Als würde Feenstaub aus den Fingerspitzen sprühen: Leuchtendes Plankton auf Koh Rong

Ich sehe verwundert von meinem Buch auf und lausche. Ich höre: Nichts! Der Regen gönnt sich tatsächlich eine Pause, denn seit 48 Stunden regnet es ununterbrochen. Wir schauen uns überrascht an und sind uns ohne Worte einig. Raus in die Natur. Die Regenpause muss genutzt werden. Bei bewölktem Himmel bahnen wir uns den Weg über die Insel Koh Rong im Süden von Kambodscha.

Wir stiefeln den Pfad entlang, der zum Flussbett geworden ist. Folgen den Flip-Flops, die als Wegweiser dienen. Der Weg wird langsam zum Klettersteig. Eine gute halbe Stunden krackseln wir mit vollem Körpereinsatz den Berg hinunter, bis wir schließlich das Meeresrauschen hören. Wir verbringen den Nachmittag an einem Strand, der endlos lang scheint. Er wäre der perfekte Lonely Beach, wäre da nicht diese riesige Baustelle. Sie ist stellvertretend für so viele Grundstücke in Kambodscha. Ein chinesischer Investor baut im großen Stil Urlaubsunterkünfte für die Landsleute. Zum Glück ist es kein großer Klotz, der hier entsteht, sondern kleine Hütten, die zumindest die Optik nicht sonderlich stören.

Wir sehen der Sonne beim Untergehen zu und erfreuen uns am dramatischen Himmel. Die Wolken quellen und bauschen sich zu dickbauchigen Ungetümen auf. Dazwischen schickt die Sonne ihre Strahlen, die sich hundertfach brechen. Orange und Blau in allen Facetten. Als es dunkel ist, bringt uns ein Fischer zusammen mit ein paar Italienern zurück zum Hauptstrand.  Mit einer kleinen Lampe schippernd wir über das dunkle Meer. Wir brausen über die Wellen und halten dabei die Arme ins Wasser, dass es nur so spritzt. Und plötzlich scheint es Funken zu sprühen. Da, wo unsere Hände das Wasser zum Sprudeln bringen, leuchtet es gelb und wir glauben zunächst, dass wir uns das einbilden. Wir quietschen vor Freude, denn nun fällt es uns wie Schuppen von den Augen: Da ist es, das mysteriöse leuchtende Plankton!

Wir hatten gehört, dass irgendwo um die Inseln Leuchtplankton zu sehen sein soll. Mit den Booten fahren abends die Touristen los, doch eine enttäuschte Freundin riet uns davon ab. Nichts zu sehen, stattdessen Saufparty. Aber nun sehen wir es mit eigenen Augen und das so nah an unserem Strand. Als wir aussteigen, rennen wir fast zur Hütte, denn wir wollen nur eines: Ab ins Wasser. Wir holen unsere Taucherbrillen und waten im Dunklen ins Meer direkt vor der Unterkunft. Zunächst sehen wir gar nichts. Wir wissen nun, dass das Plankton bei Bewegung leuchtet, doch wir fuchteln im Wasser herum und es passiert nichts. Das Wasser ist flach und so müssen wir einige Meter weiter laufen, um untertauchen zu können. Als wir den Kopf mit Taucherbrille unter Wasser halten und uns bewegen passiert es: Es funkelt wie verrückt. Aus unseren Händen scheint Feenstaub zu sprühen. Wir bekommen beide einen Lachkrampf. Es ist so überwältigend schön, dass wir nicht anders können als albern zu lachen. Wir halten uns die Bäuche und wir sprudeln lachend Luftblasen in Wasser als wir wieder tauchen. Kein anderer scheint vom Plankton direkt vor der Unterkunft zu wissen. Dass es so einfach ist, hat uns auch keiner gesagt. Wir können uns nicht sattsehen am Leuchten und wollen gar nicht mehr aus dem Wasser. Als wir das Klappern unserer Zähne nicht mehr ignorieren können, gehen wir zitternd zurück in unsere Hütte, vorbei an denen, die alle nichts von diesem Glück ahnen.

Weitere Tipps zum Plankton auf Koh Rong gibt es bei Laura von Placeless.

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