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Alles auf Anfang: Manuel Möglich besucht Idealisten und Visionäre

30. April 2018

Zugegeben: Ich war schon immer ein wenig Manuel Möglichs Reportagestil verliebt, egal, ob bei „Wild Germany“, „Deutschland von außen“ oder „Deutschland überall“. Nie mit dem beliebten Blick von oben, sondern immer mittendrin, sich selbst als Journalist mitthematisierend. Dabei ist er bescheiden, manchmal ein wenig schüchtern, neugierig und auf Augenhöhe, lässt andere zu Wort kommen – so krass, verworren oder naiv die Sichtweisen auch erscheinen mögen.

Auf sein Buch „Alles auf Anfang“ habe ich mich richtig gefreut. Etwas Neues wagen, ein Leben leben, das mehr ist als Arbeit und abends auf der Couch sitzen, das ist das Thema des Buches. Die Umsetzung sieht bei den Protagonisten ganz unterschiedlich aus. Manuel Möglich besucht Umweltaktivisten in Baumhäusern, Mönche im Benediktinerkloster, die Hippiekommune Christiania oder die Schweizer Kirschblütler und erlebt verschiedene Formen des Aussteigens am eigenen Leib. Er beobachtet, hinterfragt und prüft: Inwiefern ist der Traum vom alternativen Leben Wirklichkeit geworden und wo ist der Utopie im Angesicht der Realität die Luft ausgegangen.

Viele der Menschen, die Möglich besucht, haben einen Teil ihres Idealismus verloren. Manche leben abgeschottet und werden argwöhnisch beäugt, andere sind noch immer ganz und gar von ihrer Sache überzeugt. Manche Orte wurden zum Touristenziel. Egal, wie die einzelnen gelebten Träume heute aussehen, für eines plädiert der Autor in jeder Zeile: Man muss von mehr träumen dürfen, als von einer schönen Wohnung und einer gesunden Familie, auch mit der Gefahr zu scheitern. Die Menschen, die ihre Vorstellungen von einem besseren Leben oder gar einer besseren Welt in die Tat umsetzen und dafür ihren gewohnten Alltag hinter sich lassen, sind manchmal naiv, manchmal mehr Idealisten als Visionäre, doch sie sind mutig. Und von ihnen bräuchten wir viel mehr.

„Alles auf Anfang“ ist am 27. März 2018 im Rowohlt Verlag erschienen. Ich habe das Buch kostenfrei als Rezensionsexemplar bekommen.

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