Hand auf mich zu: „You are Julia, right?“ Ich nicke, schüttele die Hand und folge ihm.

Sichtbeton und Bad en Suite: Das We Escape in Weligama

Wir schreiten durch die Lobby zum Innenhof, in dem ein großer Mangobaum seinen wohltuenden Schatten wirft. Kleine geöffnete Vogelkäfige zieren die Äste, das Logo des We Escape*. Ich nehme auf einem schweren Sessel aus dunklem Holz und Korb Platz und bekomme einen Maracuja-Saft als Begrüßungsgetränk. An den Wänden hängen nostalgische Ceylon-Plakate, die mir schon beim Laden im Fort von Galle so gut gefallen haben. Rasch fülle ich den Anmeldezettel aus und folge dem Angestellten mit meinem Drink in der Hand zu einer Tür mit der Aufschrift „Deep Sea“. Er klopft, wartet auf das „Come in“ und öffnet die Tür. Direkt strömt mir ein Hauch kühler Luft entgegen. Im Inneren des kühlen und vor allem großen Raumes befinden sich acht Bettnischen, geradeaus geht es durch eine Flügeltür ins Bad en Suite. Mit Hostels, die ich so kennen hat dieser Frauenschlafsaal nicht viel gemein: Die Wände in stilvollem Sichtbeton, die oberen Betten über eine Treppe erreichbar. Klapprige Leitern und wackelige Metallbetten? Fehlanzeige! Große Schränke und Bettschubladen bieten Platz für Gepäck, jedes Bett hat sein eigenes Licht und eine separate Steckdose. Ich stelle meinen Rucksack ab, stelle mich kurz meiner Mitbewohnerin vor, einer Finnin die auch in Berlin lebt und der Rundgang geht weiter.

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Auf dem Weg zum zweiten Innenhof bekomme ich die Orte zum Wäschetrocken gezeigt und laufe an Surfboards vorbei, bevor wir in den Restaurantbereich kommen, in dem Frühstück, Lunch und Abendessen serviert wird. Wir gehen weiter zum Pool, der türkis in der Sonne schimmert. Ein paar junge Leute sonnen sich auf den Liegestühlen, eine Frau zieht ein paar Bahnen im kühlen Nass. Lounge-Sofas laden zum Entspannen ein, Lilatöne sorgen für frische Farbtupfer und Kontrast zu den Mahagoni-Möbeln. Meine Augen werden immer größer. Meine Definition von Hostel, gilt es wohl dringend zu überdenken. Etwas überrumpelt bedanke ich mich bei dem Hostelmitarbeiter und setze mich auf mein Bett. Nachdem ich mich dank der Klimaanlage etwas von der Hitze am Vormittag klimatisiert habe, tue ich das einzig sinnvolle: Ich schnappe mir mein Handtuch und lege mich an den Pool. Luxus pur!

Unbeschwerte Tage in Weligama

Auf der Liege falle ich in einem Dämmerzustand, in dem ich die warmen Sonnenstrahlen genieße, das Zwitschern der Vögel und die leise Lounge-Musik im Hintergrund wahrnehme. Ich bin immer noch geflasht: Das Wort „Hostel“ und diese Anlage finden in meinem Kopf einfach nicht zusammen. Kein Wunder, dass die Betreiber vom We Escape den Begriff „Poshtel“ vorziehen, eine Wortneuschöpfung aus „posh“ und „Hostel“.
Im Laufe der nächsten Tage verbringe ich die Vormittage am Pool, bevor ich mich zum Strand aufmache. Weligama ist als Surferstrand bekannt und ich liebe den Vibe auch wenn ich selsbt nicht Surfe. Hier ist alles etwas entspannter und der Strand ist lang, sodass es sich super ein wenig flanieren lässt. Sytlische Surfer und Surferinnen laufen mit ihren Brettern im Sonnenuntergang herum und ich beobachte die Szenerie und knipse zahlreiche Fotos. Ich probiere mich durch die tollen Cafés in Weligama und verbringe die Abende mit meinen Zimmernachbarinnen bei Essen und einem Gläschen Bier oder Wein im Restaurant des Hostels. Zusammen machen wir Ausflüge ins Nachbardorf Mirissa, gehen gemeinsam zum Strand. Die Tage sind gefüllt mit netten Gesprächen und Sorglosigkeit.

Weligama Strand

Da ich zwischendurch ein wenig arbeiten muss, verziehe ich mich ab und an auf eines der bequemen Lounge-Sofas oder auf die Sessel am Mangobaum. Hier, hinter den schützenden Mauern, die Lärm und Hektik de Straße draußen lassen, kann ich ungestört für ein paar Stunden arbeiten und schaffe mehr, als ich auf der dringenden To-Do-Liste habe.
Das We Escape in Weligama hält, was der Name verspricht: Es ist eine kleine Flucht vor der Welt da draußen, eine kleine Pause vom Reisen, ein Ort, an dem die Entspannung und Unbeschwertheit an der Tagesordnung stehen. Es ist ein Ort, an dem man vergisst, welcher Tag eigentlich ist, da es auch keine Rolle spielt. Viele meiner Zimmergenossinnen sind gleich zwei oder drei Wochen am Stück hier. Leute, die nur ein, zwei Nächte bleiben, sind eher die Ausnahme. Es ist ein Ort, der die positiven Seiten von Hostels mit dem Komfort von Hotels verbindet. Das Soziale der Dorms und der Gemeinschaftsbereiche kommt hier mit der Extraportion Komfort daher und diese Mischung ist im We Escape mehr als gelungen.
Als ich nach vier Nächten den Ort verlasse, kommt mir die Zeit gleichzeitig ewig und total kurz vor. Mit neuen Kontakten und einer guten Portion Erholung geht es wieder raus in die richtige Welt. Das Reisen hat mich zurück.

*Von meinen vier Nächten im We Escape gingen zwei aufs Haus. Danke dafür, ich habe die Zeit mehr als genossen!

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