Fell und Flosse. Oder: Die verzweifelte Suche einer Tierfanatikerin

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Überall zu finden: Leguane in Mexiko
Ein paar Touristen stehen um einen Baum und bücken sich in Richtung Boden. Sie schauen angestrengt ins Gebüsch und ein Mexikaner zeigt ihnen mit dem Arm die Richtung an. Kaum habe ich die kleine Menschenansammlung entdeckt, stehe ich auch schon dazwischen und starre konzentriert in die gleiche Richtung. Nichts. Doch plötzlich bewegt sich etwas, es raschelt und dann sehe ich sie: eine Schlange. Endlich, mein erstes wildes Tier, das ich in Mexiko sehe. Und das mitten auf dem Gelände des neuen Weltwunders Chichen Itza. Eine hübsche aber enttäuschend kleine Korallenotter ist es, die die Aufmerksamkeit der Touristen auf sich zog. Ich mache einen Haken auf meiner inneren Liste.

Ich gebe es zu: Ich bin ein Tierfanatiker. Einen großen Teil meiner Reisezeit verbringe ich damit, kleine Welpen zu streicheln, mich vor Spinnen zu fürchten oder zu versuchen hübsche Geckos aufs Bild zu bekommen. Vor jeder Reise habe ich ein Ritual: Ich google mein Reiseziel in Kombination mit „Spinne“. Denn so sehr ich Tiere mag und so faszinierend ich theoretisch Spinnen finde, ich habe leider ein kleines bisschen Panik vor ihnen. Mein bester Begleiter auf Reisen ist deshalb das Moskitonetz, dessen Aufgabe es in erster Linie ist, mich vor meinen achtbeinigen Freunden zu beschützen. Mexiko hatte mir im Vorhinein einiges zu befürchten gegeben. Meine Recherche ergab eine artenreiche und großzügig Spinnenwelt vor Ort. Aber auch sonst standen einige Tiere auf meiner To-See-Liste: Flamingos, Wale, Rochen, Leguane, Schildkröten und natürlich Hundebabys! Dazu das ein oder andere Äffchen, ein Krokodil oder gar ein Hai und meine Tiersensationsgier wäre befriedigt. Doch Pustekuchen.

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Da geht mein Herz auf: Hundebaby in Mexiko

Dabei fing alles so gut an: Wir schlendern gemütlich durch die Mayatempel in Tulum. Unten am Strand soll es Schildkröten geben und darauf freue ich mich schon die ganze Zeit. Doch als wir ankommen lese ich, dass der Strandabschnitt gerade gesperrt ist, weil hier die Schildkröten ihre Eier gelegt haben. Die Jungen sind noch nicht geschlüpft. Zugegeben, das hätte ich vorher wissen können. Also gehen wir weiter zum nächsten Strand. Hier ist ziemlich viel los. Spricht nicht gerade für Tiervielfalt. Doch als ich ziemlich nahe an einem Felsen vorbei gehe, sehe ich im Augenwinkel eine Bewegung. Ich erschrecke fast zu Tode, dabei ist es lediglich ein Leguan, der es sich inmitten der Touristen auf dem warmen Fels gemütlich gemacht hat. Das stattliche Tier von vielleicht 50 cm Länge hat die Ruhe weg. Ähnlich wie in Malaysia die Warane, gibt es hier überall größere und kleinere Leguane. Am Strand, auf der Straße, im Restaurant. Sie sind so gut getarnt, dass man sie gerne einmal übersieht. Auf Cozumel hatte ich eine ganz besondere Begegnung: Ich lag gerade gemütlich in der Hängematte, als neben mir etwas mit einem dumpfen Schlag auf den Boden knallt. Ein riesiger Leguane mit orange-schwarz gestreiftem Schwanz ist vom Dach gehüpft und läuft nun ganz entspannt über die Wiese. Leider hatte ich meine Kamera nicht griffbereit, denn das gut 1,50 m große Tier war eine richtige Augenweide.
In Asien hatte ich immer „Glück“ mit den Tieren. Ich hatte mehr Spinnen im Bungalow, als mir lieb war, sah die giftigsten Schlangen der Welt, hatte die süßesten Hundebabys auf dem Arm und konnte beim Schnorcheln eine Artenvielfalt sondergleichen bestaunen. In Mexiko war alles ein wenig anders. Nach den Leguanen und der Schlange waren meine Hoffnungen groß. Doch ich merkte schnell, dass es mit dem Tierebestaunen schwierig werden würde. Statt in kleinen Strandhütten direkt am Meer, wohnten wir meist mitten in den Städten. Die Strände waren mit Hotelanlagen zugebaut und so fuhren wir mit dem Rad zum Strand und danach wieder in die Stadt. Das Gute daran: Keine Spinnen. Nicht eine einzige habe ich gesehen, fast auch schon ein bisschen enttäuschend.DSC_0243
In Tulum dann der Hoffnungsschimmer: Auf der Suche nach einer alternativen und bezahlbaren Unterkunft unweit des Strandes kamen wir an einer kleinen Bungalowanlage vorbei. Auf gut Glück liefen wir einfach mal hinein, um uns umzuschauen. Vor einem der Häuschen trafen wir zwei Deutsche, mit denen wir ein bisschen ins Gespräch kamen. Mit dem Gedanken, ebenfalls für ein paar Tage hier zu bleiben, liefen wir weiter übers Grundstück zur Cenote. Es ging durch Gebüsch und hohes Gras bis ans Wasser. Plötzlich tauchte eine der zwei Deutschen hinter uns auf und meinte, dass die Putzfrau sich Sorgen mache. Hier in der Cenote wimmele es nur so vor Krokodilen und im Gras seien auch einige Skorpione. Also ging es wieder zurück. Natürlich ohne eines der beiden Tiere gesehen zu haben.
Um der Tierwelt ein wenig auf die Sprünge zu helfen, hieß mein neuer Plan: Schnorchelausflug. Mit der Hilfe eines erfahrenen Schnorchelguides sollte rund um Cozumel doch einiges zu entdecken sein. Also rauf aufs Boot, Taucherbrille auf und ab ins Wasser. Ich liebe schnorcheln und es war natürlich super, doch auch wenn es jetzt nach Jammern auf hohem Niveau klingt: In Malaysia habe ich so viel mehr gesehen. Auf Cozumel gab es ein paar Korallen hier, ein paar Schwarmfische da und sogar eine Languste. Doch keine Spur von Schildkröten, Riffhaien oder Clownfischen.
Ein kleines Trostpflaster gab es allerdings auf dem Rückweg zum Hostel und zwar ganz unverhofft: Manu wollte nur schnell im nächsten Laden Zigaretten kaufen, als er mich herbeiwinkte. In dem kleinen Kiosk saß ein Mädchen und auf dessen Hand ein winziges Babyhündchen. Kaum die Augen geöffnet und zuckersüß. Als das Mädchen meine großen Augen sah und meinen Entzückungslaut hörte, streckte es mir das kleine Ding schon entgegen und ich war erstmal glücklich.
Mein Hoffnung lag nun in der Insel Holbox. Hier gibt es Walhaie und Flamingos. Ich wusste schon, dass Walhaisaison erst ab Mai ist und deshalb standen Flamingos ganz oben auf der Liste. Wir wanderten stundenlang am Strand entlang, der zu den schönsten gehört, die ich je gesehen habe. Hier kann man ewig weit ins Meer hinaus laufen, das Wasser dabei nie höher als bis zum Knie. Wir wanderten also, doch das Einzige, was ich entdecken konnte, waren Stachelschwanzkrebse. Diese lagen zigfach aber leider tot am Strand herum. Glücklicherweise konnte ich dann aber doch noch ein paar lebende entdecken. Doch egal, wie weit wir liefen: Von Flamingos keine Spur. Stattdessen Pelikane, Möwen und allerhand andere Vögel. Am Abend erzählte uns eine Mexikanerin im Hostel dann von einer Drei-Insel-Tour, die sie unternommen hatten. Das Highlight: Ein Krokodil, das gemütlich in einer Süßwassercenote schwamm. Genau mein Ding. Also hüpften wir am nächsten Tag erneut auf ein Boot mit der Mission Flamingos und Krokodile zu sehen. Doch gleich zu Beginn macht der Guide meine Hoffnungen zunichte. Die Flamingos verweilen genau zwischen Februar und Mai auf einer anderen Insel. So ein Pech schon wieder. Und um es kurz zu machen: Auch das Krokodil ließ sich nicht blicken.schildkröte isla mujeres
Der Urlaub war fast vorbei und meine Tierbilanz ernüchternd. Ich kapitulierte. Am letzten Tag entschieden wir uns deshalb, auf Isla Mujeres eine Schildkrötenstation zu besuchen. Normalerweise bin ich vorsichtig, was Tierattraktionen betrifft. Ich würde nie auf Elefanten reiten oder eine Delfinfarm besuchen, doch die Schildkrötenstation erschien mir relativ artgerecht und gewissenhaft betrieben. So kam ich nicht nur in den Genuss all die süßen Schildkröten zu begucken und zu füttern sondern durfte auch noch einen der Stachelschwanzkrebse auf die Hand nehmen. Im Außenbereich konnte man dann sogar noch die Schatten von Rochen und Haien erahnen. Nicht schlecht. Doch mein Fazit in Sachen Tierfreuden ist ernüchternd: In zweieinhalb Wochen habe ich zwei Hundebabys, viele Leguane, zwei Schlangen, massenhaft Pelikane, Schildkröten aber weder Spinnen, noch Walhaie, Affen und schon gar keine dekorativen Flamingos sehen. Es scheint, als hätte sich alles, was sich hier sonst herumtreibt vor mir versteckt. Und das nehme ich persönlich Doch wenigstens in Sachen rosa Vögel habe ich noch ein Erfolgserlebnis zu verzeichnen: Dank der Einladung des Rostocker Zoos konnte ich an Ostern wenigstens hier die rosaroten Schmuckvögel vor die Linse bekommen. Besser als nichts und danke, dafür! Und nach einer halben Stunde konnte mich Manu dann auch wieder bei den Ziegenkindern abholen, genug gestreichelt.

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Endlich gefunden: Hier haben sich die Flamingos versteckt

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