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Hippieboot in Amsterdam: Gastartikel zur Blogparade

7. März 2017

Hausboot Karla the fox

Sarah von Karla the Fox schreibt über Musik, vor allem Metal und da passt eine kleine Reiseerzählung im Rahmen meiner Blogparade „Hippie-Glück im Urlaub“ nicht ganz so gut ins Programm. Da ich ihre Amsterdam-Story aber unbedingt hören wollte, habe ich Sarah einen Gastartikel angeboten. Wer sich für Musik und Festivals begeistert, der sollte definitiv mal bei ihr vorbeischauen.

 

Und jetzt überlasse ich Sarah die Bühne. Here we go:

 

Regenbogengold – Wir lebten auf einem Hausboot in Amsterdam

Julia, die Bloggerin hinter Bezirzt, hat im Januar zu einer Blogparade aufgerufen. Das Thema lautet „Hippie-Glück im Urlaub: Die schönsten Orte für Blumenkinder“. Ich hatte den Aufruf gesehen und mich geärgert. Denn ich hätte ein tolles Urlaubserlebnis, das zu diesem Motto passen würde. Ich würde sogar liebend gern darüber schreiben! Nur leider passt es so gar nicht auf meinen Blog, der sich um Rockbands, die Musikwirtschaft und den Lifestyle der Metalszene dreht. Mit einer Teilnahme an der Parade würde ich meine Leser nur verwirren.

Also sagte ich Julia, was Sache ist und dass ich es sehr schade fände; da lud sie mich zu diesem Gastbeitrag ein und ich bin mehr als glücklich, diese Lösung gefunden zu haben. Somit kann ich euch doch noch von meinem Erlebnis berichten. Von meinem ganz besonderen, etwas exotischen Hippieabenteuer in Amsterdam.

In meinem alten Heimatdorf habe ich einen engen Freundeskreis, der zur Abwechslung mal nicht aus der Musikbranche kommt oder sich in die 80er zurückwünscht. Mit diesen Mädels wollte ich im letzten Sommer auf jeden Fall verreisen. Wohin war zweitrangig. Es sollte günstig sein, kurz, spontan und unkompliziert. Hauptsache wir vier gemeinsam weg. Nach ein paar Besuchen auf Urlaubspiraten und Co. entschieden wir uns für Amsterdam. Eine von uns hatte nämlich die Möglichkeit gefunden, für drei Nächte auf einem Hausboot zu übernachten, privat, via Airbnb. Der Preis war mit ca. 100 Euro pro Person für alle drei Nächte unschlagbar, denn das Boot lag mitten in der City. Die Reise selbst buchten wir über Flixbus und schon hatten wir einen kostengünstigen Trip, bei dem schon auf der Hinfahrt eine Party steigen konnte.

 

Der Besitzer des Bootes – wir nannten ihn nur „den Captain“ – erklärte uns nach der Schlüsselübergabe die wichtigsten Funktionen (zum Beispiel musste man für die Toilettenspülung Wasser aus dem Fluss hochpumpen) und ließ uns als Willkommensgeschenk eine volle Packung echter Amsterdamer Joints neben dem Steuer liegen. Er verriet uns auch, wo wir Wasser holen konnten, denn an Bord gab es keine Dusche und generell kein fließendes Wasser. Für die nächsten vier Tage hieß es Katzenwäsche aus einem Plastikkanister. Zum Glück hielten sich die Temperaturen in Grenzen, sonst hätten wir gegen unseren eigenen Gestank ankämpfen können. Back to the Nature in Reallife❤ Die ungewaschenen Haare versuchten wir, durch Flechtfrisuren so gut es ging zu verstecken und irgendwie fühlten wir uns dadurch wild und frei.

Für meine Verhältnisse waren wir sehr viel Shoppen, kauften sehr viel Essen und besuchten extrem wenige typisch touristische Einrichtungen. Kein Madame Tussauds, kein Anne Frank-Haus, keine Kirche, kein Kunstmuseum, keine Bootstour, kein Fahrradverleih oder Sonstiges. Wir hatten es vor, aber am Ende fehlten oft die Motivation, das Geld oder schlichtweg die Zeit, weil die Anstehschlangen so unendlich lang waren. Es war also ein wirklich sehr stressfreier Urlaub, mit viel Schlaf und albernen Weibergesprächen.

Einzig eine Eis-Bar lockte uns als Attraktion zu sich. Man wurde dort mit warmer Kleidung ausgestattet und durfte seine Getränke aus Bechern schlürfen, die aus irgendwie präpariertem Eis bestanden, sodass sie nicht ganz so schnell schmolzen aber dennoch aussahen, als würden sie nur aus Wasser bestehen. Auf dem Weg dahin sangen wir fröhlich und laut irgendwelche Lieder, auf dem Rückweg schlenderten wir über die Brücken des Vergnügungsviertels. Amsterdam hat schon sein ganz eigenes Flair. Überlaufen mit Touristen, überflutet von Fahrrädern, aus jedem zweiten Laden kommt ein so süßlich dichter Geruch, dass man schon vom Bummeln high wird und wer Blumen (Tulpen), kunterbunte Shirts und leckeres Gebäck liebt, kommt voll und ganz auf seine Kosten. Und den Käse darf man nicht vergessen!

Wie es sich für echte Hippieseelen in Amsterdam gehört, durfte der Besuch in einem Coffeeshop nicht fehlen. Wir entschieden uns für Muffins und die Wirkung schlug mitten in einer Pizzeria ein. Der Heimweg war sehr witzig, wir liefen ein paar Mal im Kreis und ich rate euch dringend davon ab, das Eis der „Banketbakkerij Van der Linde“-Eisdiele in diesem Zustand zu essen. Es schmeckt unerträglich süß und schmilzt schneller, als man gucken kann! Wir verbrachten den Rest des Tages im Hausboot mit lustigen Geschichten, liefen lachend durch den warmen Sommerregen und tanzten am nächsten Morgen barfuß auf dem flachen Dach des Schiffes zu der Musik aus unserem Handy, während wir den Radfahrern zuwinkten, die am Flussufer entlang fuhren. Wenn das nicht Hippie-esk war, was war es dann?

Die schönste Überraschung hielt der Captain am letzten Tag für uns bereit. Er kam mit seiner Frau ins Boot und veranstaltete für uns vier Mädels eine ganz private Fahrt durch die Grachten, also die befahrbaren Kanäle von Amsterdam. Dabei sahen wir, dass manche Menschen wirklich auf ihren Booten wohnten. Mit etwas besserer Ausstattung (also zum Beispiel einer erreichbaren Dusche und getrennten Räumen) könnte ich mir das inzwischen sogar vorstellen. Es hat etwas wunderbar Romantisches und ich kann es nur jedem von euch ans Herz legen, der keine Lust auf zu viel Pomp und Hotelketten habt.

PS: Wir bekamen auch häufiger Magic Mushrooms angeboten, die wohl unter den Ladentheken verkauft werden. Da lehnten wir jedoch dankend ab, denn mit diesen Dingern ist nicht so leicht zu spaßen. Auch darum würde ich euch bitten, wenn ihr unseren Trip nachmacht.

 

 

Dieser Artikel spiegelt die Erlebnisse und Einstellung meiner Gastbloggerin wieder.

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