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Alleine nach Wien? Unbedingt!

9. Mai 2018

*enthält Werbung, da Verlosung am Ende des Artikels* Gewinnspiel beendet!

„Scheenes Fräulein, hier bin ich!“, versucht mich der Verkäufer mit Turban in perfektem Wienerisch auf seinen Stand mit Gewürzen aufmerksam zu machen. „Wie wärs mit a bisserl Curry?“. Ich lächele ihn an, schüttele aber den Kopf. Er scheint ein wenig enttäuscht aber da kommt auch schon das nächste „scheene Fräulein“ daher. Der Wiener Charme ließ nicht lange auf sich warten.
Ich bin gerade erst vom Flughafen gekommen, habe meinen Rucksack im Hostel abgegeben und mich direkt auf den Weg zum Naschmarkt gemacht, der quasi vor der Haustür des Hostels liegt. Ich schlendere an den Ständen vorbei und versuche nicht zu interessiert zu schauen, da ich nichts kaufen möchte. Ich suche mir ein Sonnenplätzchen auf der Terrasse vom Bio-Restaurant Tewa. Bei meiner ersten Wiener Melange und einem gesunden Mittagsessen aus Polenta und Salat lasse ich die ersten Eindrücke sacken. Es ist voll zur Mittagszeit. Touristenmassen schieben sich durch die engen Gassen vorbei an Marktständen und Restaurants. Ich beobachte das Treiben von meinem Tisch aus und fühle mich ziemlich entspannt. Ich bin erst eine gute Stunde in Wien und weiß es schon: Wien und ich verstehen uns.

Mit manchen Städten ist es einfach so: Schon bevor man auch nur einen Fuß auf den Boden gesetzt hat, weiß man, dass das harmoniert. So ging es mir schon öfter. Bei Wien hätte aber auch viel schief gehen müssen, damit ich sagen würde, es gefällt mir nicht. Allein wenn ich die Kunst betrachte, gibt es tausend Übereinstimmungen. Ich liebe Klimt und Jugendstil, das Grabmal von Canova in der Hofburg, das Looshaus. Allein deshalb war mein erster Wienbesuch längst überfällig, meine Liste an To-See’s dementsprechend lang. Als ich den Kurzbesuch in Wien für den April buchte, ging ich davon aus, dass das Wetter mittelprächtig sein würde. Ich plante deshalb den Besuch in fünf Museen ein. Als ich dann aber in Wien ankomme, begrüßte mich strahlender Sonnenschein. Dennoch will ich auf Kunst nicht verzichten. Mich erwartet ein Mammutprogramm. Klar ist aber auch, dass ich nicht alles schaffen werde und so steht schon der zweite Wienbesuch fest, bei dem dann die restlichen Kunstmuseen folgen.

Eine gute Portion Kunst

Nach meiner Stärkung auf dem Naschmarkt mache ich mich auf den Weg zum Kunsthistorischen Museum. Da ich das Glück habe, einen Presseausweis zu besitzen, muss ich in den meisten Museen keinen Eintritt zahlen, dafür schreibe ich dann öfter Artikel. Im Kunsthistorischen Museum freue ich mich besonders auf den “Stairway to Klimt“ zum Anlass des 100. Todestages von Gustav Klimt. Über eine Art Baugerüst kann man ganz nah an die an die Meisterwerke in zwölf Metern Höhe heran und die Klimtgemälde auf Augenhöhe bewundern. Ein echtes Erlebnis! Noch bis zum 2. September kann man die Treppen zu den Wandgemälden erklimmen.
Danach bewundere ich Alte Meister und staune, wie groß die Saliera von Cellini in echt ist. Das Salzfass, dessen Wert auf rund 50 Millionen Euro geschätzt wird, wurde durch einen spektakulären Kunstraub im Jahr 2003 weltberühmt, ich kenne es noch aus dem Studium und freue mich, es in echt zu sehen.

Das Palmenhaus
Das Albertina mit dem nicht unumstrittenen Flügeldach von Hans Hollein
Spanische Hofreitschule

Nach dem Besuch im KHM setze ich mich bei der Hofburg in die Sonne und beobachte die Fiaker und die Touristen. Es ist mein erster richtig warmer Tag in diesem Jahr und ich sauge das Vitamin D auf wie ein Schwamm. Doch es geht weiter in meinem selbst auferlegten Kunstprogramm. Ich mache mich auf den kurzen Weg zum Albertina und schau dabei bei der Hofreitschule vorbei. Zwei Pferde gucken aus ihren Ställen und mampfen gemütlich ein bisschen Heu. Im Albertina wandele ich durch Prunkräume und freue mich über eine Fotografie von Rudlof Koppitz, die zu meinen Lieblingen gehört. Ich schlendere an Impressionisten vorbei und werfe einen Blick auf Keith-Haring-Ausstellung. Doch ich muss zugeben: Die Sonne lockt mich recht schnell wieder raus aus dem Museum und ich setze mich auf die Terrasse des Palmenhauses und trinke in Ruhe einen Lillet Spritz.

Nie wirklich alleine in Wien

Am Abend esse ich im Bangkok Vienna und gehe danach noch einmal zum Naschmarkt. Ich setze mich in eine der Bars und beobachte bei einem Grünen Veltiner die Szenerie. Es ist immer so schön zu sehen, wie die ersten warmen Tage die Menschen in Scharen an die frische Luft locken. Jeder will draußen sein, auch wenn es nach Sonnenuntergang doch noch empfindlich kühl ist. Ein paar Straßenmusiker ziehen durch die Naschmarktgassen und geben mit Klarinette und Akkordeon ihre Lieder zum besten. Hinterher läuft ein junger Man mit dem Trinkgeldbecher und fragt etwas zu nachdrücklich nach ein paar Münzen, im Schlepptau ein Rosenverkäufer, der ähnlich penetrant ist.
In der Hostelbar löse ich den Gutschein für mein Freigetränk ein. Es läuft grade das Pubquiz und ich komme mir etwas verloren vor. Unschlüssig setze ich mich zwischen zwei lesende Mädels und komme kurz darauf mit einer von ihnen ins Gespräch. Sie kommt aus Zypern und wir verquatschen und bei zwei weiteren Bieren länger als geplant.

 

Den nächsten Tag beginne ich mit einem Frühstück im Breakfast Club, das mir am Tag zuvor in einer der Nebenstraßen aufgefallen ist. Ich habe mir außer den Museen bewusst keine Tipps im Internet herausgesucht, sondern bin einfach immer der Nase nach und habe meine Reiseführer in der Tasche für den Notfall. Die Frühstückslocation ist ein Volltreffer. Hier gibt es wahlweise orientalisches, vegetarisches oder süßes Frühstück und noch viel mehr! Im Hintergrund läuft von der Schallplatte Musik aus den 60ern, die Wand schmückt das Cover von Pink Floyds „The Dark Side of the Moon“. Ich esse und sauge mal wieder Atmosphäre auf. Genau das liebe ich am Alleinreisen. Ich kann ungestört beobachten und denken. Neben mir sitzen drei Geschäftsmänner, gegenüber ein asiatisches Pärchen, das wahrscheinlich auf Reisen ist, eine Oma und ihre Enkelin bestellen Pancakes.

Nach der Stärkung geht es in Leopold Museum, in dem ich mir die wirklich gelungene Egon-Schiele-Ausstellung ansehe. Spontan gehe ich noch nebenan in die Kunsthalle, in der gerade Ydessa Hendeles mit „Death to Pigs“ zu sehen ist. Die Ausstellung ist atmosphärisch, auch wenn ich mich nicht tiefer mit der Kunst beschäftige.

Am Mittag bin ich mit einer Exilpfälzerin im Café Central verabredet. Ich interviewe sie für mein Nebenprojekt Krawwelkatz und wir quatschen angeregt, trinken Melange und essen Mohr im Hemd. Danach schlendere ich durch die Innenstadt und merke, dass ich wohl schon viermal am Loos-Haus vorbeigegangen bin, ohne es zu merken. Ich bummele an Gucci- und Prada-Läden vorbei und mache noch einen Zwischenstopp in „Zum schwarzen Kameel“ und trinke einen gespritzten Veltiner. Ich hatte am Tag zuvor zwei junge Frauen belauscht, die davon gesprochen haben und wollte wenigsten einen kurzen Abstecher in das scheinbar angesagte Café machen.

Ein Programmpunkt in Sachen Kunst steht noch auf meiner Liste: Ich will Canovas Grabmal für Erzherzogin Marie Christine in der Augustinerkirche anschauen. Ich muss den Eingang ein bisschen suchen, aber als ich ihn dann gefunden habe, habe ich das Kunstwerk ganz für mich alleine. Zum ersten Mal sind keine Touristenmassen um mich herum und ich freue mich über de Ruhe.

Antonio Canova

Den Abend verbringe ich mit einer ehemaligen Kommilitonin aus München. Wir essen lecker im Café Ansari. Zum Abschluss zeigt sie mir noch den grandiosen Ausblick von der Bar im Sofitel, der Besuch lohnt sich alleine wegen der kunstvollen Decke, und ich mache mich danach beschwingt zu Fuß auf den Rückweg durch das nächtliche Wien.

Wien hat mir wieder gezeigt, wie schön es ist alleine zu reisen. Ich konnte einerseits mein straffes Kunstprogramm in meinem Tempo abhaken und gleichzeitig einfach planlos durch die Straßen ziehen. Dank meinen geplanten und ungeplanten Treffen mit anderen war ich zu keiner Zeit einsam. Wien hat es mir so wunderschön leicht gemacht. Ich freue mich schon jetzt aufs nächste Mal. Dann will ich zu den Bars am Kanal, ins Belvedere und zum Prater.

*Gewinnspiel*

Auf meiner Reise hat er mir gute Dienste geleistet, der Baedeker Reiseführer Wien. Viel Wissenswertes kompakt verpackt! Ich habe nicht nur einen Reiseführer für meine Wienreise bekommen, sondern einen zweiten dazu, den ich verlosen darf. Wer also demnächst nach Wien reist und diesen Reiseführer gebrauchen könnte, der kommentiert einfach hier oder bei Facebook, auf was er sich in Wien am meisten freut. Wer den Artikel oder den Facebookbeitrag teilt, kommt noch einmal zusätzlich in den Lostopf. Das Gewinnspiel läuft bis Montag 14.05.2018 um 20 Uhr. Danach wird der Gewinner per Zufall ausgelost und per Mail oder Facebooknachricht informiert. Meldet sich der Gewinner nicht innerhalb der nächsten 72 h, wird neu ausgelost. Der Gewinn kommt per Post nach Hause. Wer mehr Infos zum Reiseführer will, schaut hier. Ich habe die Bücher kostenlos bekommen, für das Gewinnspiel werde ich nicht bezahlt.

Lesetipps:

Wenn ich verreise, stimme ich mich vorab mit Geschichten auf das Reiseziel ein. Außerdem nehme ich passende Bücher mit oder lese danach einfach weiter. So auch bei Wien. Ich habe mir ein paar Tipps zur Reiselektüre geben lassen und habe folgende Bücher gelesen und gemocht: Hier geht es zum Beitrag zur Reiselektüre Wien.

  1. Sechs Jahre in Wien und ich habs nie ins Café Central geschafft :D Ein paar Mal hab ichs probiert, aber es war immer voll…
    Und kleine Anmerkung: Es ist die Spanische Hofreitschule, nicht die königliche :)

    1. Huch, danke dir für die Korrektur, ist verbessert ;)
      Das stimmt, voll war es. Wir haben 15 Minuten gewartet, aber schön ist es auf alle Fälle! Aber so ist es ja oft, wenn man irgendwo wohnt, sieht man weniger als die Touristen ;)

      1. Ja, v.a. ist die Lust dann auch eher gering, 15min (und das war ja noch flott) auf nen Tisch zu warten, wenn man weiß: Ums Eck krieg ich genauso nen Kaffee :D

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