Alleinsein muss man üben

Im Alltag sind wir stark. Wir haben eine feste Hülle um uns herum, die uns schützt und stärkt. Ich fühle mich irgendwie kompakt wenn ich in der U-Bahn stehe, wenn ich durch die Straßen laufe oder im Café sitze. Immer gewappnet, immer bereit.

Doch es gibt diese Momente, in denen wir alle diese Schutzhülle abstreifen. Ich fühle mich dann ganz weich und durchlässig. Ich bin nicht mehr ummantelt von einer Schicht, die mein Inneres von dem Außen trennt. Ich zerfließe ein wenig und fühle mich zerbrechlich und wohl zugleich. Alles, was um mich herum ist, kann mich direkt reffen. Ungeschützt. Alles, was in mir ist, kommt einfach nach oben, schwappt nach draußen. Wenn ich alleine zuhause bin, Musik läuft und es draußen so richtig ungemütlich ist, dann komme ich in diesen Zustand. Oder auf Reisen, wenn ich ganz allein am Strand laufe oder den Sonnenuntergang bestaune. Dann werde ich weich, pelle mich aus meiner Schale und bin pur. Bloß ich, ungeschützt vor allem, was da um mich herum ist. Dann fließen die Gefühle meine Wangen hinab und Worte wollen aufs Papier. Es fühlt sich an, als würde ich glitzern. Als würde ich leuchten.

Dieser Zustand des puren Sein ist mein großes Glück. Es ist kostbar, denn es ist selten. Wann kommen wir zwischen Arbeit und Alltag in den Genuss uns selbst zu begegnen? Ich bin dankbar für dieses kostbare Geschenk. Doch ich habe es nicht einfach bekommen, ich hab es mir verdient, hart erarbeitet.

Wer mit diesem Gefühl erst neu Bekanntschaft macht, ist vielleicht verunsichert. Ich konnte dieses Glücksgefühl, diese Sensibilität, anfangs kaum einordnen. Ich war allein in Sri Lanka, lief am Strand und auf einmal war ich da. Ich fühlte mich roh und verletzlich, ich musste weinen und wusste nicht warum. Zuerst dachte ich, es wäre Einsamkeit. Ich fühlte mich schon länger einsam. Doch dann verstand ich, dass es keine Einsamkeit, keine Traurigkeit war, sondern der Weg zum meinem Innersten, der mich verletzlich machte und mir Zugang zu etwas ganz Kostbaren ermöglichte. Meinem Inneren, meinem Ich, meiner Kreativität.

Man muss das Alleinsein üben. Immer und immer wieder. Solange, bis es nicht mehr unangenehm ist. Es geht darum, sich nicht einsam zu fühlen, wenn man allein ist. Alleinsein ist kein Mangel, es ist die Möglichkeit dir selbst ganz nahe zu sein. Am Anfang zeiht es und drückt, doch irgendwann, dann ist diese Unwohlsein weg und was übrig bleibt, ist pures Du. Und das ist erst der Anfang.

In a different time, on a different floor
I might mourn the loss of who I’m not anymore
So I’m driving up to Oakland for a good look back
And a few revisions to my plan of attack

Let’s make a list of all the things the world has put you through
Let’s raise a glass to all the people you’re not speaking to
I don’t know what else you wanted me to say to you
Things happen, that’s all they ever do

I think I’ll see Lily, see where she stands
I can’t help how I feel, I don’t think anyone can
Sometimes we’re lovers, sometimes we’re friends
Behold the magnetism between two dead ends

Dawes „Things Happen“

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